-Home-Firmenverzeichnis-Jobs-Aktuelles-Chat-Forum-Australien von A bis Z-Newsletter Kontakt


Wo bitte gehts zum nächsten Känguru?

von Tanja Schwarze

Einleitung I Hamburg I Sydney I Woche eins I Unser Auto I Heiße Hölle I Campen(1) I Campen(2) I Die Länge des Grases I Woomera I Campen (aber richtig) I Jobs I Unser Dorf I Endlich was Giftiges I Aber das Giftigste I Safe to the Cross I Erleuchtet (Tag 1) I Barmaid

Campen (2)

Wir blinzeln durch das Mückennetz. Langsam erkennen wir drei junge Typen, mit denen wir vor ein paar Tagen das Backpacker von Foster geteilt haben. Oder vielmehr: erlitten haben, denn das Backpacker von Foster (das einzige seiner Art so kurz vor Wilsons Prom) liegt, was sein Komfortniveau betrifft, noch unter einem beliebigen Campingplatz im Regen.

Das liegt vor allem an der Hexe, die es leitet. Immer schön hereinspaziert!, röhrte sie uns entgegen, schnappte zwei Zwanziger aus meinen Fingern, klapste V. saftig auf den Hintern und verlas uns ihre Regeln: Schuhe aus an der Eingangstür, Keine Speisen und Getränke im Aufenthaltsraum, Checkout 9:00 a.m., strictly! Ungläubig öffneten wir die Münder, doch sie stob schon wutschäumend an uns vorbei, um einem dünnen Mädchen im Sofa die Teetasse zu entreißen, wen ich nochmal erwische, der fliegt raus!, schrie sie und verschwand so fatal, wie sie erschienen war. Um Punkt zehn wurde die Heizung kalt und das Gas im Herd erstarb. Wir - sechs Deutschsprachige und eine Amerikanerin - sahen uns an. Was machen wir denn jetzt, flüsterte die Amerikanerin. Der Österreicher sah traurig in seine lauwarme Suppe. Wir sollten uns beschweren, schlug er zaghaft vor, jawohl, das machen wir, stimmten wir zu, irgendwann, irgendwo beschweren wir uns, und dann setzten wir uns und bibberten auf Strümpfen vor uns hin, rüttelten abwechselnd an dem Schrank mit Extradecken, horchten auf den Regen und warteten auf die Rückkehr der Hexe/ Irren/ Untoten, die, wie wir inzwischen sicher waren, uns hierher gelockt hatte, um uns zu braten oder schlimmeres. Wir fühlten uns sehr klein in dieser Nacht. Ihre Beteuerungen am nächsten Morgen, der Gastank sei leer gewesen, weiter nichts, haben uns nicht überzeugt.

Drei unserer Mitleidenden, nennen wir sie Dirk, Marc und Anton, stehen nun, keine sechzig Kilometer südlich von Foster und doch in einer komplett anderen Welt, vor unserem Zelt. Die Mittagssonne knallt auf unser Dach und alles, was noch an den Regen der letzten Tage erinnert, sind hunderte von kleinen, harten schwarzen Würmern, die sich im Gras winden und ab und zu krachend in einem Möwenschnabel verschwinden. Dirk, Marc und Anton stehen vornübergebeugt und halten zerbeulte Wanderschuhe in den Händen. Hinten auf ihren Buckeln sitzen riesige Rucksäcke mit draufgebundenen Rollen und Knäueln. Hundertelf Kilometer in drei Tagen, sagt Dirk, und ein Schweißtropfen platscht vor ihm in den Staub, haben einfach das Auto abgestellt und uns querfeldein geschlagen. Unglaubliche Aussichten, wahnsinniges Freiheitsgefühl. Und einen Strand ganz für uns allein, sagt Marc, die Schlafsäcke in den Sand, ein Feuerchen gemacht, fertig war das Lager, die Zelte haben wir gar nicht gebraucht. Und was habt ihr so erlebt, fragt Anton.

Ich sehe sie nervös an, höchstens zwanzig sind die Kerlchen, keinen Tag älter. Wir haben das alles noch vor uns, sage ich schnell, bevor V. antworten kann. Ich weiß genau, was er sagen würde: Wie, wild campen, etwa ohne Klo? Ihr habt also in die Büsche...? Und wie könnt ihr nur ohne Zelt? Ein offenes Fresschen für sämtliche wilden Tiere? All diese Gedanken gehen sowieso schon recht sichtbar hinter seiner Stirn herum. Jetzt erstmal eine eisgekühlte Cola, sagt Marc, nach drei Tagen Flusswasser, das haben wir uns verdient. Hattet ihr denn wenigstens diese Pillen, rufe ich ihnen hinterher, diese Desinfizierer, doch sie sind schon am Gehen.

Werden wir alt, frage ich V., sobald sie außer Hörweite sind. Quatsch, sagt er, diese kleinen Angeber. Aber vielleicht verpassen wir ja was mit unserer Luxuscamperei, sage ich, einfach drauflos wandern, Schlafsäcke in den Sand, das klingt so - so ursprünglich! Ich finde das hier immer noch sehr ursprünglich, sagt V. und schnippt einen schwarzen Wurm von seinem großen Zeh. Wie ist der denn reingekommen, sagt er, igitt, bestimmt weil du den Reißverschluss nicht richtig zugezogen hast, du musst immer drauf achten, den Reißverschluss richtig zuzuziehen, wo kommen wir denn hin, wenn uns die Würmer über die Füße kriechen, das muss doch wirklich nicht sein. Ich betrachte ihn eine Weile. Dann betrachte ich den Wurm, der sich einen halben Meter weiter auf dem Plastikboden krümmt. Er hat zwei Fühler und sehr viele winzige Beinchen. Man muss nur genau hinsehen. Das ist ein Millipede, sage ich, so einen habe ich noch nie gesehen. Und wenn schon, brummt. V.

Aber sobald er seinen Kaffee ausgetrunken hat, schlägt er vor, zu wandern, viel und lange, und wir stapfen los mit nichts als ein paar Butterbroten und Wasser, und gehen den Lilly Pilly Gully Walk, und am nächsten Tag zum Tongue Point. Und obwohl das die Wege sind, die jeder geht, sind wir beinahe für uns die ganze Zeit, und obwohl sie sich auf der Landkarte nicht besonders großartig ausmachen, gehen sie über Holzstege und in den Regenwald, Berge hinauf und an Tälern entlang, durch Sand und dem Wasser entgegen, und ab und zu, wenn man aufpasst, kann man ein Paar weicher Ohren aus den Büschen ragen sehen, das sind die Wallabies, sie beobachten einen genau. Lange liegen wir auf den warmen Felsen am Tongue Point, horchen auf das Plätschern der Wellen und den Wind in den Spalten direkt unter uns.

Als wir an diesem Abend zurück zu unserem Platz kommen, haben wir den Duft von Eukalyptusbäumen und Meer in der Nase, eine große Stille im Kopf, und an den Fußsohlen ein wohliges, durchgekratztes Gefühl von den Felsen. Doch die Wunder hören nicht auf. Hörst du das, flüstert V. und ich fühle, wie sich meine Ohren aufstellen, nur ein kleines bisschen und auch mehr innen, kein Vergleich zu den Wallabies, aber immerhin. Ich höre zuerst ein Rupfen und dann ein Schmatzen, ganz deutlich. Da frisst jemand, flüstere ich. Wir lugen vorsichtig um unser Auto herum. Am Boden, direkt neben dem linken Vorderrad, sitzt ein fetter Wombat. Er ist gut zu sehen im Mondschein. Er rupft Gras und kaut, und wenn er genug von der Stelle hat, wackelt er zwei Schritte vor und rupft und kaut weiter. Ich schleiche zur Autotür, mache sie, so leise es geht, auf, und krame hektisch nach meinem Fotoapparat. Ich blitze einmal, zweimal, dreimal. Den Wombat stört das wenig. Er dreht uns nur den Po zu.

Weiter

Fragen, Anmerkungen, Mitteilungen an working.holiday@web.de


Campingtipp:
Wilsons Promontory National Park, Victoria. Riesiger Campingplatz am Tidal River mit direkt anliegenden Traumstränden. Waschanlagen lassen z.T. arg zu wünschen übrig, aber die Stellplätze, die Lage und die Wombats, die ihre Erdlöcher direkt an den Stellplätzen zu haben scheinen, entschädigen für vieles. Und wenn es nachts kreischt und auf dem Autodach bollert, ist es wahrscheinlich ein streitendes Possumpärchen.

Backpackertipp:
Wir haben kein zweites Backpacker in der Nähe von Wilsons Promontory gefunden, auch wenn in manchen Broschüren noch eins in Sandy Beach vermerkt ist. Eine gute Alternative zur Hölle von Foster ist aber das Royal Standard Hotel in Toora (12 km vor Foster), ein stilecht renoviertes Gasthaus aus dem vorletzten Jahrhundert. Für 35 Dollar bekommt man dort ein Doppelzimmer. Fernsehraum und Küche gibts auch, allerdings nur mit Mikrowelle, kein Herd.

 

Sie möchten in Australien arbeiten?
Dann sollten Sie sich unsere Stellenangebote ansehen, wir suchen Fachkräfte aus allen Branchen.

Wir sprechen Deutsch
. Mehr ...
 
 

Sie möchten in Australien arbeiten?
Dann sollten Sie sich unsere Stellenangebote ansehen, wir suchen Fachkräfte aus allen Branchen.
Wir sprechen Deutsch. Mehr ...