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Aktuelles Australien
Das Infobahn-Backpacking Special

Tipps und Tricks von der Expertin

Alexandra Albert hat in Deutschland ein Buch zum Thema Work and Travel in Australien und Neuseeland herausgebracht. Sie studierte Kulturwissenschaften, Anglistik & Soziologie an der Humboldt-Universität in Berlin und war im interkulturellen Bildungsbereich tätig, bevor sie als Quereinsteigerin im Tourismus anfing. Sie bereiste Neuseeland mehrere Male und arbeitet heute als selbständige Beraterin für Bildungs- und Sprachprogramme in Neuseeland und Australien.

Warum sollten junge Leute ein bis zwei Jahre Working Holiday in
Australien verbringen? Welche Vorteile bringt es mit sich?

Das Reisen mit dem WHV ist eine hervorragende, relativ preisgünstige Variante für einen Auslandsaufenthalt. Man kann Australien für mehrere Monate mit einem Visum bereisen, gleichzeitig durch die Joboption aber auch Geld verdienen. Durch diese Kombination lernt man nicht nur Land und Leute kennen, sondern auch die Alltagskultur der Australier.

Zwei Jahre darf man nur bleiben, wenn man mindestens drei Monate auf einer Farm gearbeitet hat. Ist es das Ihrer Meinung nach wert? Wie hart ist die Arbeit für wenig Geld in Ihren Augen?

Ja, ich denke, das macht Sinn. Zum einen gehört die Landwirtschaft zu Australien wie der Lifestyle auch, es ist einfach typisch für das Land.
Außerdem stützt man dadurch die Infrastruktur im Land. Zudem ist Australien beliebt, viele wollen gerne bleiben. Man kann diesen Arbeitseinsatz als Dankeschön von seiten der Regierung verstehen. Für Australienfans ist das doch eine tolle Sache, sie können für einen Arbeitseinsatz noch mal zurückkommen. Klar, die Arbeit ist hart, vor allem in Regionen, wo die Sonne brennt, aber sie wird vergleichsweise gut bezahlt, oft besser als Kellnerjobs, die ebenfalls hart sind. So schlecht bezahlt sind diese Jobs nicht immer. Ich hatte mal einen Kunden, der hat 1000 AUD bei der Weinlese pro Woche verdient, netto! Für einige Monate nicht schlecht. Allerdings sind die Farmjobs meist einfacher für Männer als für Frauen. Das ist leider auf Grund der Physis so.

In Australien werden immer wieder Stimmen laut, die sagen, dass die Working Holiday Maker hier nur ausgenutzt werden. Wie sehen Sie das?

Ich finde das nicht. Diese Leute nehmen einen Gelegenheitsjob auf und gehen wieder, und das wissen sie im Vorfeld und stellen sich drauf ein. Zudem ist niemand, der tatsächlich ausgenutzt wird und das auch so empfindet, gezwungen, die Arbeit fortzusetzen. Ich habe das von Rückkehrern auch noch nie gehört. Es handelt sich ja um Jobs, die meist saisonal erledigt werden müssen, irgend jemand muss sie ja machen. Und so ist das mit den Gastarbeitern in Europa auch gewesen. Ohne diese Leute geht es den Ländern nicht so gut, wie mit. Und ich denke, dass das was geboten wird, in Ordnung ist für das, was man kriegt.

Was halten Sie vom Wwoofing?
Finde ich sehr gut, Kost und Logis für 5 Stunden Mitarbeit am Tag. Eine Welt für sich, die die Erfahrung wert ist. Man lernt zum Teil ulkige Leute kennen, aber auch interessante Gegenden. Die WWOOF-Farmen liegen ja oft in sehr schönen Landschaften. Es gibt aber auch verrückte WWOOF-Farmer-Hippies, wo man nicht unbedingt bleiben will, aber das merkt man schnell.

(Anm: Mehr Infos zum Wwoofing gibt es unter http://www.wwoof.com.au/. Wwoofing kann man auch nur mit Touristenvisum machen!)

Welches Fortbewegungsmittel empfehlen Sie? (Auto kaufen, mieten, Busse etc.)
Es kommt darauf an, wie lange man bleibt. Ich sage immer, wer länger als
vier Monate bleiben möchte, sollte sich ein Auto kaufen. Darunter lohnt es sich nicht unbedingt. Ein Auto ist in OZ schneller gekauft als wieder verkauft, das unterschätzen viele.

(Anm: Mehr Infos dazu finden Sie unter dem Artikel Autokauf versus Automieten.)

Wo würden Sie empfehlen sich einzumieten: WG, Gastfamilie, Backpacker etc.?
Auch das ist schwierig zu vereinheitlichen. Beim Ortswechsel würde ich den Backpacker für die ersten Tage nehmen. Ergibt sich was Langfristiges in Sachen Jobs, ist es sinnvoll, sich ein Zimmer in einer WG oder selbst ein Apartment zu suchen. Gastfamilie ist schwierig, weil die meisten in einem Alter sind, wo man unabhängig sein will. Gastfamilien erwarten aber meist auch ein wenig Kontakt, das ist den meisten zu viel Nähe.

Wie und wo findet man am besten Jobs Down Under?
Wenn das so einfach wäre, würden alle dieselbe Stelle anlaufen. Es gibt mehrere Webseiten (Anm: z.B. www.taw.com.au oder auch hier auf der Infobahn), die gut sind, ansonsten empfiehlt sich die Tagespresse und Schwarze Bretter in den Hostels. Aber auch Mund-zu-Mund-Propaganda bringt sehr viel.

Wie stehen Ihrer Meinung nach die Chancen, nach solch einem Job ein Sponsorship für ein Visum zu bekommen?
Wer eine abgeschlossene Ausbildung in Deutschland hinter sich hat, hat gute Chancen, auch Handwerker kommen fast immer durch. Referenzen sind das A und O in Australien. Wer Arbeitszeugnisse vorlegen kann und eine abgeschlossene Ausbidung hat, wird gern als Deutscher genommen.

Welche weiteren Tipps haben Sie für Backpacker? (Versicherungen, beste Reiseroute?)
a) Versicherungstechnisch empfehle ich immer das Paket von Uni-Care, einem neuseeländischen Versicherer, der auch für Australien-Globetrotter das Rundum-Paket aus Kranken-, Unfall-, Reisegepäck und Haftpflichtversicherung anbietet. Dieses ist in Deutschland bei www.panpazifik.de erhältlich oder unter www.uni-care.org.

b) Man sollte sich unbedingt alle Jobs, die man in Deutschland hatte, in englischer Sprache bescheinigen lassen, das öffnet mehr Türen als man sich vorstellen kann.

c) Eine Reiseroute würde ich nicht empfehlen wollen, dafür sind zu viele Ecken sehenswert und nach unterschiedlichem Gusto. Als Anlaufspunkt eignen sich die Großstädte am besten, da hier die Globetrotter- und Work & Travel-Infrastruktur am besten sind: Sydney, Melbourne, Brisbane. Wo noch nicht so viel los ist, weniger WHV Konkurrenz vorherrscht, sich aber ein Aufenthalt lohnt und es auch Arbeit gibt, das wäre in Perth und Hobart.

Was ist Ihrer Meinung nach eine gute Mischung aus Arbeit und Urlaub? Welche Ziele sind ein Muss?
Viele WHV-Traveller arbeiten die erste Hälfte ihres Aufenthaltes, die zweite Hälfte widmen sie dem Reisen, das erscheint mir logisch und sinnvoll. Ein gewisses finanzielles Polster muss man eh haben, wenn man einreist, und das Geld, das man erwirtschaftet, soll die Reisekasse ja nur auffrischen. Man darf nicht davon ausgehen, dass man sich das Reisen vor Ort durch das Jobben finanzieren kann, das geht nicht auf, da ja man auch von was leben muss, während man arbeitet. Aber man sollte unbedingt min. die halbe Zeit des Aufenthaltes reisen, dafür ist das Land zu schön. Und man hat nicht so viele Möglichkeiten im Leben, so lange zu reisen und so viel zu sehen.

Ihr Buch handelt nicht nur von Australien, sondern auch von Neuseeland - hat die grüne Insel Vorteile gegenüber Down Under, kann man einen Working Holiday zwischen den Ländern verbinden?
Nein, Vorteile gibt es meiner Meinung nach nicht. Eher im Gegenteil. Neuseeland ist den Jahreszeiten mehr ausgesetzt und daher im Winterhalbjahr nur begrenzt für WHV-Leute attraktiv. Es gibt dann viel weniger Jobs als in den Frühjahrs-Sommermonaten. Aber verbinden kann man beide Länder. Man kann für beide Länder das WHV beantragen und beide Länder hintereinander besuchen. Das machen sehr viele. Bietet sich auf Grund der räumlichen Nähe ja auch an. Und obwohl so viele denken, dass die Länder sich ähneln, so sind sie doch meiner Meinung nach sehr unterschiedlich, sowohl landschaftlich als auch kulturell. Gut ist, dass die WHV-Infrastruktur in NZ genauso gut ist wie in OZ. Und alles läuft ziemlich identisch ab.

Welche Möglichkeiten gibt es für junge Österreicher und Schweizer, die kein Working Holiday Visum beantragen können?
Leider keine. Österreicher und Schweizer können WWOOFing machen oder ein Praktikum. Die Praktika sind aber immer unbezahlt, und der Visumsaufwand enorm. Man benötigt ein Work Visa, und dafür müssen die Firmen in OZ und NZ viel leisten, damit das durchkommt. Nicht einfach, zumal Parktika nicht dasselbe in Down Under sind wie bei uns. Man sieht sie nicht immer als Bestandteil der Ausbildung an, weshalb das Niveau oft minderwertiger ist als bei uns.

Alexandra Albert
Work & Travel
in Australien und Neuseeland
Broschur; 144 Seiten, durchgehend vierfarbig
erschienen im Mana Verlag
http://www.mana-verlag.de/
25 Farbfotos, 14 x 19 cm
Euro 14,80
ISBN 978-3-934031-83-8