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Wirtschaft Down Under

Wirtschaftsstruktur und Chancen - Australien - Teil 3

Australien im globalen und regionalen Kontext - eine Serie auf der InfobahnAustralia

Regionale Struktur

Das australische Territorium umfasst rund 7,7 Millionen Quadratkilometer. Mitte 2006 erreichte die geschätzte Zahl der Einwohner 20,6 Millionen. Ihre extrem ungleiche Verteilung über die Landesfläche hat dominierenden Einfluss auf die Wirtschafts- und Entwicklungsstruktur des Landes. Australien ist föderal gegliedert. Die Bevölkerung lebt überwiegend in den Bundesstaaten New South Wales (6,8 Mio.), Victoria (5,0 Mio.) und Queensland (4,1 Mio.). Mit weitem Abstand folgen Western Australia (2,1 Mio.) und South Australia (1,6 Mio.). Sehr kleine Bevölkerungsteile leben in den Bundesstaaten/Territorien Tasmanien (0,5 Mio.), Australian Capital Territory (0,4 Mio.) und Northern Territory (0,2 Mio.).

Die Bundesstaaten sind infrastrukturell schwach untereinander verbunden. Dies gilt besonders für Western Australia. Auf dem Landweg besteht nur eine Straßen- und eine Eisenbahnverbindung mit dem östlichen Landesteil. Australien verfügt über kein Stromverbundnetz. Außerhalb städtischer Regionen funktioniert kein Mobilfunknetz. Im Landesinneren muss auf den satellitengestützten Mobilfunk zurückgegriffen werden. Erst seit Anfang 2004 besteht eine durchgehende Bahnverbindung von Port Darwin im Norden des Landes nach Adelaide in South Australia. Um die Großstädte, die gleichzeitig Hafenstädte sind, haben sich relativ autonome Wirtschaftszentren gebildet.

Im Anschluss stellen wir die wirtschaftlich stärksten Bundesstaaten vor:

New South Wales (NSW)

Das australische Finanz- und Wirtschaftszentrum liegt in NSW. Fast alle großen in- und ausländischen Banken und Versicherungen haben ihren Hauptsitz in Sydney, der Hauptstadt von NSW. Dies gilt auch für viele andere Unternehmen, die von dort aus ihre Geschäftsverwaltung betreiben. Mit rund 4,3 Mio. Einwohnern ist Sydney die größte Stadt des fünften Kontinents. Sie beherbergt den größten internationalen Flughafen des Landes. Die ersten Siedler landeten dort 1788. Etwa 83 Prozent des dort erwirtschafteten BIP stammen aus dem Dienstleistungssektor. Innerhalb Australiens leistet NSW den größten Beitrag zum nationalen BIP.

Die Produktion von Energieträgern (Kohle) und mineralischen Rohstoffen gewinnt in NSW, aufgrund der starken asiatischen Nachfrage nach diesen Erzeugnissen, wieder an Bedeutung. Innerhalb Australiens ist NSW nach QLD der größte Produzent von Steinkohle. Ferner bestehen nennenswerte Förderungen an Kupfer, Gold, Silber, Blei und Nickel. NSW ist gleichzeitig größter Stahl- und Aluminiumhersteller des fünften Kontinents.

Zu den wichtigsten Ausfuhrprodukten von NSW zählten 2005/06 Steinkohle (5,0 Mrd. $A), Aluminium (2,0 Mrd. $A), Kupfererze (1,7 Mrd. $A) und Medikamente (1,4 Mrd. $A). Bei den Importen dominierten im gleichen Zeitraum EDV-Anlagen (4,7 Mrd. $A), Pharmaerzeugnisse (4,7 Mrd. $A), Rohöl (4,1 Mrd. $A) und Pkw (4,0 Mrd. $A).

Victoria (VIC)

In der wirtschaftlichen Bedeutung für Australien rangiert der Bundesstaat VIC nach NSW an zweiter Stelle. Der durchschnittliche Beitrag von VIC zur Erwirtschaftung des BIP liegt bei rd. 25%. Auch in VIC leistet der Dienstleistungssektor den größten Beitrag zum lokalen BIP. Allerdings ist das verarbeitende Gewerbe dort noch von einer nennenswerten Bedeutung. Das Zentrum des australischen Maschinen- und Anlagebaus befindet sich in VIC sich im Großraum von Melbourne, mit rd. 3,6 Mio. Einwohnern die zweitgrößte Metropole des Inselkontinents. Auch die Kfz-und chemische Industrie ist in der Nähe von Melbourne schwerpunktmäßig beheimatet.

Der Hafen der Stadt ist – gemessen am Container-Umschlag – der größte Australiens. Melbourne fungiert auch als größtes Lagerhaltungs- und Transportzentrum des Landes. Im Küstenbereich von VIC besteht eine bedeutende Rohöl- und Erdgasproduktion, die in den kommenden Jahren ausgebaut werden soll. Bei der Stadt Portland besteht eine große Aluminiumschmelzanlage. Im Latrobe Valley, südöstlich von Melbourne gelegen, erfolgt eine jährliche Braunkohlenförderung von 66 Mio. t, die unmittelbar zur Stromerzeugung verwendet wird. VIC ist relativ arm an mineralischen Rohstoffen. Im 19. Jahrhundert war VIC das Zentrum der australischen Goldproduktion. Seit dem erneuten Anstieg der Goldpreise werden alte Goldminen wieder aktiviert.

Zu den wichtigsten Exporterzeugnissen von VIC zählten 2005/06 Pkw (1,7 Mrd. $A), Aluminium (1,4), Molkereiprodukte (1,2) und Wolle (0,9). Bei den Importen dominierten im gleichen Zeitraum Pkw (3,6), Rohöl (3,1), Telekommunikationsausrüstungen (1,7) und Flugzeuge sowie Teile davon (1,6).

Queensland (QLD)

Der Bundesstaat Queensland zählt zusammen mit Western Australia zu denjenigen australischen Bundesstaaten, die Jahr für Jahr die höchsten Wachstumsraten beim BIP aufweisen. Die Ökonomie von QLD beruht hauptsächlich auf zwei Säulen: Bergbau und Tourismus. Im Bergbaubereich dominiert die Förderung von Steinkohle, die fast vollständig über spezialisierte Verladehäfen nach nordasiatischen Ländern exportiert wird. Daneben werden noch zahlreiche andere mineralische Rohstoffe gefördert, bei denen die Regierung bestrebt ist, eine stärkere lokale Weiterverarbeitung zu veranlassen.

Die Bevölkerung konzentriert sich im südöstlichen Landesteil im Bereich der Hauptstadt Brisbane mit ihren rd. 1,8 Mio. Einwohnern. Aufgrund hoher Verdienstmöglichkeiten, attraktiver Lebensverhältnisse und eines milden subtropischen Klimas ziehen viele Australier aus den südlichen Bundesstaaten nach Queensland. Die Infrastrukturinvestitionen in Wasserversorgung, Gesundheit, Bildung und Transport sind hoch. Es werden Investitionspläne von etwa 80 Mrd. $A verfolgt. Für die meisten Australier und für viele ausländische Touristen ist Queensland das wichtigste Ferien- und Reiseziel.

Zu den bedeutendsten Ausfuhrprodukten von Queensland gehörten 2005/06 Kohle (14,5 Mrd. $A), Fleisch (2,8), verschiedene Erze (1,6) und Aluminium (1,3). Bei den Importen dominierten im gleichen Zeitraum Rohöl (3,7), Pkw (2,7), Rohölderivate (1,8) und Nutzfahrzeuge (1,4).

Western Australia (WA)

In Western Australia dominiert die mineralische Rohstoffindustrie. Sie bestimmt die ökonomische und soziale Entwicklung dieses Bundesstaates. An vorderster Stelle stehen dabei die Eisenerzproduktion und die Goldförderung. In den kommenden Jahren gewinnt die Naturgasproduktion in den nordwestlichen Küstengewässern erheblich an Bedeutung. Es ist vorgesehen, die Produktion von Flüssiggas auf etwa 50 Mio. t pro Jahr anzuheben. Das bevölkerungsarme Western Australia mit seiner Hauptstadt Perth – 1,5 Mio. Einwohner – verzeichnet eine starke Zuwanderung. Ohne diese wären die geplanten Investitionsvorhaben in zahlreiche Infrastruktur- und Minenprojekte nicht zu realisieren.

Anfang 2007 stellten sich die geplanten Investitionsausgaben auf insgesamt 80,5 Mrd. $A. Davon entfielen auf die Bereiche Öl- und Gasförderung 35,8 Mrd. $A, Eisenerzförderung und –verladung 17,3 Mrd. $A, Nickelproduktion 3,2 Mrd. $A, Aluminiumoxidherstellung 2,4 Mrd. $A, petrochemische Erzeugnisse 1,1 Mrd. $A und verschiedene Projekte (Gold, Diamanten, Titan, Kraftwerke, Landwirtschaft, Molybdän, Salz usw.) 20,7 Mrd. $A.

Zu den wichtigsten Exportprodukten von Western Australia gehörten 2005/06 Eisenerz (12,6 Mrd. $A), Gold (7,1), Rohöl (5,3) und Flüssiggas (4,1). Bei den Importen waren im gleichen Zeitraum Gold (4,4 Mrd. – vorwiegend aus Papua Neuguinea), Pkw (2,7), Rohölderivate (1,8) und Rohöl (1,5) vorherrschend.

Der Autor Franz Reichwein ist Leiter des Büros der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) in Sydney und berichtet exklusiv für die InfobahnAustralia über wirtschaftliche Tendenzen in Australien.

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Photo Credit: Tourism Australia

 

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