
Wo bitte gehts zum nächsten Känguru?
von
Tanja Schwarze
Einleitung
I Hamburg
I Sydney
I Woche
eins I
Unser Auto I
Heiße Hölle
I Campen(1)
I Campen(2)
I Die
Länge des Grases I
Woomera I
Campen (aber richtig) I
Jobs I
Unser
Dorf I
Endlich
was Giftiges I
Aber
das Giftigste I
Safe
to the Cross I
Erleuchtet (Tag 1) I
Barmaid
Aber
das Giftigste
Hätten
wir das gewusst! Dass unsere kleine Mouse Spider nur
der Auftakt war zu einer ganzen Reihe von Krabbel-,
Kriech-, Gift- und Gruselbegegnungen.
Wir
haben Alice Springs überstürzt verlassen.
Ein Blick in den Kalender hat ergeben, dass wir nur
noch lumpige vier Wochen haben bis zum Treffen mit meinen
Eltern an der Ostküste. Und das ist noch so weit!
Und wir wollen noch so viel sehen! Auch aus anderen
Gründen war es schlau, mit der Reise fortzufahren.
Außer Wilma war niemand so lange im Hideaway wie
wir. Hat niemand so viele Gäste kommen und gehen
sehen. Und seit neuestem war V. gleich nach dem Kloputzen
wieder ins Bett verschwunden, ein Schläfchen in
allen Ehren, sagte er, wenn ich tadelnd guckte, und:
reich mir doch einen von den leckeren Keksen, bitte.
(Ins Krankenhaus wurde er auch immer seltener gebeten,
die Patienten blieben denen aus, was V. natürlich
gleich seinen enormen Heilfähigkeiten zugeschrieben
hat.)
Knapp
400 km weiter nördlich, bei den Devils Marbles,
bekommen wir den ersten Hinweis, dass wir uns von nun
ab in einem der wildesten Teile des Landes aufhalten.
Hast du sie gesehen, hast du sie gesehen?!, schreit
V. mir entgegen. Ich bin kaum aus der Tür vom Plumpsklo
raus. Wen oder was soll ich gesehen haben, frage ich,
etwas unangenehm berührt. Die Redback Spider, schreit
V. triumphierend, da ist eine Redback Spider drin! Mindestens
vier andere Campingplatzgäste nicken mir von ihren
sicheren Wagen aus bestätigend zu. Ich räuspere
mich. Ach echt, frage ich, wo denn? V. kommt mit der
Taschenlampe, irgendwo da oben, sagt er. Wir leuchten
die Ecken ab. Und tatsächlich, da sitzt sie, klein
und fies, keinen halben Meter von der Stelle entfernt,
wo ich die letzten fünf, relativ seelenruhigen
Minuten verbracht habe. Das ist doch was, sage ich mit
wackeliger Stimme, aber, sage ich, ich meine, immerhin
kann mich das töten, eine Unverschämtheit
ist das schon, oder? V. nickt heftig.
Heiße
Quellen! Wer möchte da nicht nett drin sitzen und
entspannen und die böse Welt vorüberziehen
sehen? In Bitter Springs, ein paar Kilometer nördlich
von Mataranka, geht das anders. Oh, wie schön warm!,
jubele ich gerade noch, dann, schon weniger begeistert:
Ich kann nicht stehen!, und schließlich, strampelnd
und sprutzend und beinahe ersaufend: Scheiße!
V.! Hol mich hier raus! Doch V. und zehn andere Plantscher
drängen schon nach und mir bleibt nichts anderes
übrig, als so schnell und gefasst wie möglich,
gegen die Strömung, den schmalen, vielleicht 50
Meter langen Kanal hinter mich zu bringen. Das Wasser
ist schön, da kann man nicht meckern. Aber über
mir! Spinnennetze! Mit fetten Viechern darin! Hunderte!
Von einem Ufergestrüpp zum gegenüberliegenden
spannen sie sich, groß genug, um eine Kuh zu fangen,
mir bleibt gerade eine Unterarmlänge, um meinen
armen Kopf darunter her zu steuern. Und die Australier
wieder. Keine Angst, das sind nur Golden Orbs, kein
Gift, kein Stachel, ganz harmlos! Eine ältere Dame
irgendwo hinter mir säuselt das, in einem Ton,
mit dem man einem Säugling seinen Schnuller zurückgibt.
Das ist nicht der Punkt, weiß sie das denn nicht?
Eine faustgroße Spinne hängt nur noch an
ihren zwei Hinterbeinen am Netz, sämtliche anderen
Beine streckt sie mir entgegen, wahrscheinlich, um meine
Verdaulichkeit zu testen. Als ich endlich am Ende ankomme,
fühle ich mich wie ein Hochleistungsschwimmer.
Und
auch V. bekommt seine Mutprobe. Die Idee, die Katherine
Gorges mit dem Paddelboot zu besichtigen, ist grundsätzlich
nicht schlecht. Leider kann man die Dinger hier nicht
stundenweise mieten, sondern muss eine ungeführte
Tour buchen. Die ist teuer und schlecht organisiert.
Wir stehen seit einer geschlagenen Dreiviertelstunde
an und sehen zu, wie ein einziges dünnes Mädel
ein Boot nach dem anderen mühsam an Land zieht,
Anweisungen gibt und Touristen einsteigen lässt.
Wir sind die Vorletzten. Als wir schon fast an der Reihe
sind, ich mache mir inzwischen ernsthaft Sorgen um den
Vorrat an Paddeln, packt mich V. am Arm. Schlange!,
japst er und schiebt mich vor sich wie einen Schild.
Aua, sage ich, so ein Quatsch, du hast schon überall
Schlangen gesehen. Wo denn. Er zeigt aufs Wasser. Da
gleitet etwas durch die Wellen, was kein Ast ist, elegant
sieht das aus, und den schmalen Kopf hält es hoch
hinaus. V. hat recht. Wie hübsch, sage ich, und
jetzt lass mich los. V. hält fest und starrt. G-gänsehaut,
flüstert er. Auf seinen Armen die Härchen
stehen senkrecht. Glücklicherweise sind wir in
diesem Moment dran, und das dünne Mädel und
ich nutzen seine Angststarre und schubsen ihn ins Boot.
N-nein, haucht er noch, aber es ist zu spät. Viel
später, als wir den ersten Gorge hinter uns gelassen
haben und im Zickzack über das blitzende Wasser
zockeln, brüstet er sich mit seinem Mut. Das glauben
mir die zu Hause nie, protzt er, so eine Überwindung,
so ein Fortschritt.
Aber
die schlimmsten, die giftigsten, die Viecher mit dem
allerfiesesten Charakter, die treffen wir im Kakadu,
kurz nach Sonnenuntergang. Wir können gerade noch
unser Zelt aufstellen, das wunderbare, lebensrettende,
da fallen sie auch schon über uns her. Sie sind
größer und blutrünstiger als zu Hause,
und die meisten geben sich schon gar nicht mehr mit
Anästhesierung ihrer Opfer ab, sie beissen einfach
munter rein in unsere rosige Haut, piek, piek und nochmal
piek! Wir verschwinden schreiend ins Zelt. Die Mücken
hinter uns her, ungefähr hundertfünfzig von
ihnen schaffen es rein, bevor wir, hektisch um uns schlagend,
den Reißverschluss zukriegen. Eine grausame Schlacht
beginnt, an deren Ende die Zeltdecke übersät
ist mit zermatschten Körpern und unserem Blut.
V. und ich kauern erledigt auf dem Zeltboden. In irgendeiner
Ecke summt es immer noch. Ich bewege mich hier heute
nicht mehr raus, jammert V. Ich muss aber noch was essen,
jammere ich, und aufs Klo muss ich auch, und wenigstens
ein Kopfkissen will ich haben. Wenn du noch einmal den
Reißverschluss aufmachst, sagt V., dann... Was,
dann, frage ich matt. Dann schläfst du draußen,
sagt er. Das bedeutet Tod.
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Fragen, Anmerkungen, Mitteilungen an tanjaundveith@web.de
Zum Erholen
Elsey
National Park, Jalmurark (12 Mile) Campground
John Hauser Drive, ca. 20 km östlich
von Mataranka, NT. Unkompliziert und preiswert.
Viel Schatten, große Stellplätze.
Manche mit Feuerstelle. Fast nie Mücken.
Höhepunkt zu jeder Tageszeit und so oft
wie möglich ist ein Sprung von den Pontons
in den wunderbaren Roper River, Plantschen
zwischen Palmen, mit Schwärmen von kreischenden
Kakadus über dem Kopf. Angeblich wohnen
hier auch Frischwasserkrokodile, aber wir
haben keins gesehen, außerdem sollen
die ja harmlos sein, und selbst wenn schon-
wirklich sicher ist man schließlich
nrgendwo.
Litchfield
National Park
Wunderbare, großartige Schwimmlöcher,
mit Wasserfällen, ausgehöhlten Felsen,
Stromschnellen und tauchenden Eisvögeln.
Wie wird man sich hierhin zurücksehnen,
wenn man erst im heißen Kakadu ist und
der Zugang zu fast jedem Gewässer mit
einen Warnschild: Vorsicht, Salzwasserkrokodile!
versperrt ist. Schöne Buschcampingplätze,
uns hat Buley am besten gefallen. Kostet aber
leider was, trotz Minimalausstattung (Plumpsklo).
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