Outbackromantik im Nirgendwo
Alice Spring ist einer der Orte, auf
den der Spruch passt “In the middle of nowhere”.
Es ist mitten im roten Zentrum Australiens, 1500 Kilometer
von Adelaide im Süden und weitere 1500 von Darwin
im Norden entfernt. Heiß wie eine Bratpfanne
(35 Grad ist die sommerliche Durchschnittstemperatur!),
umgeben von roter Erde, arider und semiarider Landschaft
und viel Nichts.
Überhaupt ist das gesamte Northern
Territory schwer greifbar für einen Europäer.
Es ist so groß wie Frankreich, Italien und Spanien
zusammen, hat aber nur etwas mehr als 200000 Einwohner.
Alice
Springs ist zudem auch einer der Orte, wo der Besucher
auf immer neue Überraschungen stößt.
Da gibt es gut sortiere Supermärkte, Banken und
Luxushotels. Da gibt es den kleinen Reptile Park,
wo man sich eine Python um den Hals hängen kann
oder den kleinen Hamburgershop vor der Fußgängerzone,
wo es den höchsten und besten Burger Australiens
gibt (The LOT). Da gibt es die Zentrale der School
of the Air, wo man Einblicke in die Unterrichtsmethoden
hier im weitläufigen Outback erhält oder
den Todd River, der meist ausgetrocknet ist und wo
es einmal im Jahr ein Bootsrennen im Staub gibt. Alice
Springs ist eine kleine, aber perfekt funktionierende
Stadt, in der man all das bekommt, mit dem man „in
the middle of nowhere“ eigentlich gar nicht
rechnen würde.
Alice
Spings ist aber nicht nur einen ca. zweitägigen
Besuch wert, es ist auch ein idealer Ausgangspunkt
für Ausflüge zum Ayers Rock bzw. Uluru (ca.
fünf Stunden Fahrt entfernt), zu den Olgas oder
zum Kings Canyon. Zahlreiche Touranbieter bieten drei-
bis fünftägige Outbacktouren an, mit Übernachten
im Zelt oder im Swag (eine Mischung aus Schlafsack
und Luftmatraze), Kochen auf offenem Feuer und viel
Outbackromantik.
Der
Uluru ist eines der Wahrzeichen Australiens und eine
Ikone der Aboriginal Kultur. Der Sandstein-Monolith
ist 348 Meter hoch und reicht ebenfalls tief in die
Erde hinein – vergleichbar zu einem Eisberg.
Nur 40 Kilometer entfernt ist Kata Tjuta oder die
Olgas, massive Felsentürme, die 500 Millionen
Jahre alt sind. Auch wenn beide Ziele typische Touristenziele
sind und wahre Pilgerscharen Sonnenaufgang und –untergang
dort beobachten, so ist der Besuch nichtsdestotrotz
ein wahres Erlebnis: zum Beispiel morgens früh
um 6 Uhr um den Uluru zu wandern (die Aborigines wünschen,
dass Besucher nicht auf den Uluru hochklettern), auf
Thorny Devils - kleine, stachelige Echsen - Wallabies,
Spinifex Gras oder Aboriginalmalereien zu stoßen
und zu beobachten, wie der Felsen im Laufe des Tages
langsam seine Farbe verändert...
Weitere 300 Kilometer nordöstlich von Uluru liegt
der Kings Canyon, (310 km westlich von Alice Springs).
300 Meter hohe Sandsteinwände, etliche Wanderwege
und wunderschöne Ausblicke in typische Outbacklandschaften
belohnen den Besucher.
Wer
längere Zeit durchs Outback reist, wird auch
immer wieder auf wilde Kamele stoßen. Es sind
die einzigen wild lebenden Kamele weltweit, auch wenn
sie gar keine einheimischen Tiere sind. Kamele sind
zuerst Mitte des 19. Jahrhunderts von Afghanistan
und Pakistan eingeführt worden, um im trockenen,
roten Zentrum schwere Lasten zu transportieren (vor
allem für den Eisenbahnbau). Zunächst kamen
rund 20000 – heute sind es mehr als 600000:
Die Kamele können exzellent mit der unwirtlichen
Natur des Outbacks umgehen, da ihre Haut wie eine
isolierende Schicht arbeitet. Im Winter hält
sie Kälte ab, im Sommer Hitze. Ihre Haut ist
außerdem so stark, dass Dornen oder das mit
kleinen Stacheln versehene Spinifex-Gras ihr nichts
anhaben können.
Das Outback ist aber nicht nur ein
Erlebnis für Natur- und Tierliebhaber. Auch Abenteurer
und Outdoorfans kommen auf ihre Kosten: mit Helikoptertouren,
Kamelritten oder Quad Bike Touren durch die Wüste
zum Beispiel.
Überlebenstipps im Outback
1. Immer ausreichend Wasser mitnehmen! Niemals Wasser
mit Seife, Essensresten oder Spülmittel verseuchen.
Im Outback immer eine Wasserreserve lassen! Bei heißem
Wetter braucht der Körper einen Liter Wasser pro
Stunde! Im Outback sollte man deshalb zehn Liter Wasser
pro Person und Tag mitnehmen. Sich niemals auf Wasserlöcher
etc. verlassen!
2. Ebenso wichtig sind natürlich Essensvorräte,
gutes Kartenmaterial und ein Kompass für Buschwalker
und schützende Kleidung gegen Kälte wie Sonne.
3. Wenn man im Outback eine Panne hat, niemals das Auto
verlassen, um Hilfe zu holen. Bei einer Suche aus der
Luft wird ein Auto immer einfacher zu sehen sein und
außerdem bietet es Schutz, spendet Schatten etc.
4. Man kann auch als Nicht-Aborigine im Outback überleben.
Im Northern Territory ist jetzt ein Weißer drei
Monate herumgeirrt, bevor er gerettet wurde. Er war
zwar verwirrt und hat 30 Kilo abgenommen – aber
er hats geschafft!
© Barbara Barkhausen