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Grüne Hügel,
turmhohe Berge und Geothermie…
So oder so ähnlich sollte
ich wohl eigentlich einen Artikel über Neuseeland
beginnen. Oder über Aotearoa, das “Land
der langen weissen Wolke“, wie es in der Sprache
der Maori, der polynesischen Ureinwohner, heißt.
Aber dann stieß ich bei unserer Tour, die uns
einmal quer durch die Nordinsel Neuseelands –
von Wellington bis nach Auckland – führte,
auf etwas ganz anderes…
Es fing damit an, dass sich Wellington nicht von seiner
besten Seite zeigte. Es schüttete was das Zeug
hielt und nach einer ersten Stippvisite zum Parlament
und den zahlreichen kunstvollen Skulpturen in der
neuseeländischen Hauptstadt war ich so durchgefroren,
dass ich mich ins Museum rettete. Und im Te Papa,
im neuseeländischen Nationalmuseum, stieß
ich dann auf Liselotte Turnovsky. Liselotte war mit
21 Jahren zusammen mit ihrem Verlobten vor den Nazis
geflohen und aus ihrer Heimatstadt Prag über
London nach Neuseeland ausgewandert. Wie viel schwerer
hatte sie es gehabt bis ans andere Ende der Welt zu
kommen als wir heute. In ein Land, das sie nie zuvor
gesehen hatte und ohne Hoffnung, jemals in ihre Heimat
zurückkehren zu können. Ich habe Liselotte
nicht persönlich kennengelernt, ich habe ihre
Geschichte nur in der Ausstellung über Auswanderer
gelesen – aber sie hat mich beschäftigt.
Und ihren Pass, den man symbolhaft im Museum hatte
ausdrucken können, behielt ich auf unserer Weiterfahrt
in der Tasche.
Erdbeben und Vulkane…
Unsere nächste Station nach Wellington hieß
Taupo. Ein kleiner Ort an einem der größten
Kraterseen der Erde. Der Highway, der von Wellington
aus nach Norden führt, ist dabei ein besonderes
Erlebnis. Er liegt genau auf einer Erdbebenspalte,
die den 350000 Einwohnern der Hauptstadt rund 300
kleinere Erdbeben pro Jahr beschert! Dass Neuseeland
aber nicht nur beim Thema Erdbeben sehr aktiv ist,
merkten wir bald in Taupo und auf der interessanten
Strecke bis nach Rotorua. An vielen Ecken dampfte
es aus der Erde, und kochende Schlammlöcher,
heisse Bäche und Geysire gaben uns das Gefühl,
nicht nur in einem anderen Land, sondern gar auf einem
anderen Planeten zu sein. Und wirklich bezeichnen
viele Wissenschaftler Neuseeland als einen Ort, wo
man der Studie “Leben auf einem anderen Planeten“
am nächsten komme.
Kiwis, Schafe und Rugby…
Fauna und Flora haben sich in 80 Millionen Jahren
Isolation entwickelt, und viele Pflanzen und Tiere
sind weltweit einzigartig und kommen nur in Neuseeland
vor. Dazu gehört nicht nur der weltbekannte flugunfähige
Vogel Kiwi, sondern auch das prähistorische Reptil
Tuatara oder die Giant Wetas, wirbellose Tiere, die
wie überdimensionale Grasshüpfer aussehen.
Neuseeland hat eindeutig mehr zu bieten, als die grünen
Hügel auf den Reiseprospekten, die 40 Millionen
Schafe und die 70 Millionen Possums (bei rund 4 Millionen
Einwohnern!). Es braucht sich keinesfalls hinter dem
Nachbarland Australien zu verstecken, mit dem es sich
so gerne gegenseitig auf die Schippe nimmt, vor allem
wenn es um Rugby geht. („We support two teams:
New Zealand and every country playing against Australia!“
– „Wir sind für zwei Länder:
für Neuseeland und für jedes andere Land,
das gegen Australien spielt“ – T-Shirts
mit solchen Aufdrucken gibt es in Neuseeland zu kaufen)
Maoris, Auswanderer und
Auckland…
Neuseeland hat vor allem eine faszinierende Geschichte.
Die Maorikultur ist überall präsent und
die Mischung der unterschiedlichen Kulturen faszinierend.
Ein Teil der neuseeländischen Geschichte holte
mich schießlich wieder ein, als wir vor unserer
Weiterfahrt nach Auckland, Zwischenstation in einer
kleinen Pension zwischen Taupo und Rotorua machten.
Wie auch immer sich das Gespräch dorthin entwickelt
hatte – aber meine Liselotte Turnovsky aus dem
Museum in Wellington war eine alte Freundin unserer
Gastgeberin. Und ich erfuhr schließlich, was
ich noch alles hatte wissen wollen… Dass sie
noch immer lebte, aber leider schwer krank war, dass
sie zwei Kinder in Neuseeland groß gezogen hatte,
dass ihr Mann sogar ein Buch über ihre Immigration
geschrieben hatte und dass sie alle zusammen ihr Leben
seit dem Tag ihrer Ankunft 1940 gut gemeistert hatten.
Liselottes Geschichte begleitete mich bis zum Ende
unserer Reise in Auckland. Die größte Stadt
Neuseelands (mit 1,2 Millionen Einwohnern) erinnerte
mich plötzlich sehr an Sydney - wahrscheinlich
grundlos, aber ich konnte mich des Gefühls nicht
erwehren: der wunderschöne Hafen, der Skytower,
die Harbour Bridge und vor allem das bunte Gemisch
von unterschiedlichsten Nationalitäten. Und als
wir die Nordinsel Neuseelands nach sieben viel zu
kurzen Tagen wieder verließen, nahm ich mir
vor, einen Satz Liselottes von nun an im Gedächtnis
zu behalten.
„Ich hatte eigentlich nie Zeit mich zu fragen,
ob ich in meinem neuen Heimatland glücklich war.
Ich lebte einfach und war beschäftigt damit.“
Etwas, das neue Auswanderer im Kopf behalten sollten,
finde ich!
Wellington
Ich habe nicht nur den Besuch des Nationalmuseums
Te Papa direkt am Hafen sehr genossen. Auch der Civic
Square, das Parlament, die Kirche Old St. Paul’s
und eine Fahrt mit dem Cable Car zum Botanischen Garten
(von hier hat man einen gigantischen Blick auf die
Bucht) sind wirklich empfehlenswert!
Vulkanische Aktivitäten
Rotorua, das am bekanntesten für seine vulkanischen
Aktivitäten ist, ist leider sehr touristisch
und teuer. Wem die bekannten geothermischen Zentren
wie Wai-O-Tapu oder Waimangu nicht mehr ins Budget
passen: blubberne Schlammlöcher gibt’s
zu sehen, wenn man bei Waimangu einfach die Straße
bergauf weiterverfolgt und “dampfende Erde“,
kleine Krater und heiße Bäche finden sich
kostenlos im Gebiet “Craters of the Moon“
und beim geothermischen Kraftwerk Wairakei etwas außerhalb
von Taupo (in Richtung Rotorua). Ebenfalls umsonst
ist der sog. “Hot Water Beach“ auf der
Halbinsel Coromandel, etwa drei Stunden Autofahrt
nördlich von Rotorua. Wer hier bei Ebbe ein Loch
gräbt, kann kurz darauf ein heisses Bad im Freien
geniessen!
Schaufeln gibts beim Kiosk nebenan zu leihen und wann
Niedrigwasser ist, erfährt man aus der Tageszeitung!
Auckland
Der Skytower, das mit 328 Meter höchste Gebäude
der südlichen Hemisphäre, ist definitiv
einen Besuch wert. Der Ausblick ist genial und gläserne
Bodenstücke ermöglichen ungewöhnliche
und fast schon unheimliche Blicke in die Tiefe. Von
hier aus läßt sich auch ein guter Blick
auf die Harbour Bridge Aucklands werfen!
Weiteres Highlight ist die Inselwelt vor der größten
Stadt Neuseelands. Rangitoto ist durch einen Vulkanausbruch
vor 600 Jahren entstanden und von der Spitze des Kraters
hat man einen 360 Grad Rundblick. Und Waiheke ist
eine idyllische Insel mit romantischen Stränden,
Weingütern und vielen netten Cafes. Zu beiden
Inseln gibt es regelmäßige Fährverbindungen.
Geschichte
Archeologen vermuten, dass polynesische Seefahrer
etwa 900 vor Christus nach Neuseeland kamen. Abel
Tasman war der erste Europäer, der neuseeländisches
Land betrat, doch wie auch bei Australien war es schließlich
James Cook, der im 18. Jahrhundert das Land für
die englische Krone beanspruchte.
Ein markantes Datum in der Geschichte des jungen Landes
ist der Vertrag von Waitangi, der 1840 die Souveränität
von Recht und Gesetz für die britische Krone
sicherte und den Maori das Recht auf Stammesland zusicherte.
Kiwis
Kiwi ist nicht nur der Spitzname der Neuseeländer.
Kiwi ist auch der bekannte fluglose Vogel Neuseelands,
der als einziger Vogel Nasenlöcher am Ende seines
Schnabels hat und eines der größten Eier
im Verhältnis zur Körpergröße
hat (15 %). Ein weiteres Wahrzeichen mit dem Namen
Kiwi ist natürlich auch die bekannte Frucht,
die eigentlich aus China stammt und vor ihrem Export
ins Ausland als chinesische Stachelbeere bekannt war.
© Barbara
Barkhausen