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Wirtschaft Down Under

Wirtschaftsstruktur und Chancen - Australien - Teil 4

Australien im globalen und regionalen Kontext - eine Serie auf der InfobahnAustralia

Rolle des Staates in der Wirtschaft

Australien verfolgt eine liberale Wirtschaftspolitik mit möglichst wenigen staatlichen Interventionen. Der Bundesregierung in Canberra unter Führung von Premierminister John Howard gilt als besonders wirtschaftsfreundlich. Subventionen in bestimmten Wirtschaftszweigen – mit Ausnahme der Landwirtschaft – steht sie eher ablehnend gegenüber. Sie zeigt großes Vertrauen in die Marktkräfte. Bei einem Regierungswechsel mag sich diese Einstellung etwas ändern.

Public Private Partnerships
In einzelnen Bundesstaaten und besonders von der Bundesregierung in Canberra werden Betreibermodelle – Public Private Partnerships (PPP) – bei der Realisierung von Infrastrukturvorhaben in den Bereichen Gesundheit, Transport und Erziehung grundsätzlich befürwortet und unterstützt. Aus politischen und ökologischen Gründen gibt es relativ häufig die Ablehnung oder sogar ein Verbot von Projektrealisierungen. So besteht über viele Jahre hinweg ein Bauverbot für eine Papiermühle in Tasmanien. In Western Australia ist die Etablierung von neuen Uranminen verboten. Der zügige Ausbau an erneuerbaren Energiequellen scheitert daran, dass die Regierung in Canberra ihre Subventionen für diese Art der Energiegewinnung auf ein Minimum begrenzt hat. Sehr strikte Umweltauflagen, die teilweise absurde Ausmaße annehmen können, behindern oder verhindern Investitionen.

Die Einflussnahme des öffentlichen Sektors...
auf die wirtschaftliche Entwicklung in den einzelnen Bundesstaaten ist sehr unterschiedlich. Generell ist ein Rückzugstrend des Staates aus wirtschaftlichen Aktivitäten feststellbar. In den meisten Bundesstaaten kontrollieren Regierungen noch Versorgungseinrichtungen für Strom und Wasser. Die Versorgungsunternehmen werden jedoch nach privatwirtschaftlichen Regeln betrieben. In denjenigen Bundesstaaten, in denen die Versorgungswirtschaft weitgehendst dereguliert wurde, wachen Regulierungsbehörden über die Einhaltung bestimmter wirtschaftlicher Ordnungsgrundsätze

Auf Bundesebene besteht eine Art Kartellamt – Australian Competition and Consumer Commission (ACCC). Sie sorgt für faires Marktverhalten der Unternehmen, überwacht Preise, genehmigt oder verbietet Fusionen und achtet auf die Einhaltung von garantierten Verbraucherrechten sowie des Trade Practices Act – einer Art Handelsgesetzbuch.

Außenhandel - defizitäre Handelsbilanz
Der australische Außenhandel verzeichnet sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite seit mehreren Jahren eine expansive Entwicklung. Die jährlichen Zuwachsraten liegen jeweils im zweistelligen Bereich. Die Handelsbilanz ist strukturell defizitär. Die ständig steigenden Ausfuhren an mineralischen Rohstoffen, Energieträgern und Agrarerzeugnissen reichen seit vielen Jahren nicht aus, die hohe Nachfrage nach Importgütern zu decken.

Da das verarbeitende Gewerbe nur von geringer volkswirtschaftlicher Bedeutung ist, muss fast der gesamte Bedarf an Investitionsgütern und langlebigen Konsumgütern importiert werden. Bei einem erheblichen Teil der Verbrauchsgütern sieht die Situation nicht wesentlich besser aus. Nur noch knapp 20% des lokalen Bedarfs an Kfz werden aus der nationalen Produktion gedeckt. Bei Textilien und Schuhen sind es weniger als 10%. Einfuhrprodukte aus VR China sind in vielen Marktsegmenten dominierend.

Hohe Investitionen in Maschinen und Anlagen in Australien führen automatisch zu steigenden Einfuhren bei diesen Gütern. Davon profitieren vorwiegend Lieferanten aus den USA und der EU. In den kommenden Jahren besteht jedoch die Hoffnung, dass durch mengenmäßig hohe Rohstoff- und Energieexporte und einer moderat wachsenden Nachfrage nach Einfuhrgütern sich langsam eine ausgeglichene Handelsbilanz einstellt.

Defizitäre Leistungsbilanz
Nicht nur die Handelsbilanz ist stark defizitär, sondern auch die Leistungsbilanz. Dies ist vorwiegend auf hohe Einkommensübertragungen (Zinsen, Dividenden) ins Ausland zurückzuführen. Durch die weite Öffnung Australiens für ausländische Investoren befindet sich inzwischen ein Großteil der australischen Wirtschaft in ausländischen Händen. Die australischen Banken refinanzieren erhebliche Teile ihrer gewährten Darlehen im Ausland. Ende 2006 erreichte die australische Auslandsverschuldung – die hauptsächlich privater Natur ist - fast 60% des BIP. Das Leistungsbilanzdefizit erreicht 2006 zeitweise einen Anteil am BIP von 6,0%.

Der Autor Franz Reichwein ist Leiter des Büros der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) in Sydney und berichtet exklusiv für die InfobahnAustralia über wirtschaftliche Tendenzen in Australien.

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September 06 - Goldgräberstimmung hält an
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Januar 07 - Qantas als Symbol einer Schuldennation
Februar 07 - Deutsche Automobilhersteller in Australien
März 07 - Blitzstart für Oppositionsführer
April 07 - Australiens Geschäftsstil
Mai 07 - Australiens Infrastrukturprobleme
Juni 07 - Wirtschaftsstruktur und -chancen Australien Teil 1
Juni 07 - Wirtschaftsstruktur und -chancen Australien Teil 2
Juni 07 - Wirtschaftsstruktur und -chancen Australien Teil 3


Photo Credit: Tourism Australia

 

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