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Wo bitte gehts zum nächsten Känguru?

von Tanja Schwarze

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Aber das Giftigste

Hätten wir das gewusst! Dass unsere kleine Mouse Spider nur der Auftakt war zu einer ganzen Reihe von Krabbel-, Kriech-, Gift- und Gruselbegegnungen.

Wir haben Alice Springs überstürzt verlassen. Ein Blick in den Kalender hat ergeben, dass wir nur noch lumpige vier Wochen haben bis zum Treffen mit meinen Eltern an der Ostküste. Und das ist noch so weit! Und wir wollen noch so viel sehen! Auch aus anderen Gründen war es schlau, mit der Reise fortzufahren. Außer Wilma war niemand so lange im Hideaway wie wir. Hat niemand so viele Gäste kommen und gehen sehen. Und seit neuestem war V. gleich nach dem Kloputzen wieder ins Bett verschwunden, ein Schläfchen in allen Ehren, sagte er, wenn ich tadelnd guckte, und: reich mir doch einen von den leckeren Keksen, bitte. (Ins Krankenhaus wurde er auch immer seltener gebeten, die Patienten blieben denen aus, was V. natürlich gleich seinen enormen Heilfähigkeiten zugeschrieben hat.)

Knapp 400 km weiter nördlich, bei den Devils Marbles, bekommen wir den ersten Hinweis, dass wir uns von nun ab in einem der wildesten Teile des Landes aufhalten. Hast du sie gesehen, hast du sie gesehen?!, schreit V. mir entgegen. Ich bin kaum aus der Tür vom Plumpsklo raus. Wen oder was soll ich gesehen haben, frage ich, etwas unangenehm berührt. Die Redback Spider, schreit V. triumphierend, da ist eine Redback Spider drin! Mindestens vier andere Campingplatzgäste nicken mir von ihren sicheren Wagen aus bestätigend zu. Ich räuspere mich. Ach echt, frage ich, wo denn? V. kommt mit der Taschenlampe, irgendwo da oben, sagt er. Wir leuchten die Ecken ab. Und tatsächlich, da sitzt sie, klein und fies, keinen halben Meter von der Stelle entfernt, wo ich die letzten fünf, relativ seelenruhigen Minuten verbracht habe. Das ist doch was, sage ich mit wackeliger Stimme, aber, sage ich, ich meine, immerhin kann mich das töten, eine Unverschämtheit ist das schon, oder? V. nickt heftig.

Heiße Quellen! Wer möchte da nicht nett drin sitzen und entspannen und die böse Welt vorüberziehen sehen? In Bitter Springs, ein paar Kilometer nördlich von Mataranka, geht das anders. Oh, wie schön warm!, jubele ich gerade noch, dann, schon weniger begeistert: Ich kann nicht stehen!, und schließlich, strampelnd und sprutzend und beinahe ersaufend: Scheiße! V.! Hol mich hier raus! Doch V. und zehn andere Plantscher drängen schon nach und mir bleibt nichts anderes übrig, als so schnell und gefasst wie möglich, gegen die Strömung, den schmalen, vielleicht 50 Meter langen Kanal hinter mich zu bringen. Das Wasser ist schön, da kann man nicht meckern. Aber über mir! Spinnennetze! Mit fetten Viechern darin! Hunderte! Von einem Ufergestrüpp zum gegenüberliegenden spannen sie sich, groß genug, um eine Kuh zu fangen, mir bleibt gerade eine Unterarmlänge, um meinen armen Kopf darunter her zu steuern. Und die Australier wieder. Keine Angst, das sind nur Golden Orbs, kein Gift, kein Stachel, ganz harmlos! Eine ältere Dame irgendwo hinter mir säuselt das, in einem Ton, mit dem man einem Säugling seinen Schnuller zurückgibt. Das ist nicht der Punkt, weiß sie das denn nicht? Eine faustgroße Spinne hängt nur noch an ihren zwei Hinterbeinen am Netz, sämtliche anderen Beine streckt sie mir entgegen, wahrscheinlich, um meine Verdaulichkeit zu testen. Als ich endlich am Ende ankomme, fühle ich mich wie ein Hochleistungsschwimmer.

Und auch V. bekommt seine Mutprobe. Die Idee, die Katherine Gorges mit dem Paddelboot zu besichtigen, ist grundsätzlich nicht schlecht. Leider kann man die Dinger hier nicht stundenweise mieten, sondern muss eine ungeführte Tour buchen. Die ist teuer und schlecht organisiert. Wir stehen seit einer geschlagenen Dreiviertelstunde an und sehen zu, wie ein einziges dünnes Mädel ein Boot nach dem anderen mühsam an Land zieht, Anweisungen gibt und Touristen einsteigen lässt. Wir sind die Vorletzten. Als wir schon fast an der Reihe sind, ich mache mir inzwischen ernsthaft Sorgen um den Vorrat an Paddeln, packt mich V. am Arm. Schlange!, japst er und schiebt mich vor sich wie einen Schild. Aua, sage ich, so ein Quatsch, du hast schon überall Schlangen gesehen. Wo denn. Er zeigt aufs Wasser. Da gleitet etwas durch die Wellen, was kein Ast ist, elegant sieht das aus, und den schmalen Kopf hält es hoch hinaus. V. hat recht. Wie hübsch, sage ich, und jetzt lass mich los. V. hält fest und starrt. G-gänsehaut, flüstert er. Auf seinen Armen die Härchen stehen senkrecht. Glücklicherweise sind wir in diesem Moment dran, und das dünne Mädel und ich nutzen seine Angststarre und schubsen ihn ins Boot. N-nein, haucht er noch, aber es ist zu spät. Viel später, als wir den ersten Gorge hinter uns gelassen haben und im Zickzack über das blitzende Wasser zockeln, brüstet er sich mit seinem Mut. Das glauben mir die zu Hause nie, protzt er, so eine Überwindung, so ein Fortschritt.

Aber die schlimmsten, die giftigsten, die Viecher mit dem allerfiesesten Charakter, die treffen wir im Kakadu, kurz nach Sonnenuntergang. Wir können gerade noch unser Zelt aufstellen, das wunderbare, lebensrettende, da fallen sie auch schon über uns her. Sie sind größer und blutrünstiger als zu Hause, und die meisten geben sich schon gar nicht mehr mit Anästhesierung ihrer Opfer ab, sie beissen einfach munter rein in unsere rosige Haut, piek, piek und nochmal piek! Wir verschwinden schreiend ins Zelt. Die Mücken hinter uns her, ungefähr hundertfünfzig von ihnen schaffen es rein, bevor wir, hektisch um uns schlagend, den Reißverschluss zukriegen. Eine grausame Schlacht beginnt, an deren Ende die Zeltdecke übersät ist mit zermatschten Körpern und unserem Blut. V. und ich kauern erledigt auf dem Zeltboden. In irgendeiner Ecke summt es immer noch. Ich bewege mich hier heute nicht mehr raus, jammert V. Ich muss aber noch was essen, jammere ich, und aufs Klo muss ich auch, und wenigstens ein Kopfkissen will ich haben. Wenn du noch einmal den Reißverschluss aufmachst, sagt V., dann... Was, dann, frage ich matt. Dann schläfst du draußen, sagt er. Das bedeutet Tod.

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Fragen, Anmerkungen, Mitteilungen an tanjaundveith@web.de


Zum Erholen

Elsey National Park, Jalmurark (12 Mile) Campground
John Hauser Drive, ca. 20 km östlich von Mataranka, NT. Unkompliziert und preiswert. Viel Schatten, große Stellplätze. Manche mit Feuerstelle. Fast nie Mücken. Höhepunkt zu jeder Tageszeit und so oft wie möglich ist ein Sprung von den Pontons in den wunderbaren Roper River, Plantschen zwischen Palmen, mit Schwärmen von kreischenden Kakadus über dem Kopf. Angeblich wohnen hier auch Frischwasserkrokodile, aber wir haben keins gesehen, außerdem sollen die ja harmlos sein, und selbst wenn schon- wirklich sicher ist man schließlich nrgendwo.

Litchfield National Park
Wunderbare, großartige Schwimmlöcher, mit Wasserfällen, ausgehöhlten Felsen, Stromschnellen und tauchenden Eisvögeln. Wie wird man sich hierhin zurücksehnen, wenn man erst im heißen Kakadu ist und der Zugang zu fast jedem Gewässer mit einen Warnschild: Vorsicht, Salzwasserkrokodile! versperrt ist. Schöne Buschcampingplätze, uns hat Buley am besten gefallen. Kostet aber leider was, trotz Minimalausstattung (Plumpsklo).


 

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