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Ausflüge rund um Auckland - Flucht in die Naturidylle

Die Vulkaninsel
Wie viele Touristen stand ich irgendwann im Hafen und wollte mit der Fähre einen Ausflug auf eine der zahlreichen Inseln machen. Mehr oder minder durch Zufall entschied ich mich damals für Rangitoto Island – die beste Entscheidung, weiß ich heute. Rangitoto fasziniert mich noch immer, auch wenn wir inzwischen in Neuseeland leben und nicht mehr nur Besucher sind. Die fast symmetrische Vulkaninsel entstand erst vor ca. 600 Jahren und ist fast von jeder Bucht Aucklands aus zu sehen. Rangitoto ist auch der Größte der rund 48 Vulkane in der Region. Seit 1930 lebten dort mehrere hundert Menschen, doch das ist Vergangenheit. Die Regierung verbot die Besiedelung, um die Natur zu schützen. Die Häuser sind fast alle abgerissen und die Insel ist heute ein Naturreservat – völlig unbewohnt. Außer dem Fährsteg und einem Toilettenhäuschen gibt es nichts - keine Geschäfte, keinen Kiosk, keinen Müll, keine Menschenmassen – nur die reine Natur.

Als mich die Fullers Ferry in der Einöde absetzte, war ich hin und weg. Die meisten Touris, die mit mir vov Board gehen, wählen den direkten Weg zum Aussichtspunkt am Kraterrand. Ich will ein bisschen länger wandern und gehe einfach so drauf los, die Küste entlang – mutterseelenalleine. Ich passiere tatsächlich die Überbleibsel einiger alter Fischerhütten, die im zweiten Weltkrieg als Minenlagerplätze und Unterschlupf für Armeetruppen dienten. Die Landschaft ist zwar sehr schroff und überall liegen die scharfkantigen Lavaberge herum, aber ich entdecke auch ganz skurrile Bewachsungen, die ich so vorher noch nie gesehen habe – Bäume, die einen an Horrorfilmszenen erinnern, wunderschöne Blumen und Farne. Heute weiß ich, dass dort über 200 verschiedene einheimische Bäume und Pflanzenarten wachsen, mehr als 40 verschiedene Farnarten und verschiedene Gattungen von Orchideen. Und Rangitoto Island hat den größten noch existierenden Pohutukawa Wald (einheimischer Baum) von ganz Neuseeland!

Nach etwa einer halben Stunde Wanderung durch die schwarzen Lavafelder, stockt mir der Atem. Hinter einer Wegbiegung, immer noch direkt am Meer, blicke ich auf die so typische Skyline von Auckland – mitten im Nirgendwo, alleine, nur umgeben vom Gezwitscher der Vögel und vom Rauschen des Meeres. Ich fühle mich wie in einem Traum. Unvorstellbar, dass es so nahe an dicht besiedelter Zivilisation, so ein schönes unberührtes Fleckchen Erde gibt.

Der Weg macht kurze Zeit später eine Biegung und führt dann leicht bergauf zum Aussichtspunkt, den meine Mitpassagiere auf der Fähre schon längst wieder verlassen haben. Beim Aufstieg werde ich plötzlich aus der umwerfenden Naturidylle gerissen. Mit einem Tuten rumpelt eine Art Eisenbahn mit Asiaten, bewaffnet mit Kameras, an mir vorbei. Ich glaube, ich sehe nicht recht. Wer also auch noch zu faul zum Laufen ist, wird gefahren – hoch und wieder herunter. Na wunderbar, denke ich und frage mich gleichzeitig, warum die Bimmelbahn dann nicht wenigstens einen anderen Weg nehmen kann. Nach etwa eineinhalb Stunden mit kleinen Pausen, erreiche ich den 260 Meter hohen Gipfel, genieße die geniale Aussicht in sämtliche Himmelsrichtungen und laufe noch ein bisschen am Kraterrand entlang. Ein letztes Mal lasse ich mir die Seebrise um die Nase wehen und schieße ein paar Erinnerungsfotos, bevor ich wehmütig den Abstieg über einen direkten Weg zur Bootanlegestelle zurück laufe. Die Fähre kommt nicht oft und verpasst man die letzte am Nachmittag um 15.30 Uhr (Samstag 17.00 Uhr), hilft nur noch ein teures Wassertaxi. Leider war die Zeit viel zu kurz und so habe ich weder eine der sieben Lavahöhlen gesehen, die Möwenbrutkolonien bewundert, noch konnte ich den Weg über die Brücke zu einer kleinen Seiteninsel wagen. Ich muss also unbedingt wieder kommen, beschließe ich. Dann gehe ich auf die Fähre, die mich in nur 25 Minuten von der unberührten Natur zurück ins Großstadtgetümmel bringt – das perfekte Entkommen!

Surfbeach und Filmkulisse
In einer guten halben Stunde Fahrzeit erreicht man, wenn man sich nicht verfährt, wie ich beim ersten Mal, den Westcoast-Beach Karekare. Der Weg führt einen aus der City durch Titirangi, einer deutschen Community, auf den Scenic Drive Richtung Piha. Mit dem Auto passiere ich die Waitakere Ranges, ein wunderschönes Trekking-Gebiet mit vielen Kauri-Bäumen, Wasserfällen und Urwald-Tracks.

Die Abzweigung nach links zum Karekare-Beach ist leicht zu übersehen. Nur ein Hinweisschild „Surfbeach“ und „Zwischen den Flaggen schwimmen“, sowie der Name der Straße „Karekare-Road“, der etwas verdeckt ist, zeigen, dass es hier zu einem der schönsten Strände der Westküste geht. In Serpentinen und teilweise mit nur einer Spur für Verkehr und Gegenverkehr (typisch für neuseeländisches Hinterland), fahre ich bergab, bis ich endlich am Karekare-Beach ankomme, der bei Einheimischen wie Besuchern gleich beliebt ist. Viele Auckländer haben hier ein sogenanntes „Bach“, ein kleines Wochenend-Domizil.

Ich packe also endlich meine sieben Sachen zusammen und wate durch den kleinen Fluss auf die andere Seite zu den Dünen, an deren Fuße ein kleiner Trampelpfad zum Meer führt. Der Sand ist schwarz, ganz anders als an der Ostküste. Mir begegnen gleich ein paar coole Jungs mit ihren Surfboards. Ich bin schon ganz gespannt. Dann sehe ich das Meer. Ein breiter, einsamer Sandstrand gibt den Blick auf den aufgewühlten Pazifik preis. Nur beim genauen Hingucken, sehe ich die Surfer zwischen den Schaumkronen nach draußen paddeln. Ein paar Möwen, kreischen und lassen sich mit dem Wind treiben. Ich sammle ein paar Muscheln und genieße bei einem Picknick die warme Sonne auf der Haut.

Genau hier wo ich jetzt sitze, wurde der oskarprämierte Film „Das Piano“ von Jane Campion gedreht. Das melancholische Drama spielt Mitte des 19. Jahrhunderts und handelt von einer jungen Frau und ihrer neunjährigen Tochter. Nach einer arrangierten Heirat kommt die Engländerin mit all ihrem Gepäck im Busch von Neuseeland an. Der Ehemann weigert sich, ihr geliebtes Piano mit dem anderen Gepäck mitzunehmen. Es bleibt am Strand zurück.Der Film gibt kleine aber sehr schöne Einblicke in die unendlich schöne Natur Neuseelands.

Ich schrecke hoch, denn über mir kreist, ganz unromantisch ein Rettungshubschrauber. Er landet in der Bucht und transportiert einen verletzten Surfer ab. Ob er sich an einem Felsen verletzt hat oder vom Hai angegriffen wurde? Wohl eher ersteres aber meine Haiphobie kennt keine Grenzen.

Danach ist es wieder ruhig. Zum Baden ist es leider schon zu kalt, also laufe ich noch eine halbe Stunde am Strand entlang. Der Sand glitzert in der Sonne. Die Schäfchenwolken über mir sind wieder einmal so dreidimensional wie nirgendwo sonst auf der Welt. Ich fühle mich unendlich frei – so muss das Paradies sein!

FOTO ANJA
Anja Schönborn ist Anfang 2006 mit Mann und Zwillingen nach Auckland ausgewandert. Sie ist Print- und TV-Journalistin und berichtet exklusiv für die InfobahnAustralia aus Neuseeland.