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Australien sucht dringend Fachkräfte,
vor allem für anstehende Infrastrukturprojekte
So funktioniert die Personalsuche Down Under
Die wirtschaftliche Entwicklung Australiens
ist seit mehreren Jahren durch eine sehr gute konjunkturelle
Entwicklung gekennzeichnet, die sich durch relativ hohe reale
Wachstumsraten, eine stetig sinkende Arbeitslosenquote, hohe
Investitionen im Infrastruktur- und Bergbaubereich und einer
gedämpften Inflationsentwicklung auszeichnet. Der Hintergrund
dafür ist die starke asiatische Nachfrage nach mineralischen
Rohstoffen und Energieträgern, deren Ende noch nicht absehbar
ist.
Australien will dieser Nachfrage entsprechen
und arbeitet in sämtlichen Infrastruktursektoren an Kapazitätserweiterungen,
um die Rohstoffe schnell und preisgünstig zu den Verschiffungshäfen
zu bringen. Aus eigener Kraft kann der fünfte Kontinent
diese Aufgabe nicht bewältigen. Dazu bedarf es des Zustroms
ausländischen Kapitals. Aufgrund der liberalen Investitionsbedingungen
fließt dies reichlich. Unter den entwickelten Industriestaaten
ist Australien seit einigen Jahren einer der größten
Bezieher ausländischer Direktinvestitionen.
Nicht nur Kapital, sondern auch eine hohe Zahl
von Fachkräften ist notwendig, um die geplanten Projekte
zu realisieren. Seit Ende der 90er Jahre sieht es jedoch mit
der nationalen Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal
zunehmend kritischer aus. Es besteht ein großer Mangel
an ausgebildeten Handwerkern, Technikern, allen Arten von Ingenieuren,
Ärzten, Krankenschwestern, Finanz-, Steuer- und Buchhaltungsexperten
sowie Managern. Die Regierung hat seit einigen Jahren die Tore
für die Einwanderung von sog. skilled labour weit geöffnet
und sogar direkt für Arbeitskräfte im Ausland –
auch in Deutschland – geworben.
Tore für Einwanderer weit geöffnet
Australien als klassisches Einwanderungsland
gestattet im Wirtschaftsjahr 2007/08 (1.7. bis 30.6.) den Zuzug
von 150.000 Personen. Darunter sind 102.000 Plätze für
sog. skilled migration reserviert. Die Masse der Personalnachfrage
stammt nicht aus dem verarbeitenden Gewerbe, sondern aus dem
Dienstleistungs-, Bau- und Bergbausektor. Nur noch etwas über
10% des Bruttoinlandsprodukts werden im Produktionsbereich erwirtschaftet.
Wichtigste lokale Rekrutierungsquelle für
hochqualifizierte Fachkräfte sind die 38 Universitäten
des Landes. Zu diesen zählen auch vier technische Hochschulen:
Curtin University of Technology, Queensland University of Technology,
University of Technology (Sydney) und Swinburne University of
Technology. Größere Unternehmen und auch Personalberatungsbüros
veranstalten in diesen Institutionen Job-Börsen, um in
einem sehr frühen Stadium Studenten für spezifische
Arbeitsplätze zu gewinnen. Studenten, die besonders gesuchte
Fächer studieren, z.B. Bauingenieurwesen, erhalten von
manchen späteren Arbeitgebern das Studium finanziert.
Personalsuche per Internet weit verbreitet
Die Arbeitsplatzvermittlung liegt in Australien
überwiegend in privaten Händen. In jedem der acht
Bundesstaaten/territorien gibt es zahlreiche private und spezialisierte
Personalagenturen, die sich mit der Fachkräftesuche befassen.
Letztere läuft hauptsächlich über das Medium
Internet. Printmedien haben dabei ein geringeres Gewicht. In
diesen publizieren meistens staatliche Stellen ihren Personalbedarf.
Größere Firmen und auch öffentliche Institutionen
unterhalten eigene Personalbeschaffungsbüros.
Da die Personalrekrutierung in Australien dominierend
privatwirtschaftlich ausgerichtet ist, werden für Vermittlungsdienste
marktübliche Preise verlangt. In Sydney, dem Finanz- und
Wirtschaftszentrum des fünften Kontinents liegen die Provisionen
zwischen zehn und 33%. Berechnungsbasis dafür ist das Bruttojahresgehalt
zuzüglich des 9%igen Arbeitgeberzuschlags zur privaten
Lebensversicherung. Der Spitzensatz von 33% kommt nur bei der
Suche nach Spezialisten und geschäftsführenden Managern
zum Zug. Die mittlere Provisionsrate liegt bei 18%. Für
zahlreiche Betriebe mit einer relativ hohen Personalfluktuation
sind die Rekrutierungskosten einfach zu hoch. Sie bilden daher
wieder eigene Abteilungen zur Personalgewinnung. Die Websites
vieler Firmen enthalten Einstellungshinweise und Aufforderungen
zur Abgabe von Bewerbungen.
Staatliche Arbeitsämter befassen sich vorwiegend
mit der Vermittlung von Fachpersonal mit körperlichen Behinderungen,
von Arbeitskräften in ländlichen Regionen, von Personen,
die nach langer Abwesenheit vom Arbeitsmarkt erneut ins Berufsleben
zurückkehren wollen und von Mitarbeitern in sozialen Diensten.
Wirtschaftsverbände sind in diesem Gewerbe kaum tätig.
Die AHK-Sydney will und kann sich in diesem Bereich nicht engagieren.
Geringes Interesse an Ausbildungsinvestitionen
Die Aus- und Fortbildung von Mitarbeitern in
Unternehmen ist in Australien nicht weit verbreitet. Es wird
erwartet, dass eine Arbeitskraft ihre Ausbildung mitbringt.
Berufsanfänger werden skeptisch betrachtet und erhalten
generell sehr niedrige Anfangsgehälter. Immer wieder richtet
sich die Personalnachfrage nach berufserfahrenen Mitarbeitern.
Die meisten australischen Unternehmen sind kleine und mittelständische
Unternehmen, die untereinander in hartem Wettbewerb stehen.
Auf Investitionen in die Mitarbeiterschulung, deren Resultate
oft nicht messbar sind, wird daher oft verzichtet. Unter makroökonomischen
Aspekten ist diese Entwicklung bedenklich. Australien verzeichnet
daher seit Jahren im internationalen Vergleich nur geringe Produktivitätszunahmen.
Australien hat sich in den letzten Jahren mit
einer resolut betriebenen liberalistischen Außenwirtschaftspolitik
weit für die Globalisierung geöffnet. Junge Universitätsabsolventen
aus den Bereichen Ökonomie, Medizin, Recht und Technik
profitieren davon und fragen gleich am Anfang ihres Berufslebens
nach Karrierechancen in London, Dubai, Shanghai oder New York.
Ihre Muttersprache, Englisch, weltweit als Lingua Franca anerkannt,
fördert diesen Schritt. Sie kehren oft für viele Jahre
oder für immer ihrem Heimatland den Rücken zu. Diejenigen,
die im Land bleiben, versuchen mit „Job Hopping“
ihre Verdienst und Aufstiegschancen zu verbessern. Klein- und
Mittelunternehmen bieten auf diesen Gebieten nur begrenzte Fördermöglichkeiten.
Häufiger Arbeitsplatzwechsel üblich
Eine soziale Kohäsion oder ein Loyalitätsempfinden
gegenüber einem Unternehmen, so wie diese in Deutschland
bestehen, sind in Australien nur schwach ausgeprägt. Eine
individualistische Lebensweise verbunden mit einem Hang zu größerer
Risikobereitschaft sind weit verbreitet. Auch Institutionen
zur sozialen Absicherung sind nur schwach vorhanden. Eine Sozialpartnerschaft
nach deutschem Modell besteht in Australien nicht. Generell
sind die Kündigungsfristen kurz bemessen. Für viele
Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist „Job Hopping“ –
besonders in Zeiten der Hochkonjunktur - etwas selbstverständliches.
Die Mitte 2006 von der liberalen Bundesregierung in Canberra
genehmigten individuellen Arbeitsvertragsregelungen, bekannt
unter der Bezeichnung „Work Choice Agreement“, fördern
den Trend zum häufigen Wechsel des Arbeitsplatzes. Deutsche
Firmenniederlassungen sind davon etwas weniger betroffen.
Einige Unternehmen sehen aber in dieser Entwicklung
eine existenzielle Bedrohung. Sie versuchen mit der Gewährung
von sog. „fringe benefits“ (Privilegien, Zusatzeinkünfte),
Mitarbeiter enger an die Firma zu binden. Weit verbreitet ist
der günstige Einkauf von Pkw über die Betriebskasse
für Mitarbeiter. Die Unternehmen erhalten dann von den
Pkw-Herstellern Flottenrabatte, welche diese an ihr Personal
weiterreichen. Ferner zählen dazu die preisgünstige
Vermietung von Wohnungen oder Häusern sowie längere
Geschäftsreisen ins Ausland.
Um im globalen Wettbewerb mithalten zu können
und um den sog. skills gap etwas zu schließen, sind große
australische Firmen dazu übergegangen, sog. in-house training
centres zu etablieren, die teilweise mit lokalen Universitäten,
Technischen Hochschulen oder staatlich anerkannten Business
Schools kooperieren. Einige sprechen auch von der sog. corporate
university innerhalb des Großunternehmens. Dabei geht
es hauptsächlich um die Weiterbildung von Fachpersonal
für die Übernahme von Führungspositionen. Kleinere
Firmen müssen sich zur Schulung ihres Personals auf externe
Ausbilder verlassen, welche meistens Trainingsprogramme allgemeineren
Inhalts anbieten, die oft nicht pezifisch genug auf Unternehmensbelange
eingehen. Auch gute Ausbilder sind in Australien Mangelware.
Deutsche als Arbeitgeber beliebt
Das Engagement deutscher Unternehmen in Australien
ist relativ groß. Für 2006 wurde der Stand der deutschen
Direktinvestitionen auf etwa 7,0 Mrd. Euro geschätzt. Es
gab rd. 360 Niederlassungen deutscher Firmen. Der größte
Teil davon wird fast vollständig von australischem Personal
geführt. Selbst die Chefposition ist oft mit einer/einem
Australier/in oder einer nichtdeutschen Führungskraft besetzt.
Etwa 30% der Niederlassungen betreiben Produktions- oder Montagebetriebe.
Nach Schätzungen des australischen Außen- und Handelsministeriums
sind von diesen Firmen rd. 50.000 lokale Arbeitsplätze
geschaffen worden. Sie rekrutieren ihr Personal fast ausschließlich
in Australien. Bei der Suche nach Fachkräften verlassen
sie sich vorwiegend auf lokal etablierte Personalbeschaffungsbüros
und Headhunter.
In ihrer Funktion als Arbeitgeber genießen
die deutschen Unternehmen nach Meinung vieler Personalberatungsbüros
im Vergleich zu anderen ausländischen Firmen einen guten
Ruf. Sie verfolgen generell sehr langfristige Investitionskonzepte
und ihre Unternehmensführung vor Ort gilt als konsistent
und transparent. Im Gegensatz dazu ist dies bei vielen australischen
US-Niederlassungen nicht der Fall. Umgekehrt schätzt die
deutsche Seite die Innovationsfreudigkeit, Flexibilität
und den Technikoptimismus („we’ll fix it“)
ihrer australischen Mitarbeiter. Es kommt hinzu, dass gut ausgebildetes
Personal verfügbar ist und die Gehälter von hochqualifizierten
Fachkräften erheblich unter dem vergleichbaren deutschen
Niveau liegen. Das Anfangsjahresgehalt eines ausgebildeten Ingenieurs
erreichte Mitte 2007 im Landesdurchschnitt nur 26.500 Euro p.a..
Kontaktanschriften:
Australian Human Resource Institute
Level 10, 601 Bourke St.
Melbourne, VIC 3000, Australien
Tel.: 00613/99 18 9200
Fax: 00613/99 18 9201
Internet: www.ahri.com.au
Chandler Mcleod Ltd.
Level 8, 32 Walker Street,
North Sydney, NSW 2060, Australien
Tel.: 00612/89 13 7777
Fax: 00612/89 13 7001
Internet: www.chandlermacleod.com
CareerOne
Level 11, 418A Elizabeth Street
Surry Hills, NSW 2010, Australien
Tel.: 00612/1800 555 010
Internet: www.careerone.com.au
Polyglot Group
25 Burton Street
Gleebe, NSW 2037, Australien
Tel.: 00612/95 18 4388
Fax: 00612/95 18 4308
Internet: www.polyglot.com.au
Der Autor Franz Reichwein
ist Leiter des Büros der Bundesagentur für Außenwirtschaft
(bfai) in Sydney und berichtet exklusiv für die InfobahnAustralia
über wirtschaftliche Tendenzen in Australien.
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Photo Credit: Tourism Australia
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