Rettungsschwimmer Down Under
2007 war das Jahr der Rettungsschwimmer
in Down Under. Gefeiert werden damit Mut, Gemeinschaftssinn
und natürlich all die Menschenleben, die seit Beginn der
Surf Rescue gerettet wurden. Genauergesagt 520000 Menschen seit
dem Jahr 1907, wo die Anfänge der Surf Rescue liegen. Im
folgenden haben wir eine Gruppe besonders engagierter Rettungsschwimmerinnen
am beliebten Strandort Manly in Sydney besucht...
Die neue Generation von Baywatch
- Surfen statt Bügeln
Braun gebrannt sind sie, durchtrainiert und beinahe
doppelt so alt wie die meisten ihrer Kollegen. Deb, Kate, Robyn
und Jo sind die neueste Garde der berühmten australischen
Lebensretter. Sie sind alle um die 40, haben zusammen neun Kinder
und obendrauf noch anstrengende Vollzeitjobs. Trotzdem treffen
sich die vier Freundinnen mehrmals im Monat am Manly Beach in
Sydney zum Patrollieren am Strand. Alles ehrenamtlich –
Bezahlung gibts fürs Lebenretten nicht.
Deb
Foote startete die Sache. Sie „rutschte“ so rein,
da ihr Mann und ihre Söhne auch beim Surfclub waren und
trainierten. Die anderen kamen dazu, weil die Kinder mitmachten
und sie daran teilhaben wollten. „Hier sind die Kinder
sicher, lernen jung und alt kennen und sehen gute Vorbilder,
denen die Arbeit für die Gemeinde wichtig ist.“
Robyn Humphrey denkt noch oft an die harte erste Zeit: „Wir
waren am Anfang alle ziemlich unfit. Ich dachte oft, meine Lungen
bersten. Früher habe ich höchstens den Hund spazieren
geführt – sonst nie Sport gemacht. Normal dauert
es zehn Wochen, den Kurs zu absolvieren und wir brauchten vier
Monate.“ Zu dem strengen Schulungsprogramm gehört
es, 400 Meter auf Zeit zu schwimmen, erste Hilfe-Kurse zu belegen
und regelmäßig im Fitnesstudio zu trainieren. "Das
taten wir um sechs Uhr morgens. Bis die Sonne aufging, dann
stürzten wir uns in die Wellen," sagt Kate Munro.
Und Deb erinnert sich lachend: „Am Anfang sind wir mal
mit dem Brett rausgepaddelt und in eine der gefährlichen
Strömungen geraten. Da kam ein Surfer und fragte: 'Braucht
ihr Hilfe?’ Dabei stand auf dem Brett groß Lifesafer’
– aber wir sahen wohl einfach noch zu unbeholfen aus.“
Aber alle Vier nahmens gelassen. Immerhin haben sie alle bestanden
und waren rechtzeitig zum Sommeranfang fertig mit dem Kursus
und einsetzbar. „Gleich zu Beginn hatten wir dann aber
ein Schockerlebnis,“ erinnert sich Jo Cooper. „Ein
Mann kippte um und musste 45 Minuten wiederbelebt werden. Er
hats geschafft und uns wurde deutlich, wie viel Verantwortung
der Job mit sich bringt.“
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Jedes Wochenende müssen im Durchschnitt
bis zu zehn Menschen gerettet werden. Nicht nur Schwimmer und
Surfer, sondern auch viele, die am Strand Sonnenbaden oder Joggen.
„Quallenstiche, Herzinfarkte und Verletzungen aller Art
kommen vor.“ Die Lebensretter patrollieren immer in Gruppen
um die vier Leute. Ist ein Schwimmer in Not, schwimmt der stärkste
Schwimmer raus und bringt das Opfer rein. Die anderen übernehmen
dann mit Wiederbelebung und anderen Maßnahmen. Obwohl
das im Club gängige Praxis ist, bekommen die Frauen auch
immer wieder Vorurteile zu hören. „Vor allem ältere
Lifesurfer denken, die Mädels haben doch keine Ahnung vom
Surf oder wir wären nicht fit genug. Dabei müssen
wir wie jeder andere auch jedes Jahr die Prüfung wiederholen
und zeigen, dass wirs noch drauf haben.“
Noch bis 1980 waren Frauen in australischen Surfclubs überhaupt
nicht zugelassen gewesen. "Wir Mädels saßen
am Strand und schauten den Jungs beim Surfen zu," erinnert
sich Deb. Die jungen Surfer von heute sind dagegen an das weibliche
Geschlecht gewöhnt. Trotzdem waren die Mütter auch
ihnen am Anfang ein wenig unheimlich: "Wir haben sie ein
wenig verschreckt, wir kamen mit Kindern, Frühstück
und Schuluniformen." Das waren die jungen, Muskel bepackten
Surfer nicht gewohnt.
Die eigenen Ehemänner und vor allem die
Kinder finden es aber “cool“, dass die Mama Lifesafer
ist. Viele machen ja selber auch mit.
"Was wir dafür aufgeben, sind Putzen und Schlaf,“
sagen die vier Frauen lachend. „Unsere Häuser sind
chaotisch, doch wir gewinnen eine ganze Menge: Freundschaft,
Fitness und Gemeinschaftssinn."
Barbara Barkhausen
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