In der romantischen Weinregion
Wairarapa hat sich auch ein deutscher Winzer etabliert.
Und alles der
Traube wegen...
Schon lange hat der Deutsche Kai Schubert den Traum
vom eigenen Weingut im Sinn. Zusammen mit seiner Freundin
Marion Deimling hat er in Geisenheim Önologie
und Weinbau studiert, in verschiedenen Weinbergen
in Deutschland und im Ausland gearbeitet. Dabei hat
es den beiden Winzern vor allem die Pinot-Traube angetan.
Doch die entsprechenden Rebberge im dicht bepflanzten
Europa zu finden, war schier aussichtslos. Es wurde
schnell klar, dass Kai und Marion auswandern müssen.
Nur wohin? „Wir wollten einfach etwas Eigenes
kreieren, etwas, das wir beeinflussen können,
ja im wahrsten Sinne des Wortes 'schaffen' können.“
erzählt Kai. Weinanbau ist eine teure und sehr
gewagte Angelegenheit und so ist für seinen Traum
das Investment seiner ganzen Familie notwendig.
Zunächst stellt sich für Marion Deimling
und Kai Schubert die Frage nach dem richtigen Boden
und dem passenden Klima. Wo wächst Pinot am besten?
Die bekannten Pinot Noir Gebiete Europas, wie beispielsweise
das Burgund, scheiden von vorn herein aus. Der Preis
für Grund und Boden ist kaum verfügbar und
zudem viel zu teuer. Nach langen Auslandserfahrungen
und weiteren Recherchen, zuletzt sogar im Internet,
bereisen Kai und Marion alle in Frage kommenden Gegenden:
die USA, Südamerika und Australien. Mit damals
29 Jahren steigt Kai schließlich erneut in den
Flieger – nach Neuseeland.
"Hier
tickt die Uhr noch anders"
Er war noch nie zuvor in Aotearoa.
„Als ich hier 1998 am Flughafen ankam, dachte
ich nur: 'Hier ist’s, wie es in Europa vor 30
Jahren gewesen sein muss',“ erzählt er
heute lachend. „Hier tickt die Uhr eben noch
ein bisschen anders. In diesem Land kann man eben
noch etwas erfinden, etwas Neues schaffen, weil es
einfach noch nicht alles gibt.“ Kai bereist
alle Weinregionen im Land der langen weißen
Wolke, von Matakana im Norden Aucklands, bis Central
Otago bei Queenstown im Süden der Südinsel.
Letztendlich ist es die Weinregion Wairarapa und ganz
speziell das kleine Örtchen Martinborough, das
spontan seine Augen aufleuchten lässt. Trockenes
Klima, die richtigen Böden – hier könnte
sein Vorhaben funktionieren. „Als ich das sanfte
Grün sah und die bezaubernde Landschaft, habe
ich mich gleich in dieses Fleckchen Erde verliebt.“,
gesteht er rückblickend. Zurück in Deutschland
erzählt er Marion von seinem Fund. Gemeinsam
fliegen die beiden noch einmal nach Neuseeland. Jetzt
geht es ans Eingemachte. Insgesamt nehmen die beiden
Deutschen über 100 Grundstücke unter die
Lupe. Schließlich entscheiden sie sich für
zwei verschiedene Areale: Ein kleiner Weinberg von
knapp zwei Hektar inmitten von Martinborough und 40
Hektar Land in der Unterregion East Taratahi, etwas
nördlicher.
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Das gewagte Spiel
mit der Traube
Noch im selben Jahr wandern Marion und Kai nach Neuseeland
aus, um ihren Traum vom eigenen Weingut zu verwirklichen.
„Wenn meine Eltern gewusst hätten, dass
es uns an den von Deutschland entferntesten Ort der
Erde verschlägt, hätten sie sich das mit
dem Familieninvestment vielleicht anders überlegt,“
sagt er schmunzelnd.
Die ersten kostbaren Trauben werden gekauft. Als Laie
denkt man oft, wie schön mag das Leben eines
Winzers sein, der täglich genügsam durch
seine Rebstöcke wandert. Weit gefehlt, denn Weinanbau
ist harte körperliche Arbeit und dann erst noch
das riskante Spiel mit dem Klima. Die ersten Jahre
sind die härtesten. Bis die ersten Trauben wachsen
und geerntet werden können, vergehen drei bis
vier Jahre anstrengender Arbeit. Dazu kommt das ewige
Zittern vor dem Spätfrost. Doch die Minusgrade
im Frühjahr sind nicht das einzige Problem. Heerschaaren
von Vögeln fallen über die heranreifenden
Trauben her. Um die Ernte zu schützen, spannen
Marion und Kai unter großem Aufwand Netze über
die Pflanzen. Anders als in vielen Teilen Europas
hat die Region jedoch auch große Vorzüge.
Wegen der recht trockenen Bedingungen sind gewisse
Pilzkrankheiten, wie Peronospora, so gut wie unbekannt.
Die sonst so typischen tierischen Weinschädlinge
sind kaum ein Problem und der Einsatz von Insektiziden
daher unnötig.
Geduld
und gutes Marketing
Die Wartezeit bis die ersten Trauben endlich geerntet
und verarbeitet werden können, ist lange. Dann
lassen Kai und Marion ihre Weissweine noch rund zehn
bis zwölf Monate im Fass oder Tank reifen, die
Rotweine sogar noch länger. In kleinen Eichenholzfässern,
den so genannten „Barriques“ verbleibt
der Pinot Noir, der Spätburgunder, zwischen zwölf
und 18 Monate. Alle anderen Rotweine werden sogar
24 bis 28 Monate ausgebaut. Nach der Abfüllung
reifen die Weine dann mindestens nochmal sechs Monate
auf der Flasche, bis sie verkauft werden können.
Die wortwörtliche „Durststrecke“
auch finanziell zu überbrücken, ist wahrlich
eine Meisterleistung! Doch Kai und Marion haben ein
glückliches Händchen, die Reben gedeihen
und die beiden Deutschen leben sich gut in Neuseeland
ein. Nachdem ihre neue Heimat aber mit gut vier Millionen
Einwohnern nicht besonders groß ist, müssen
sie ihre Weine auch in andere Länder verkaufen.
Oft sind die Weinbaugebiete der „Neuen Welt“
von den „Weinseeligen der Alten Welt“
nicht besonders angesehen. Kai steht eine harte Aufgabe
bevor. Er muss als neuer Produzent um den Globus reisen,
um seine Weine an Edelkunden zu verkaufen. Oft ist
er bis zu sechs Monate im Jahr in Sachen „Weinmission“
unterwegs, während Marion das Gut unter ihre
Fittiche nimmt.
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Preisgekrönter
Pinot Noir – Schubert Pinot Noir
Nach acht Jahren Weinanbau können Marion und
Kai sich wirklich auf die Schulter klopfen. Vor allem
ihr Schubert Pinot Noir wird international hochgelobt.
„Wir können so viel nicht falsch gemacht
haben.“, meint der Deutsche ganz bescheiden,
wenn man ihn auf seinen preisgekrönten Wein anspricht.
Jede kleinste Arbeit, die im Weinstock zu verrichten
ist, wie die Ernte oder einzelne Stationen während
der Weiterverarbeitung, geschehen bei den Schubert-Wines
noch per Hand. Und das macht die Qualität aus.
Der 37jährige hat seine Distribution in den letzten
Jahren erfolgreich ausgebaut und exportiert seine
4000 exklusiven Kisten pro Jahr mittlerweile in 19
verschiedene Länder. Der Erfolg gibt den beiden
Deutschen Recht und erfüllt sie mit Stolz: „Unsere
Entscheidung, etwas Neues, ganz Eigenes zu schaffen,
auf einem der schönsten Flecken der Erde, haben
wir noch keinen Tag bereut!“
Wer mit Kai Schubert in Kontakt
treten möchte, findet alle weiteren Details auf
seiner Homepage: http://www.schubert.co.nz
Ein
Stück unentdecktes Neuseeland - Die Wairarapa-Region
Etwa eineinhalb Autostunden nordöstlich
der neuseeländischen Hauptstadt Wellington, auf
der Nordinsel, liegt das Feinschmecker-Städtchen
und die neue Heimat von Kai und Marion. Nur wenige
Weinliebhaber aus Übersee, auf den Fährten
des „Wine-Trail“, der neuseeländischen
Weinstraße, verschlägt es in die Wairarapa-Region.
Für Otto-Normal-Tourist ist das Gebiet völlig
unbekannt. Kaum ein Reiseführer erwähnt
die unberührte und noch ganz ursprüngliche
Gegend Neuseelands. „Und die touristisch unentdeckten
Plätze im Land der langen weißen Wolke,
sind mittlerweile rar geworden“, weiß
Kai Schubert. Jedes andere besondere Naturszenario
„Mittelerdes“ wird während der Hochsaison
von den Campervans der Touristen belagert.
Neben Weinproben bietet die Region seinen Besuchern
noch einiges mehr: Das Martinborough Kolonial Museum
mit viktorianischen Artefakten und noch gut erhaltenen
Knochen des ausgestorbenen Riesenvogels Moa; eine
Windfarm zur neuseeländisch umweltfreundlichen
Stromgewinnung; den Rapaki Walk (1,5 Stunden Return),
eine Wanderung mit spektakulären Ausblicken auf
das Wairarapa Valley oder ein Besuch des kleinen Fischerdörfchens
Ngawi. Hier ziehen die Bewohner ihre Boote mit farbenfrohen
Bulldozern ins oder aus dem Wasser. Fotos vom Limegrünen
„Kermit“ oder dem leuchtend pinkfarbenen
„Babe“, sind eine tolle Erinnerung im
Urlaubsalbum.
Ein absolutes Muss und Kai’s ganz persönlicher
Geheimtipp ist das Cape Pallisier mit seinem urtümlichen
Leuchtturm und dem unberührten Wildlife der rauen
und wilden Ostküste - eine Seehundkolonie mit
unzähligen Tieren, zum Greifen nah. „Man
fühlt sich wie alleine auf der Welt, umgeben
nur von Natur und Wildtieren. Außer dir ist
hier keine Menschenseele.“, berichtet der Winzer
immer noch völlig begeistert.
Wer es auf sich nimmt, die 250 Stufen des Leuchtturmes
hinauf zu steigen, der wird mit einer atemberaubenden
Aussicht belohnt: Steile Klippen, die wilde See –
ein beeindruckendes Naturschauspiel, dem man ewig
zusehen könnte.
Anja Schönborn ist Anfang 2006 mit Mann und Zwillingen
nach Auckland ausgewandert. Sie ist Print- und TV-Journalistin
und berichtet exklusiv für die InfobahnAustralia
aus Neuseeland.