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Mein Leben im Outback von Australien
Marlene ist 20 Jahre alt und mit ihrem
2. Working Holiday Visum in Australien unterwegs. Mit ihrem
australischen Freund lebt die junge Berlinerin in Griffith,
im tiefsten Outback von New South Wales. In einem Jahr will
sie ihr Landwirtschaftsstudium anfangen und zuvor "Hands
on"-Erlebnisse in Australien sammeln. Auf der Infobahn
berichtet sie von ihren Alltagserlebnissen, Kulturschocks,
emotionalen Höhen und Tiefen und was das Outback so
besonders macht...
Nachdem ich mein Abitur im Mai 2005 bestanden hatte, packte
mich die Reiselust und ich bin für ein Jahr nach Australien
gegangen. Wie das Leben so ist, kommt es immer anders als
man denkt... Schon nach zwei Monaten habe ich mich in Daniel
verliebt, einen waschechten Australier. Daniel arbeitet
auf einer Farm im tiefsten Outback und ich bin auf gut Glück
einfach bei ihm eingezogen. Die Zeit mit Dan in Down Under
war die beste meines Lebens und um so schwerer fiel mir
der Abschied, als der Tag des Rückfluges näher
kam.
Danach war ich von August bis Januar wieder in Deutschland,
hab mir einen Nebenjob gesucht und endlose Telefonate nach
Australien geführt. Ich wollte wieder zurück!!!!
Also bewarb ich mich um mein zweites Jahr Working Holiday
(das geht, wenn man auf einer Farm gearbeitet hat) und am
14. Januar 2007 war es soweit. Ich stand mit gepackten Taschen
am Flughafen.
Meine
Eltern und Freunde hatten es zunächst nicht so toll
gefunden, dass ich wieder verschwinde, aber nach endlosen
Gesprächen, Erklärungen, Tränen und Streit
konnten sich die meisten mit meinem erneuten Aufbruch abfinden.
Eine meiner Freundinnen hat sogar versprochen mich im Sommer
2008 zu besuchen. Aber bis dahin ist es noch lang hin und
ich muss durchhalten...
Der Abschied fiel mir dieses Mal dann auch viel schwerer.
Als ich im Flugzeug endlich die Päckchen öffnen
durfte, die mir meine Freunde noch in letzter Sekunde zugesteckt
hatten, da konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten.
Meine Freundin Simone hatte mir ein Buch über die Geschichte
zusammengestellt, wie Simone und ich uns kennen gelernt
haben und was wir so Typisches zusammen gemacht haben und
von meiner Freundin Jana habe ich CDs bekommen, die ich
schon immer haben wollte. Ach herrje, da bekam ich gleich
das erste Heimweh! Aber zum Aussteigen war es jetzt zu spät.
Gott sei Dank verlief der Flug recht ruhig und ich habe
fast die gesamten 24 Stunden verschlafen.
Bei der Ankunft in Australien stand mir dann aber schon
der erste Ärger bevor. Denn der Zoll kannte kein Dr.
Oetker Puddingpulver und hatte erst nach langen Erklärungen
Verständnis dafür, dass ich Pudding zum Überleben
Down Under brauche. Aber ich durfte schließlich durch
und der Pudding mit mir.
Dan hat mich vom Flughafen abgeholt und die Tränen,
die beim Wiedersehen flossen, waren ebenso zahlreich wie
die beim Abschied. Wir haben dann zwei Nächte in einem
Hotel in der Nähe des Opera Houses verbracht und ich
bin kaum aus dem klimatisierten Zimmer raus gekommen. Es
hatte an den Tagen bestimmt weit über 30 Grad! Der
Klimawechsel war furchbar und mir war nur heiss, egal was
ich gemacht habe. (Das hat sich etwas gelegt. Gott sei Dank,
denn hier in Griffith ist es ohne die Meeresbrise Sydneys
nochmal deutlich heisser!)
Nach zwei Tagen gings dann weiter nach Griffith. Griffith
ist eine kleine Stadt und liegt rund 600 Kilometer westlich
von Sydney, also in Richtung Landesinnere. Hier leben 25000
Menschen und die meisten arbeiten in der Landwirtschaft.
Daniel arbeitet hier auch und hier war es auch, wo wir uns
vor über einem Jahr kennengelernt haben.
Die Umstellung von Berlin nach Griffith ist fast so gewaltig
wie die von Winter auf Sommer. Jetzt bin ich seit zwei Wochen
hier in Dans Haus und habe schon einiges über das Leben
im Outback gelernt. Zum Beispiel, dass man alle Fenster
schließen sollte, wenn ein Staubsturm anrückt.
Das musste ich gleich schmerzlich erleben. Unser Badezimmer
war nach solch einem Sturm komplett in Staub eingekleidet
und ich musste eine volle Stunde putzen, um es wieder in
seinen Ursprungszustand zu bekommen. Dan hat sich schief
gelacht ...
Die nächste Lernkurve erlebte ich beim Thema Ungeziefer.
Ich ließ eine Packung Chips offen rum stehen. Na,
ja, was soll ich sagen, die Mäuse feierten eine Party...
Doch auch diese kleinen Mitbewohner wurde ich nach einigen
Tagen mit Fallen (mit Erdnussbutter als Lockmittel) wieder
los und mittlerweile leisten sie mir nicht mehr beim Frühstücken
Gesellschaft:).
Aber abgesehen von Kleinigkeiten wie diesen verläuft
mein Leben in etwa so, wie ich es mir vorgestellt habe.
Und Dan ist auch noch so, wie ich ihn in Erinnerung hatte.
Da
ich mich jetzt etwas eingelebt habe, werde ich als nächstes
auf Jobsuche gehen. Fruitpicking wie beim letzten Mal möchte
ich nicht unbedingt nochmal machen, doch irgendeine Form
der Farmarbeit sollte es schon sein, damit ich genug Erfahrung
für mein Landwirtschaftsstudium sammle. Ich mache mich
mal schlau und bewerbe mich, aber darüber beim nächsten
Mal mehr.
Eure Marlene
Wer Marlene einen Gruss ins Outback schicken möchte,
der kann das hier
tun.
Mehr Infos zum Thema Working Holiday findet ihr hier.
Rechte am Blog liegen bei der InfobahnAustralia.com.au
- Foto Credit: Privat |