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 Wenn
Frau mit „Forensic Cleaning“ ihren Lebensunterhalt
verdient
„Ich rede mir immer ein, es
sei eine andere Flüssigkeit als Blut“
Sydney – Lange dunkle
Haare, strahlend grün-blaue Augen und ein freundliches
Lächeln im Gesicht, kurz gesagt eine attraktive Frau,
wie es sie viele gibt. Wenn Nicole Sälzler zur Arbeit
geht, unterscheidet sie jedoch eines von der Masse –
die Münchnerin finanziert sich ihren einjährigen
Aufenthalt in Australien mit „Forensic Cleaning“.
Seit Juli diesen Jahres befreit sie Büros von herkömmlichem
Schmutz, aber auch „Messie-Wohnungen“ von tonnenweise
Müll, sowie Privaträume und Gefängniszellen
von Körperflüssigkeiten wie getrocknetem Blut
oder Erbrochenem.
„Ich rede mir immer ein, es sei eine andere Flüssigkeit
als Blut“, antwortet die junge Frau auf die Frage,
wie man die eigenen Ekelgefühle bei der auf den ersten
Blick ungewöhnlichen Arbeit überwindet und fügt
hinzu: „Für mich ist das einfach ein ganz normaler
Job, mit dem ich mein Geld verdiene. Außerdem putze
ich nicht die ganze Zeit Blut weg. Überwiegend bin
ich mit gewöhnliche Putzarbeiten in herkömmlichen
Büros beschäftigt.“
Nicole Sälzler ist im fünfköpfigen Team
der „Clean Queens“, die wie viele andere Reinigungstruppen
Gebäude säubern. Erhält Gabrielle, die Chefin
der Firma, einen Anruf von der Polizei, einem aufmerksamen
Nachbarn oder einem verzweifelten Hausbesitzer, fahren die
beiden im Firmenvan mit Spezialausrüstung zum „Forensic
Cleaning“.
„Gabrielle ist über ihr Mobiltelefon rund um
die Uhr erreichbar. Manchmal kommt zwei Wochen kein Anruf
für diese Spezialaufträge, dann viele auf einmal.
Als ich hier angefangen habe, musste ich meine Chefin vertreten,
da sie zehn Tage Urlaub gemacht hat. Das war ganz schön
stressig“, erinnert sich die Münchnerin.
Mit zwölf Jahren war die junge Frau zum ersten Mal
auf dem Fünften Kontinent. Seitdem reifte in ihr der
Wunsch in „down under“ zu leben. „Ich
habe meine Tante Christa besucht, als sie in Australien
gewohnt hat. Vom ersten Moment an war ich fasziniert von
diesem Kontinent und wollte das Land und seine Bewohner
kennen lernen. Dazu reicht ein Urlaub nicht aus, man muss
hier leben“, erklärt die Neu-Australierin ihre
Entscheidung Deutschland für ein Jahr den Rücken
zu kehren.
Im November letzten Jahres hat ihre Tante, die zwischenzeitlich
einige Jahre in der alten Heimat München verbracht
hat, Nicoles Mutter und sie selbst mit der Begeisterung
für Australien zu einem wichtigen Schritt bewegt –
der gemeinsamen Auswanderung.
„Christa ist zusammen mit meiner Mutter im November
2005 geflogen. Ich bin vorerst noch geblieben, denn ich
hatte noch einige Dinge zu regeln, wie zum Beispiel den
Umzug meiner beiden Katzen Kira und Monique. Die sollten
nämlich mitkommen“, so die 26-Jährige. Im
Februar des darauffolgenden Jahres, klingelte ihre Türglocke.
„Meine Mutter konnte sich doch nicht vorstellen, in
Australien zu leben“, erinnert sich Nicole Sälzler.
Trotzdem war an ihrer eigenen Entscheidung nach Australien
zu gehen nichts mehr zu rütteln: Zwei Monate später
saß die junge Frau im Flugzeug ans andere Ende der
Welt.
In Brisbane hat sich die Abenteuerin mit ihrer Tante getroffen
und die erste Zeit gemeinsam mit ihr auf Reisen verbracht.
Mitte Mai erreichten die beiden Sydney. Von da an wollte
sich Nicole Sälzler voll und ganz auf eigene Beine
stellen.
Person mit Katze sucht Mitbewohnerin. „Als ich diese
Anzeige in der Tageszeitung gelesen habe, musste ich zuschlagen.
Mit jemanden eine Wohnung zu teilen, der wie ich Katzenliebhaber
ist, das musste einfach passen“, so die 26-Jährige.
Am Tag der Besichtigung hat sie am Abend noch die Zusage
von Angela, der Wohnungsbesitzerin, bekommen.
„Angela und ich haben uns auf Anhieb gut verstanden.
Und dass wir die Wohnung auch mit ihrer Katze Kazoo teilen,
finde ich natürlich auch klasse“, lacht die junge
Frau. „Meiner Mitbewohnerin habe ich viel zu verdanken.
Sie hat mich Leuten vorgestellt, die jetzt auch meine Freunde
sind und letztlich bin ich durch Angela auch zum „Forensic
Cleaning“ gekommen“, erzählt die 26-Jährige.
„Nachdem ich Angela erzählt habe, dass ich einen
Job suche, hat sie mir den Tipp gegeben, ihre Freundin Gabrielle
zu fragen. Bei den „Clean Queens“ wäre
vielleicht noch eine helfende Hand zu gebrauchen. Und, es
hat tatsächlich geklappt“, erzählt Nicole
Sälzler. An ihrem ersten Tag hat sie Bluttropfen in
einer Polizeizelle entfernt. „Das war gar nicht so
schlimm wie ich dachte“, so die Neu-Australierin.
Anfangs ist sie zwei Wochen mit ihrer Chefin „auf
Streife“ gegangen, um ihr bei der Arbeit über
die Schultern zu schauen.
„Bei meinem ersten Einsatz als „Forensic Cleanerin“
meinte Gabrielle, wenn ich das Blut nicht wegputzen könnte,
dann solle ich einen Spaziergang machen und sie würde
das Zimmer alleine reinigen“, erinnert sich die Münchnerin.
Morgens kam die Chefin des Reinigungsunternehmens mit dem
Firmenvan vorbei. Eine Stunde Autofahrt später erreichten
die beiden den Einsatzort: Ein Mann hatte vor seinem Tod
Blut gespuckt. „Das ganze Badezimmer war braunrot-verschmiert“,
so Nicole Sälzler gedankenverloren. Gut drei bis vier
Stunden hatten die beiden gebraucht, um das Zimmer vollkommen
vom eingetrockneten Blut zu befreien.
Handschuhe, Maske, Spezialschuhe, in seltenen Fällen
auch eine Brille, und wahlweise blaue Anzüge bei weniger
intensiven Verschmutzungen oder weiße Anzüge
bei starken Verschmutzungen. Das ist die Ausrüstung
eines „Forensic Cleaners“. Außerdem ist
die zweiköpfige Putzmannschaft für die Spezialeinsätze
mit Duftölen gegen intensiven Gestank sowie besonderen
Reinigungs- und Desinfektionsmitteln ausgestattet. „Anfangs
dachte ich, Blut weg zu wischen sei schlimm. Aber die Wohnung
eines Messies zu säubern ist heftiger“, so die
26-Jährige auf die Frage welche Reinigung ihr besonders
in Erinnerung ist.
Zwei Lastkraftwagen voll mit Abfall haben sie und ihre
Chefin einmal aus einer 20 Quadratmeter großen Einzimmerwohnung
entfernt. „Je nach Verschmutzungsgrad dauert so ein
Einsatz zwischen zwei Stunden und zwei Tagen“, erklärt
Nicole Sälzler. Normalerweise schalte man während
der Arbeit ab, und denke nicht zuviel nach. Aber, „bei
Messie-Wohnungen frage ich mich schon, wie man nur so leben
kann. Oder wenn ich beim Reinigen von der Wohnung eines
Toten Fotografien von ihm und seinen Angehörigen sehe,
geht einem das nahe. Besonders leid tun mir aber jedes Mal
die Hinterbliebenen“, erklärt Nicole Sälzler.
Auf die Frage nach ihrer Motivation „Forensic Cleaning“
zu machen, muss die junge Frau nicht lange überlegen:
„Das ist mein Job. Wenn ich helfen kann, schalte ich
Ekelgefühle aus. Das habe ich schon immer so gemacht
– auch privat. Nur wenn man im Nachhinein darüber
nachdenkt, ekelt es einen hin und wieder.“
Nicole Schüssel
Die
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