Tasmaniens Ostküste hat neben
einem spektakulären Nationalpark auch viele einmalige
Wildlife-Erlebnisse zu bieten.
Azurblau – soweit das Auge reicht...
Es ist kurz nach sechs Uhr am Morgen.
Das Meer liegt spiegelglatt vor mir, kaum eine Welle
trifft auf den Strand. Das Wasser hat eine intensive
blaue Farbe, wie ich es eher in der Karibik erwarten
würde. Davon sind wir hier aber weit entfernt,
an der Ostküste Tasmaniens, die eher mit einem
recht wechselhaften, mitteleuropäischen Klima aufwartet.
Im Hintergrund türmen sich majestätisch die
Berge des Freycinet National Parks auf. Auch hier stört
kein Wölkchen den hellblauen Himmel dahinter. Doch
nicht immer kann es so friedlich und still sein, denn
der Strand macht einen eher aufgewühlten Eindruck.
Da türmt sich Tang auf und ausgewaschene Muscheln
sind bis zu den mit Gras bewachsenen Dünen verstreut.
Der Geruch des vertrockneten Tangs schleicht sich auch
so langsam in meine Nase und so kehre ich dem herrlichen
Anblick den Rücken und entscheide mich für
ein Frühstück in der Sonne – mit Eiern
und Speck. Wir haben ein kleines Cottage direkt am Strand
gemietet, mitten in der Natur mit all seinen Vor- und
Nachteilen. Herrlicher Ruhe und guter Luft (mal vom
Tang abgesehen), Eidechsen, Ameisen, Skorpionen und
Huntsman Spiders – handtellergroße, aber
völlig harmlose Spinnen, die es in
Australien
häufig gibt. Auch die Skorpione sind übrigens
recht harmlos, wie uns der argentinische Besitzer unseres
Resorts glaubhaft versichert, nachdem wir nachts einen
in unserem Cottage gefunden haben. „Sie sind ja
nur winzig im Gegensatz zu den gefährlichen Exemplaren
in Amerika und ungefähr so giftig wie eine Wespe.
No worries, also.“ (No worries = keine Sorge)
Am Tag fahren wir von unserem Idyll
in der Nähe von Swansea (ca. zwei Stunden nordöstlich
von Hobart) 45 Minuten bis in den Freycinet National
Park. Dort scheint sich die türkise Farbe des Wassers
nochmals zu intensivieren. Wir stoppen an den Friendly
Beaches. In kleinen Mulden im Busch hinter dem weißen
Sandstrand campen Urlauber. Jeder hat eine Bucht für
sein Zelt, alle 50 bis 100 Meter gibts ein Toilettenhäuschen.
Der Strand selbst ist mit Granitfelsen durchzogen, das
Wasser ist trotz der warmen Sommertemperaturen arktisch
kalt. Weiter geht die Fahrt bis nach Coles Bay, einem
winzigen Örtchen direkt im Nationalpark. Eine Tafel
am Ortseingang weist auf den nicht mehr vorhandenen
Wasservorrat hin – „Empty“ steht da
in großen Buchstaben. Ganz Tasmanien ist trocken,
wirkt fast schon verdörrt, während wir da
sind. Nichts mit grüner Insel. Eher hat es den
Charme einer spanischen Insel mit vielen Gelb- und Brauntönen.
In Coles Bay holen wir uns die Infos zu den verschiedenen
Wanderungen, die alle hier in der Nähe starten.
Eineinhalb Stunden sind es hin und zurück bis zur
berühmten Wineglass Bay, einem der angeblich zehn
schönsten Strände weltweit. Perlmuttweißer
Sand erwartet einen, eine Bucht eingebettet in hohe
Granitberge...
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Doch es ist heiß, der Weg
steil und wir haben eine Vierjährige mit dabei.
Also üben wir uns in Verzicht. Doch die Dame an
der Touristeninformation, die nebenbei noch Lebensmittel,
Landkarten und Getränke verkauft, beruhigt uns.
„Ihr könnt auch nur eine 20 Minuten Wanderung
machen. Ein Boardwalk führt euch um den Leuchtturm
Cape Tourville. Da seht ihr die gesamte Küste und
auch einen Großteil von Wineglass Bay.“
Zehn Minuten später sind wir da und blicken aufs
Meer, endlose Strände und die zackigen Granitberge,
die steil in den Himmel ragen. Auch früher schon
hat die Schönheit dieser Gegend die Menschen angezogen.
Walfänger, Schafhirten, Zinn- und Kohlebergleute
haben Spuren hinterlassen und bereits die frühen
Entdecker schrieben über den Nationalpark. 1642
segelte Abel Tasman vorbei und hielt die Halbinsel noch
für mehrere kleine Inseln. Der französische
Entdecker Nicholas Baudin klärte diesen Irrtum
dann in den Jahren 1802/03 auf. Benannt ist der Park
übrigens auch nach Mitgliedern seiner Expedition
– nach den Brüdern und Offizieren Freycinet.
Wer es nicht bis zum nächsten
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gehts zu Teil
2 und Teil
3 der Serie.
Text und Photo Credit: Barbara Barkhausen