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Australien fürchtet erneute Dürrekatastrophe
und hat wenig Lösungsansätze
In großen Teilen Australiens waren Winter
und Frühjahr erneut regenarm. Die Temperaturanalyse der
Meeresströmung El Nino, von der das Wetter in Ostaustralien
beeinflusst wird, lässt zudem Rückschlüsse auf
vermutlich sehr trockene Sommermonate zu. Und wiederum sind
viele australische Bürger auf diesen Notstand nur unzureichend
vorbereitet. In weiten Landesteilen wird wohl der Wasserhahn
für einige Zeit sogar zugedreht werden müssen. Besonders
davon betroffen wird die Landwirtschaft sein, der größte
Wasserkonsument des Landes. Aber auch die Bewohner von Landgemeinden
müssen mit dramatischen Auswirkungen rechnen.
Regierung versagt
Auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet geschieht dagegen
so gut wie nichts, um die anstehende Wassernot zu lindern. Die
australischen Bundesstaaten sind weit davon entfernt, sich auf
einen nationalen Wasserversorgungsplan zu einigen. In Sydney
wurde der Bau einer Meerwasserentsalzungsanlage in eine ungewisse
Zukunft verschoben. Die 2-Mrd.-Aus $ teure Fabrik war unpopulär
und wurde von den lokalen Medien auf polemische Weise kritisiert.
Jetzt geht es an die Erschließung fossiler Wasserbestände,
deren Umfang reichlich unbekannt ist.
Abwässer zu Trinkwasser
klären?
Die Stadtväter von Toowoomba, einer Kleinstadt in Queensland,
versuchten ihrer Bevölkerung die teilweise Wiederverwertung
hochgradig geklärter Abwässer für Trinkwasserzwecke
schmackhaft zu machen. Eine demagogische Gegenkampagne hat dieses
Projekt zu Fall gebracht. Halb öffentlich und halb heimlich
werden bereits an verschiedenen Stellen in Australien geklärte
Abwässer in Staudämme oder andere Trinkwasserreservoirs
geleitet.
Wasseraustausch mit Industrieanlagen
In den Bundesstaaten Victoria und Queensland bestehen Pläne,
Kühl- oder Prozesswasser für Kraftwerke und Industrieanlagen
der Trinkwasserversorgung zur Verfügung zu stellen. Umgekehrt
sollen die Betriebe mit geklärten Abwässern versorgt
werden. Die entsprechende Infrastruktur an Rohrleitungen und
Pumpen kostet mindestens 3 Mrd. Aus $.
Westaustralien mit Meerwasserentsalzungsanlage
am fortschrittlichsten
In Perth wurden die Zeichen der Zeit dagegen erkannt. Dort wird
in wenigen Wochen eine Meerwasserentsalzungsanlage in Betrieb
genommen, deren Jahreskapazität bei 45 Mrd. Liter Trinkwasser
liegt. Die 400-Mio.-Aus $-Anlage ist angeblich die größte
ihrer Art außerhalb der nahöstlichen Region. Sie
kommt genau zur richtigen Zeit. Perth verzeichnet das trockenste
Jahr seiner Stadtgeschichte. Die Trinkwasserstaudämme sind
nur noch zu 30% gefüllt.
Mögliche Lösungsansätze
Vieles muss schnell anders werden. Sydney muss sich dazu entschließen,
seine Abwässer besser zu klären und diese nicht ins
Meer zu leiten. Sie sind für industrielle, forstwirtschaftliche
und agrarische Zwecke zur Verfügung zu stellen. Sämtliche
Privathäuser und öffentliche Gebäude sind mit
großen Zisternen zur Aufnahme von Regenwasser auszurüsten.
Damit sollen zumindest Toilettenanlagen betrieben werden. Es
ist erforderlich, dass in breiten Bevölkerungskreisen ein
wasserökonomisches Denken Fuß fasst. Möglicherweise
können höhere Trinkwasserpreise mehr Denkanstöße
vermitteln. Die Preise für Wasser in Australien zählen
ohnehin zu den niedrigsten in der Welt.
Der Autor Franz Reichwein ist Leiter des Büros
der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) in Sydney
und berichtet exklusiv für die InfobahnAustralia über
wirtschaftliche Tendenzen in Australien.
Foto Credit: Tourism Australia
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