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Wo bitte gehts zum nächsten Känguru?

von Tanja Schwarze

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Endlich was Giftiges

Jawoll! Wir haben unser erstes Gifttier gesehen! Und nicht nur gesehen. Gefangen. Eigenhändig. Nur mit einem Glas und einer Postkarte bewaffnet. Es ist direkt vor unserer Zimmertür hergekrochen, war praktisch schon auf dem Weg zwischen unsere Bettlaken. Eine Mouse Spider. Blauschimmernder Hintern und rotes Vorderteil. Wir haben sie eindeutig identifiziert, anhand des Bildes in unserem „Dangerous Creatures“ Büchlein. Nicht ganz so giftig wie die Funnel Web soll sie sein, aber was heißt das schon. Wir jedenfalls sind beeindruckt. Wir stehen um den Tisch herum, auf dem wir das Glas mit der Postkarte als Deckel aufgebaut haben. Die Spinne darin steht auf den Hinterbeinen und droht uns mit deutlich sichtbaren Fängen. Nach und nach versammeln sich sämtliche Gäste des Hideaways um uns und teilen uns mit, was wir ihrer Meinung nach mit der Spinne tun sollten.

Drauftreten, wettert Wilma, unsere sonst sanftmütige Hausoma, immer nur drauf, wer braucht schon dieses ekelhafte Gevieche! (Wilma ist vor fünf Jahren bei der Gartenarbeit von einer Schlange gebissen worden und hat neben dem Trauma auch Herzrhythmusstörungen davon zurückbehalten, das zu ihrer Entschuldigung.) Aber nicht doch, ruft das Neuseeländer Ehepaar Sara und Ron, das zum Edelsteinesuchen im Outback unterwegs ist, bringt sie ins Labor, dort wird ihr Gift gemolken und ihr bekommt eine Ampulle davon mit. Wofür wir die gebrauchen sollen, sagen sie nicht. Ihr könnt sie in einen Schuhkarton stecken und als Haustier halten, sagen zwei von den Metzgerlehrlingen, die den Backshack hinten im Garten bewohnen, ich wäge das für eine Minute ab, nur um V. eine Freude zu machen. Stewart hat keinen Vorschlag, aber er schickt sich an, die Postkarte zu entfernen und das Glas hochzunehmen, um die Bestie besser bewundern zu können. Wir kreischen im Chor.

Spinnen sind wunderschöne Tiere, hören wir Melody und Fred im Geiste predigen, so vielseitig und faszinierend, lasst sie leben, bringt sie weit weg in irgendein hübsches Gestrüpp. Und dafür entscheiden wir uns. Wir wandern eine geschlagene Viertelstunde lang stadtauswärts, bevor wir uns trauen, die Postkarte wegzureißen und die Spinne in hohem Bogen in einen ausgetrockneten Graben zu schleudern. Wir beobachten sie noch eine Weile, doch sie sitzt nur zitternd da. Manche Tiere finden von überall ihren Weg nach Hause, sage ich, sie können sehr gut riechen, oder vielleicht ist das auch genetisch programmiert. Spinnen können nicht riechen, sagt V. Bist du dir da so sicher, frage ich. Wenn sie zurückkommt, hauen wir drauf, sagt V. Dann kennen wir keine Gnade, bestätige ich.

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Fragen, Anmerkungen, Mitteilungen an tanjaundveith@web.de


Buchtipp:
Martyn Robinson: Dangerous Creatures of Australia. Green Guide (2002).
Realistisch statt reißerisch, und es birgt die ein oder andere Überraschung. Wer rechnet schon damit, von Kängurus mit einem Bauchtritt niedergestreckt oder von einem Schnabeltier vergiftet zu werden. Aber auch die üblichen Verdächtigen sind (fast) alle drin, mit Foto.



 

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