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Das Outback vor den Toren der Großstadt


Von Sydney bis nach Bourke


Sydney und Bourke - die Unterschiede könnten nicht größer sein. Vom glitzernden Hafen der grünen Millionenmetropole mit ihren lila leuchtenden Jakaranda-Bäumen und dem duftenden Hibiskus bis ins "tiefe" Outback nach Bourke - wo die Erde verbrannt scheint und die Kängurus in der Abendsonne die letzten grünen Blättchen kauen. 800 Kilometer liegen zwischen diesen Gegensätzen - doch auch die Strecke ist ein echtes Erlebnis. Infobahn-Reisekorrespondent Fred hat die Strecke für uns getestet und sich tief ins Landesinnere vorgetastet.

Die Strecke von Sydney nach Katoomba in den Blue Mountains begann ich um 5:30 Uhr am Morgen. Es war bitterkalt in Katoomba, das der höchste Punkt (1000 Meter) in den "Blauen Bergen" ist, die zum Weltkulturerbe gehören. Katoomba hat viele Attraktionen, darunter Echo Point mit dem Jamisontal und den Three Sisters - drei Felsen, die der Sage nach drei Schwestern waren, die einst versteinert wurden. Für Wagemutige gibt es noch eine Scenic Railway bzw. Skyway, wo man mit Seilbahn oder der steilsten Bahn, die ich je gesehen habe, das Tal erkunden kann. All diese Sehenswürdigkeiten sind mit einen Trolleybus erreichbar, der den ganzen Tag in regelmäßigen Abständen die Attraktionen abfährt und überall Touristen ein- und auslädt. Der Bus fährt täglich vom Bahnhof in Katoomba ab.

Von Katoomba aus ging es weiter nach Blackheath - dem Zugang zu den australischen "Grand Canyons", Govetts Leap und Bridal Falls, ein Wasserfall, der 90 Meter tief stürzt. Weitere Attraktion Blackheaths ist ein Rhododendron-Garten, der nicht nur im Frühjahr einen Besuch wert ist, wenn er in voller Blüte steht. Auch während des Jahres ist der idylisch angelegte Park ein netter Ruhepunkt nach einer langen Autofahrt.

Nach Blackheath kommt Lithgow, eine kleine Ortschaft am Ende der Great Dividing Range und am Anfang der Western Plains. Lithgow war Unterkunft der Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges, die in der Gegend große Tannenplantagen pflanzten, die heute bis zu den Jenolan Caves sichtbar sind. Die Jenolan Caves sind übrigens eine eindrucksvolle Höhlenanlage, die ebenfalls einen Stopp wert ist und wo Höhlenbegeisterte Stalaktiten und Stalagmiten in Hülle und Fülle vorfinden.

Bathurst ist eine alte australische Ortschaft mit einem sehenswerten Stadtkern. Hier findet zu Ostern immer das Mount Panorama Race statt, wo sich schnelle V8 Super Cars ein 24 Stunden Rennen liefern. Bathurst ist auch ein guter Ausgangspunkt, um die Orte Sofala und Hill End zu erkunden, wo einst der größte Goldklumpen der Erde gefunden wurde - größer als ein Mensch! (Den hätte ich auch gerne gefunden)
Beide Ortschaften zeigen noch heute etliches Interessantes aus der Goldgräberzeit - eine kleine Zeitreise, die für Groß und Klein Spannung verspricht.

Nach Bathurst wurde es dann hügelig und die Landschaft um Orange erinnerte mich beinahe an Süddeutsches Gebiet. Hier ist es noch verhältnismäßig grün, ein Eindruck, der bald in Vergessenheit rücken sollte.

Dubbo hat sich über die Jahre toll herausgemacht als eine der größten Inlandstädte und mit eigenem Zoo. Der ist mindestens genauso sehenswert wie der Taronga Zoo in Sydney und erinnert vielmehr an eine Safari als die nett angelegten Wege des Schwesternzoos. Übrigens ist der Western Plains Zoo der größte der südlichen Hemisphäre und eine Safari kann man dort wirklich machen - mit allem drum und dran.

Dubbo ist auch der letzte Punkt der Zivilisation, so wie wir sie kennen. Zwar gehen die Schienen des Zuges noch bis Bourke, aber der Weiterverkehr wurde längst als unwirtschaftlich eingestellt und durch moderne Busse ersetzt. Es war hier, wo wir Emma kennen lernten. Meine Frau rief mich mit meinem bekannten Vornamen Juhuu, das bedeutet, dass sie etwas Seltenes gefunden hatte. So war es auch, als Emma vor uns stand und mit uns auf die Weiterreise per Bus wartete. Fünf Stunden hatten wir hinter uns und vier Stunden noch vor uns. Obendrauf hatten wir gerade eine Heuschreckenplage und die Insekten hingen am Schutzgitter der Fahrerscheibe fest.

Doch die Bekanntschaft mit Emma entschädigte uns für die lange Reisezeit. Überhaupt muss es mit dem Teufel zugehen, wenn man in Australien reist und nicht mit jemandem ins Gespräch kommt, zum Barbecue eingeladen wird und eine Freundschaft fürs Leben oder zumindest für die kommende Woche schließt. Emma war nun eine besondere Person - eine (zufällig) deutsche Rentnerin, der vom Arzt gesagt wurde, dass das deutsche Winterwetter schlecht für ihren Hals sei und sie sich ein wärmeres Klima suchen müsse. So reist sie nun jedes Jahr nach Cunnamulla im Südwesten Queenslands zum Überwintern und machte einen kleinen Umweg über Bourke und uns. Voll ausgerüstet war sie - in ihrer Handtasche fanden sich sogar Teebeutel und Löffel. (nicht dass ich die untersucht hätte, aber man ist halt aufmerksam)

Mit Emma zusammen stoppten wir in Nyngan, ein kleiner Ort, an dem sich die Wege nach Broken Hill und Bourke teilen. Er ist der Anfang einer 204 Kilometer langen Strecke des Mitchell Highways, die absolut kerzengerade verläuft und wo die rote Erde bereits das Outback ankündigt.

So kamen wir schließlich in Bourke an, das mit seinem 43 000 Quadratkilometer großem Landkreis und seinen 3500 Einwohnern versucht, ein wenig an seiner Wichtigkeit von früher festzuhalten. Denn einst war Bourke der größte Wollerzeuger der Welt und wurde auch bekannt durch Fred Hollows, der dort begraben ist. Fred Hollows ist ein Augenarzt, der in ärmeren Ländern viel Hilfe leistete. Hier in Bourke sollten wir auch Emma wieder verlieren, die wohl schneller als gedacht eine Mitfahrgelegenheit in ihr Winter-Paradies gefunden hatte und plötzlich wie vom Erdboden verschluckt war.

Bourke ist die Kreuzung von drei Autobahnen, die jetzt vor kurzem fertig gestellt wurden - nach Melbourne, Brisbane und Darwin. Trotzdem ist Bourke heute nur noch ein Schatten seiner selbst und das Austrocknen des Darling River hat dazu ebenfalls beigetragen. 2004 wurde der Anbau von Baumwolle wegen des hohen Wasserverbrauches eingestellt. Heute lebt Bourke vom Fruchtanbau und dem Tourismus. Ich muss dazu sagen, die Tafelweintrauben, von denen uns ein Bauer dort ein Bündel schenkte, waren die größten und süßesten, die ich je sah. Die riesigen Obstplantagen befindet sich, wenn man von Nordbourke über die Brücke fährt und sich für ein paar Kilometer links hält.

Meine Tipps für Bourke sind übrigens:

Die beste Unterkunft: das Gidgee Guest House im Zentrum

Das beste Essen: zum Kaffee trinken in die Morrells Bäckerei und zum Abendessen in den Garten des Port Bourke Hotels, wo man noch versteht, wie man einen Braten macht und viele lokale Familien mit Kindern trifft.

Die beste Sehenswürdigkeit: ist die alte Hebebrücke, wo man früher mit Stahlseilen und Winden per Hand das Mittelstück hochkurbelte! Heute ist die Brücke von einer Betonüberführung ersetzt, aber noch voll zugänglich und im Originalzustand.

Und das Fazit: Bourke ist nicht umsonst die Ortschaft, die die Redewendung schaffte: "Back of Bourke" - was soviel bedeutet wie - weit weg von überall. Trotzdem sind die Sonnenuntergänge im Outback unübertroffen, vor allem wenn noch Kängurus im Abendrot durchs Bild hüpfen...

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Fred/ntf
Photo Credit: Fred/ntf