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Wo bitte gehts zum nächsten Känguru?

von Tanja Schwarze

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Campen (1)

Wie es mit dem Campen funktionert? Aber ganz hervorragend! Mit jeder neuen Nacht in unserem Hippiebulli steigen wir eine Stufe höher auf dem langen, beschwerlichen Weg vom Stadtmenschen zum Proficamper.

Unseren Fortschritt messen wir nicht etwa an den Minuten, die es dauert, unser Bettgestell auszurollen, die Matratze auszuklappen und die Laken und Decken darauf zurechtzuziehen, auch nicht an dem Grad der Unordnung, die sich uns bei Lichtwerden jeden Morgen zu unseren Füßen offenbart. Nein, wir finden, es ist einzig und allein die Ausstattung, die uns vom typischen Zweimannzelt-Isomatten-Dödel abhebt.

Unser Wagen ist schon ganz gut, doch ein paar Extras könnte er schon noch gebrauchen. Gemächlich tuckern wir los mit unseren neuen Nummernschildern, und jede weitere Nacht auf einem der zahlreichen Campingplätze zwischen Albury-Wodonga und Melbourne liefert uns neue Kaufideen.

Noch in Albury muss eine neue Matratze her. Ich habe von tausend schwitzenden Bauarbeitern in Unterhemd geträumt, denn das ist exakt, wonach dieses zwei Zentimeter schwache fleckige Ding von unseren x Vorbesitzern duftet. V. kommt überhaupt erst nach einer leichten Massage hoch, au, mein Rücken, stöhnt er, und tatsächlich, der Lattenrost hat ein weißrotes Lattenmuster in sein Fleisch gedrückt. Der Kauf zweier dicker Schaumstoffteile bei einem Gummigroßhändler ist somit überaus gerechtfertigt.

Bright am Eingang des Mount Buffalo National Parks deckt einen weiteren Mißstand auf. Zwar ist das Städtchen ganz wunderbar und der Campingplatz ebenso, doch obwohl es dort Grün, Platz und spannende Vögel im Überfluss gibt, so fehlen doch die Sitzgelegenheiten. Und für Schneidersitz sind wir einfach nicht mehr geeignet. Zusammenklappbare Stühle mit Stoff sind schnell gekauft, ein blauer für V. und ein neongrüner für mich, beide mit eingelassenen Becherhaltern in den Armlehnen, braucht man bestimmt.

In Dinner Plain auf dem Weg aus den Bergen überrascht uns die Dunkelheit und mit ihr ein Schwarm von Mücken, da haben wir viel von unseren Stühlen, überstürzt überlassen wir den Gaskocher sich selbst und hasten mit dem Essen zum Wagen. Drinnen drängeln wir uns bei geschlossenen Fenstern auf dem Boden, da, wo das Bett nicht mehr ist, wenn es eingerollt ist. Knie an Knie rühren wir in unseren Nudeln, schwitzen und beäugen die Deckenlampe, ob sie wohl die Batterie leersaugt. Machst du dich bitte nicht so dick, sage ich zu V., wer macht sich denn hier wohl dick, sagt der, ich müsste jetzt wirklich mal meine Beine ausstrecken, sage ich, ach scheiße, schreit V., jetzt hast du meine Kaffeetasse umgeschmissen. Als wir im nächsten Campinggroßhandel ein billiges Wohnzimmerzelt entdecken, drei mal drei Meter, mit Moskitonetz an drei Seiten, perfekt, um es um die Stühle herumzubauen, greifen wir zu.

Seaspray an der Küste überzeugt uns von der Notwendigkeit eines Schlafsacks, doch nicht nur wird mir lausig kalt in der Nacht, sondern es gibt auch noch einen Sturm, unser Zelt fällt um, die Stühle werden begraben, und am nächsten Morgen meine frisch gewaschenen Haare formen sich innerhalb von Sekunden zu einem famosen Wischmop. Während ich noch den Schaden befluche, trifft mich ein spontaner Regenschauer in die Seite, sofort durchnässend, sprühnebelartig fein und schwach salzhaltig - ah, daher also der Name.

Wir ziehen vorübergehend ins Backpacker von Foster. Wir nutzen die Regenpause für den überlegten Kauf einer Gaslaterne mit Ständer und Vorratsglühstrümpfen für abends zum Lesen, einer Spanholzplatte zum auf einen Pappkarton legen, einer Powertaschenlampe mit einer Batterie so groß wie zwei Packungen Maxi-Grillanzünder und zehn universell praktischen Tuppertöpfchen, im Sonderangebot.

In Wilsons Promontory, endlich, haben wir alles beisammen. Wir sitzen auf unseren Stoffstühlen in unserem Zelt, haben die Füße auf dem Pappkarton-Spanholzplattentisch und die Tee-/ Kaffeebecher in den Lehnen. Ab und zu halten wir die Nasen in das Lüftchen, das durch das Moskitonetz weht und seufzen zufrieden, dann jeder noch ein Kekschen - so lassen wir uns das Campen gefallen, so macht uns das Spaß. Plötzlich fällt ein Schatten über uns. Drei Gestalten haben sich unbemerkt genähert und stehen nun direkt zwischen uns und der Sonne. Während wir uns noch die Hälse verrenken, um zu sehen, wer da so grob in unsere Idylle platzt, lässt die eine Gestalt eine Stimme hören: Guckt euch die an, sagt die Stimme und klingt vage vertraut, was haben die denn für ein Asi-Zelt?

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Campingtipp:
Bright Caravan and Camping - sehr schöner, geräumiger, natürlicher Campingplatz in sehr schönem, kleinen, ruhigen Bergstädtchen. Hinterm Tresen sitzt Jonathan, der netteste und hilfsbereiteste Campingtresenmann, den man sich vorstellen kann. Viele verschiedene Vogelarten zum Beobachten (die weißgelben Kakadus, die rot-schwarzen, die grau-rosanen und verschiedene ganz bunte, und Lyrebirds soll es hier auch geben). Eine Fahrt nach Mount Buffalo und der (kurze) Aufstieg zum „Horn“ lohnen sich trotz der beträchtlichen Brandschäden.

Kängurutipp:
Seaspray und die Ninety Mile Beach macht können unangenehm windig sein (jedenfalls solange bis V. seinen Drachen rausholt, was regelmäßig jede Brise zum Ersterben bringt). Aber wer noch immer auf sein erstes Känguru wartet, der wandere am späten Nachmittag im Lakes National Park herum. Außerdem rabenschwarze Kaninchen.


 

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