
Wo bitte gehts zum nächsten Känguru?
von
Tanja Schwarze
Hamburg
I Sydney
I Woche
eins I
Unser Auto I
Heiße Hölle
I Campen(1)
I Campen(2)
I Die
Länge des Grases I
Woomera I
Campen (aber richtig) I
Jobs I
Unser
Dorf I
Endlich
was Giftiges I
Aber
das Giftigste I
Safe
to the Cross I
Erleuchtet (Tag 1) I
Barmaid
Endlich
was Giftiges
Jawoll!
Wir haben unser erstes Gifttier gesehen! Und nicht nur
gesehen. Gefangen. Eigenhändig. Nur mit einem Glas
und einer Postkarte bewaffnet. Es ist direkt vor unserer
Zimmertür hergekrochen, war praktisch schon auf
dem Weg zwischen unsere Bettlaken. Eine Mouse Spider.
Blauschimmernder Hintern und rotes Vorderteil. Wir haben
sie eindeutig identifiziert, anhand des Bildes in unserem
„Dangerous Creatures“ Büchlein. Nicht
ganz so giftig wie die Funnel Web soll sie sein, aber
was heißt das schon. Wir jedenfalls sind beeindruckt.
Wir stehen um den Tisch herum, auf dem wir das Glas
mit der Postkarte als Deckel aufgebaut haben. Die Spinne
darin steht auf den Hinterbeinen und droht uns mit deutlich
sichtbaren Fängen. Nach und nach versammeln sich
sämtliche Gäste des Hideaways um uns und teilen
uns mit, was wir ihrer Meinung nach mit der Spinne tun
sollten.
Drauftreten, wettert Wilma, unsere sonst
sanftmütige Hausoma, immer nur drauf, wer braucht
schon dieses ekelhafte Gevieche! (Wilma ist vor fünf
Jahren bei der Gartenarbeit von einer Schlange gebissen
worden und hat neben dem Trauma auch Herzrhythmusstörungen
davon zurückbehalten, das zu ihrer Entschuldigung.)
Aber nicht doch, ruft das Neuseeländer Ehepaar
Sara und Ron, das zum Edelsteinesuchen im Outback unterwegs
ist, bringt sie ins Labor, dort wird ihr Gift gemolken
und ihr bekommt eine Ampulle davon mit. Wofür wir
die gebrauchen sollen, sagen sie nicht. Ihr könnt
sie in einen Schuhkarton stecken und als Haustier halten,
sagen zwei von den Metzgerlehrlingen, die den Backshack
hinten im Garten bewohnen, ich wäge das für
eine Minute ab, nur um V. eine Freude zu machen. Stewart
hat keinen Vorschlag, aber er schickt sich an, die Postkarte
zu entfernen und das Glas hochzunehmen, um die Bestie
besser bewundern zu können. Wir kreischen im Chor.
Spinnen sind wunderschöne Tiere,
hören wir Melody und Fred im Geiste predigen, so
vielseitig und faszinierend, lasst sie leben, bringt
sie weit weg in irgendein hübsches Gestrüpp.
Und dafür entscheiden wir uns. Wir wandern eine
geschlagene Viertelstunde lang stadtauswärts, bevor
wir uns trauen, die Postkarte wegzureißen und
die Spinne in hohem Bogen in einen ausgetrockneten Graben
zu schleudern. Wir beobachten sie noch eine Weile, doch
sie sitzt nur zitternd da. Manche Tiere finden von überall
ihren Weg nach Hause, sage ich, sie können sehr
gut riechen, oder vielleicht ist das auch genetisch
programmiert. Spinnen können nicht riechen, sagt
V. Bist du dir da so sicher, frage ich. Wenn sie zurückkommt,
hauen wir drauf, sagt V. Dann kennen wir keine Gnade,
bestätige ich.
Weiter
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Fragen, Anmerkungen, Mitteilungen an tanjaundveith@web.de
Buchtipp:
Martyn Robinson: Dangerous Creatures
of Australia. Green Guide (2002).
Realistisch statt reißerisch, und es
birgt die ein oder andere Überraschung.
Wer rechnet schon damit, von Kängurus
mit einem Bauchtritt niedergestreckt oder
von einem Schnabeltier vergiftet zu werden.
Aber auch die üblichen Verdächtigen
sind (fast) alle drin, mit Foto.
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