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Traumland Australien
Auswandern leicht gemacht

Die australische Wirtschaft boomt; das Land sucht Einwanderer aus allen möglichen Berufen. Ein neues Leben wartet dort auf einen, eine neue Welt voller Unwägbarkeiten, Heimweh, Problemen, Neugier und Abenteuer.
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Ein Infobahn-Spezial:

Firmengründung in Australien

Australiens Wirtschaft profitiert durch den extremen Rohstoffbedarf der asiatischen Nachbarn. Die Haushaltsüberschüsse sind hoch, die Arbeitslosenzahlen gering. Doch der Boom bringt auch Nachteile mit sich. Während man Rohstoffe exportierte, vernachlässigte man die Produktion im eigenen Lande. Die Importe aus China stiegen in den vergangenen Jahren in astronomische Höhen, um die Bedürfnisse der kauffreudigen Australier zu decken. Auch bei Dienstleistungen im eigenen Lande fehlt es an qualifizierten Arbeitskräften – ein Engpass, der die Preise für Serviceleistungen in die Höhe treibt und damit natürlich auch die Inflation und letztlich auch die Zinsen. Um all diese Engpässe zu überwinden, will die Regierung Rudd in Infrastruktur, Gesundheit und Bildung investieren. Doch das Land sucht auch händeringend nach qualifizierten Arbeitskräften. Diese Phase kann eine Chance sein – nicht nur für einwanderungswillige Arbeitskräfte, sondern auch für Firmen, die sich in Australien niederlassen wollen oder eine bestehende Firma kaufen wollen. Wir haben mit dem deutschen Rechtsanwalt Wolfgang Babeck in Sydney über Chancen und Risiken für ausländische Firmen gesprochen.

Wie schwierig ist es für Unternehmen, in Australien an den Start zu gehen?
Nach einer aktuellen Studie der Worldbank ist Australien weltweit der Spitzenreiter, was die Dauer und die notwendigen Schritte für eine Firmengründung angeht. Im positiven Sinne. Zum Beispiel muss man in Australien keine Satzung einreichen und kann innerhalb von zwei oder drei Tagen eine Tochtergesellschaft gründen. Dies geschieht in der Regel durch den Erwerb einer bereits gegründeten Vorratsgesellschaft oder Shelf Company. Auch die Kosten einer Firmengründung sind deutlich geringer, da kein Mindestkapital notwendig ist. Oft beträgt es nur einen australischen Dollar. Die Gründungskosten selbst belaufen sich im Durchschnitt auf etwa 2000 australische Dollar. Eine Tochtergesellschaft wird überwiegend in der Rechtsform einer mit der deutschen GmbH vergleichbaren "proprietary company" gegründet.

Das hört sich einfach an. Wo sind denn aber nun die Haken?
Keine wirklichen Haken. Aber wichtig zu wissen ist: Sie können als Ausländer oder als jemand, der nicht in Australien lebt, zwar 100 prozentiger Eigentümer einer Firma sein. Allerdings muss es vor Ort noch einen Resident Direktor geben. Das ist eine Person, die hier dauerhaft lebt oder es kann eine Person sein, die hier dauerhaft leben will. In diesem Fall genügt auch ein temporäres Visum. Viele Unternehmen benötigen in Australien aber keine eigene Präsenz, sondern können einfach über einen Handelsvertreter oder Vertragshändler agieren. Einfach macht das Ganze auch, dass das australische Recht keinen Abfindungsanspruch des Handelsvertreters bei Ende des Vertragsverhältnisses kennt.

Das ist nun ein definitiver Unterschied zum deutschen oder europäischen Recht. Gibt es noch weitere Themen, auf die man besonders achten sollte?
Ein wichtiger Punkt ist, die Produkte des Unternehmens in Australien zu schützen. Eintragungsfähig sind in Australien z.B. Wortmarken, Bildmarken, Geruchsmarken, Geräusche, Symbole, Verpackungstypen, Farben und Formen. Grundsätzlich ist die erste Person, die die Marke in Australien einträgt, Inhaber der Marke. Natürlich gibt es dabei verschiedene Ausnahmen. Eine vorherige Benutzung ist nicht notwendig. Das gilt unabhängig davon, dass die Marke in einem anderen Land bereits genutzt oder registriert wurde. Die Registrierung einer Marke erwirkt einen Schutz für einen Zeitraum von zehn Jahren. Solange der Markeninhaber die Eintragung regelmäßig verlängert, kann er einen zeitlich unbegrenzten Schutz seiner Marke erreichen. Solch eine Marke kann man sich schon von Deutschland aus schützen lassen und anders als in Neuseeland ist auch kein Anwalt dazu nötig.

Gibt es formale Unterschiede zu Europa?
Im angelsächsischen Bereich hat man beispielsweise ein Aktienbuch oder Firmenregister, in dem alle Unterlagen bzw. Beschlüsse der Gesellschaft aufbewahrt werden. Darüberhinaus muss die Firma einen Ansprechpartner bzw. einen Public Officer für das Australian Taxation Office bestellen. Anders als in Deutschland muss dies nicht einer der Geschäftsführer sein.

Ist denn in Australien alles besser oder einfacher als in Europa oder gibt es auch Nachteile?
Die gibt es zum Beispiel beim Eintreiben von Kleinschulden. Denn das Gerichtssystem ist in Australien durch die Offenlegung aller relevanter Dokumente so komplex und teuer, dass sich Verfahren unter 75000 $ nicht wirklich lohnen.

Was macht man dann also bei geringeren Summen?
Bei Summen ab 2000 $ kann man – wenn die Schuld eindeutig ist – ein sogenanntes Statutory Demand verschicken. Der Geschäftspartner hat dann 21 Tage um zu bezahlen. Ansonsten kann ein Insolvenzantrag eingereicht werden. Das ist eine wirklich scharfe Waffe.

Wo punktet Australien beim Thema Markteintritt für ausländische Investoren sonst noch?
Australien bietet eine starke Währung und aufgrund seiner vier großen Ballungszentren hat zum Beispiel die Konsumgüterindustrie geringe Vertriebskosten. Für Procter and Gamble ist Australien einer der profitabelsten Absatzmärkte, obwohl es nur mit etwa 20 Prozent seiner Produkte hier vertreten ist. Überhaupt gibt es in vielen Bereichen nicht die Produktauswahl wie in Europa. Manche Firmen haben eine richtige Monopolstellung. Trotzdem darf man gerade bei Konsumgütern die andersartigen, kulturellen Vorlieben bei der Mode oder dem Essen nicht unterschätzen. Letztere Bereiche unterliegen teilweise auch hohen Importzöllen oder Quarantänebestimmungen.

Wenn sich eine ausländische Firma nun für einen Markteintritt entschieden hat, was folgt als nächstes?
Jede Firma muss gut abwägen, welchen Standort in Australien sie wählt. Fragen sind auch: wie personenintensiv ist das Geschäft und wie finde ich bei diesem Arbeitskräftemangel geeignete Mitarbeiter? Muss ich einen Recruiter beschäftigen, übernehme ich lieber eine bestehende Firma, bringe ich Spezialisten mit? Australien als Sprungbrett in den südostasiatischen Markt zu nehmen, halte ich persönlich eher für schwierig. Lieber konzentriert man sich auf den Markt hier.

Gibt es australische Bundesländer, die ausländische Firmen verstärkt anlocken wollen?
Ja und nein. Offiziell gibt es ein Abkommen zwischen den Staaten, sich nicht gegenseitig Geschäft wegzunehmen. Doch Queensland ist diesem Abkommen bewusst nicht beigetreten und so kann man dort die meisten Finanzspritzen vom Staat erwarten. Doch jeder muss für sich abwägen, ob auch seine Kunden in Queensland sitzen, es der richtige Ort fürs Geschäft ist, er dort qualifizierte Arbeitskräfte findet etc. New South Wales hat für solche Förderungen zum Beispiel kaum Geld. Es leidet außerdem an dem Materialismus und der hohen Fluktuation seiner Arbeitskräfte. In Queensland scheinen die Leute tatsächlich noch loyaler ihrem Unternehmen gegenüber zu sein. In Sydney muss sich ein Arbeitgeber schon eine Menge an Vergünstigungen einfallen lassen, um seine guten Arbeitnehmer zu halten.

Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Babeck ist Herausgeber des 'Investitionsführers Australien' und Partner der deutschen Wirtschaftskanzlei Buse Heberer Fromm. Er koordiniert den European Desk in Zusammenarbeit mit der australischen Kanzlei Dibbs Abbott Stillmann Lawyers. Wolfgang Babeck kam 2002 nach Australien, um sich hier ein Leben mit seiner deutsch-australischen Frau und den inzwischen zwei Kindern zu gestalten. Er lebt in Sydney.

Im folgenden gehts zu einem aktuellen Geschäftsverkauf in Noosa.


Das Interview führte Barbara Barkhausen.

Photo Credit: www.pixelio.de

 

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