Kleiner Surfkurs für Wassersportfans

Australien ohne Surfen geht nicht…

… dachten sich wohl meine Kollegen in Deutschland, als sie mir als Abschiedsgeschenk einen Surfkurs am berühmten Bondi Beach in Sydney schenkten.
Für die ersten paar Wochen in Australien hatte ich den Surfkurs erfolgreich verdrängt. Es gab ja soviel Neues und Interessantes in Sydney zu sehen und außerdem hatte ich ein bisschen Bammel vor diesem Surf-Abenteuer. Ich hatte nämlich gehört, dass Surfen wohl ziemlich einfach ist für Leute, die Snowboard fahren können. Und genau das kann ich nicht. Nach zwei kläglichen Versuchen hing ich meine Snowboardkarriere an den Nagel.
Aber wenn ich schon so einen Kurs geschenkt bekomme, dann mache ich den natürlich auch. Soviel ist klar! Und los gings...

Ein "Nose-Dive" gehört dazu
Montag, 9 Uhr morgens. Es regnet in Strömen und ich soll doch eigentlich schon in einer Stunde meine erste Surfstunde haben, und das bei dem Wetter. Per Telefon vergewissere ich mich, ob die Stunde überhaupt stattfinden würde. Der Surflehrer am Telefon sagt was von „good conditions“ und ich mache mich also auf den Weg. Die „good conditions“ lassen jedoch noch auf sich warten. Im Nieselregen laufe ich eine halbe Stunde bis zur Surfschule, so dass ich schon komplett durchnässt dort ankomme. Die anderen sieben Teilnehmer und ich schlüpfen in Wetsuits und stehen Minuten später schon mit unseren ziemlich schweren Surfboards am Strand. Es regnet immer noch. Nach einer kurzen Einführungs- und Kennenlernrunde wird uns in der Theorie erklärt, wie sich das Meer und die Wellen verhalten und wie man aufsteht, wenn man dann mal eine Welle günstig erwischt hat. Dann geht es schon ins Wasser. Leider kommen die Wellen bei dem Wetter aus allen Richtungen und sogar mein Surflehrer Sean gibt zu, dass es nicht unbedingt die besten Bedingungen für die erste Surfstunde seien. Das erfahre ich kurze Zeit später am eigenen Leib, als ich das erste Mal einen „nose-dive“ mache und ungefähr fünf Liter Salzwasser schlucke. Dummerweise war mein Surfboard mit der Nose, also der Spitze unter das Wasser geraten und hatte mich komplett mitgerissen. Das müssen wir noch mal üben. Eine Stunde und viele Salzwasser-Nasenspülungen später, stehe ich tatsächlich zum ersten Mal für etwa drei Sekunden auf meinem Brett. Was für ein Erfolgserlebnis! Es sind auch welche im Kurs, die in der ersten Stunde nicht aufstehen können. Ich bin stolz auf mich!

Erfolgserlebnis pur: das erste Mal auf dem Board stehen
Zwei Tage habe ich dann, um mich von meinem ziemlich üblen Muskelkater zu erholen, dann startet am Donnerstag schon der nächste Kurs. Wieder am frühen Morgen und wieder sind wir zu acht, aber dieses Mal ist das Wetter ein Traum: Schon morgens haben wir geschätzte 25 Grad und die Sonne brennt nur so vom wolkenlosen Himmel. Auch die Wellen sehen heute schon ziemlich geordnet aus. Ich freu mich schon. Leider bin ich keine fünf Minuten im Wasser und habe schon wieder die erste Meerwasserspülung hinter mir. Wohl doch wieder alle Tipps und Tricks vergessen von der letzten Stunde. Aber nach einigen Startschwierigkeiten funktioniert das Ganze dann schon viel besser. Und weil die Wellen heute wirklich fast schon bilderbuchhaft gleichmäßig brechen, schaffe ich es heute schon viel öfter, mich für ein paar Sekunden stehend auf dem Surfboard zu halten. Ich habe jetzt schon richtig Lust auf meine nächste und leider schon letzte Surfstunde.

Harte Arbeit: Paddeln und Lenken
Die ist am Montag, dieses Mal mittags um 13 Uhr, weil morgens High-Tide ist, also Flut. Auch heute habe ich mir wieder einen Tag rausgesucht mit strahlend blauem Himmel und Postkarten-Wellen. Schon nach der ersten Viertelstunde merke ich, dass ich in den letzten beiden Surfstunden ganz schön was gelernt habe. Wenn ich mich so mit den beiden Jungs in meiner Gruppe vergleiche, die heute zum ersten Mal surfen, dann bin ich doch schon recht zufrieden mit mir. Zwar haben mich auch heute wieder mal ein paar Wellen überrollt, aber das scheint einfach dazuzugehören. Heute sind die Wellen allerdings etwas langsamer und wir müssen fleißig paddeln, um die Wellen auch an der richtigen Stelle zu erwischen. Und das stellt sich als sehr anstrengend heraus. Aber die Mühe lohnt sich: Ich kann noch öfter und vor allem viel länger als in der letzten Surfstunde auf meinem blauen Board stehen. Als krönender Abschluss kann ich sogar auf meiner letzten Welle für diese Stunde mein Board ein kleines bisschen nach rechts und links lenken, so wie es uns unser Instructor Julia davor in den Trockenübungen am Strand gezeigt hatte. Das nenne ich mal wirklich ein Erfolgserlebnis!

Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass mir so ein Surfkurs so viel Spaß machen würde. Meine Kollegen hatten Recht: Australien ohne Surfen geht nicht! Man muss diese Fun-Sportart wenigstens mal ausprobiert haben. Es wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich auf einem Surfboard gestanden bin. Ich denke, ich werde mir schon bald ein Board ausleihen und mich alleine in die Wellen wagen…


Eine kleine Surfgeschichte...

Das Surfen oder Wellenreiten ist in seiner Urform schon fast 4000 Jahre alt. Es entstand auf den Inseln von Hawaii, wo es fester spiritueller und kultureller Bestandteil der Gesellschaft wurde.
Die Hawaiianer waren es auch, die 1908 den ersten Surfclub der Welt gründeten. Von dem Zeitpunkt an verbreitete sich das Wellenreiten über die ganze Welt.
Einer der dafür hauptverantwortlich war, war der Hawaiianer Duke Paoa Kahanamoku. Durch seine mehrfachen Olympiasiege im Schwimmen kam das Surfen zuerst nach Australien, später mit seinen weiteren Reisen auch in andere Länder.
Seit den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es immer wieder neue Innovationen, Materialien und Designs der Surfboards, um noch größere Wellen noch formvollendeter bezwingen zu können.

Einer der berühmtesten Surf-Strände in Australien überhaupt ist wohl der Bell’s Beach in Victoria, wo jedes Jahr im April der Rip Curl Pro Surf Contest stattfindet. Dort treffen sich dann tausende Surfer, die sich dort zehn Tage lang im Surfen messen und natürlich auch auf dem Music Festival feiern, das zur gleichen Zeit veranstaltet wird.

Das Surfworld Museum in Torquay, Victoria ist das größte Surfermuseum der Welt. Dort sind über 100 verschiedene Surfboards ausgestellt, das älteste ist von 1919. Passend dazu wird die Entwicklung der Styles und Designs von Surfboards und Surfanzügen anhand vieler Beispiele veranschaulicht. In einem Wellengenerator werden per Knopfdruck künstliche Wellen erzeugt. So kann man sehen, wie eine Welle entsteht und wo und weshalb sie bricht. Im museumseigenen kleinen Kino werden Filme zur Geschichte des Surfens gezeigt. In der "Australian Surfing Hall of Fame" werden diverse australische Surflegenden wie z.B. Peter Drouyn, Pam Burridge oder Mark Richards porträtiert.

Surfworld befindet sich in der Beach Road, Torquay. Es hat von 9 bis 17 Uhr geöffnet, sieben Tage die Woche.