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Ein Jahr Working Holiday Down Under - Teil 2

Die Wohnungssuche beginnt!

Wir beschließen, die ersten Monate in Sydney zu bleiben. Nun heißt es keine Zeit zu verlieren. Eine Wohnung und ein Job müssen her. Zum Glück ist der nächste Tag ein Samstag, denn Mittwochs und Samstags ist der Immobilienteil im Sydney Morning Herald, der lokalen Tageszeitung.
Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, damit uns kein anderer die guten Wohnungen wegschnappen kann. Anders als zu Hause in Deutschland kann man hier meist sofort oder spätestens nach wenigen Tagen in die neuen vier Wände einziehen.
Als wir die Mietpreise sehen, müssen wir schlucken. Die sind höher, als wir es aus Hamburg gewöhnt sind, aber wir sind hier ja nicht umsonst in einer DER Weltstädte. Kurzzeitig überlegen wir, in eine WG zu ziehen. Schnell merken wir jedoch, dass das zu Zweit schwierig werden könnte, da meistens nur eine Person gesucht wird.
Also gucken wir nach einem Appartement mit zwei Zimmern. Und wichtig: möbliert muss es sein!
Mit einem Stadtplan bewaffnet, machen wir uns zu den Open Houses auf. Das bedeutet, dass die Wohnungen zur Besichtigung offen stehen. Laut der Beschreibungen in der Zeitung entsprechen alle Wohnungen auf unserer Liste genau unseren Vorstellungen…

Der Schein trügt

Die erste Wohnung, die wir uns ansehen wollen, befindet sich in Darlinghurst. Wir suchen die Straße im Stadtplan und stellen fest, dass sie relativ zentral liegt. Zwei Zimmer, Wohnzimmer, Bad, Küche und der Preis - 310 Dollar pro Woche (hier zahlt man keinen Monatspreis!) - scheinen in Ordnung. Wir sind zuversichtlich.
Nach einigen Telefonaten mit dem Vermieter, finden wir die Wohnung dann auch endlich. Das Haus sieht von außen ziemlich schäbig aus, aber abwarten, wer weiß, was das Innere verspricht.
Wir kommen in einen alten Flur, die Treppen knatschen, als wir in die obere Etage kraxeln. Es riecht muffig. Der Teppich muss wohl mal hellgelb gewesen sein. Die Tür zu dem angepriesenen Appartement steht offen. Wir lassen uns die beiden Zimmer zeigen. Man kann nichts Grossartiges erwarten, also muss man seine Ansprüche runterschrauben, das ist uns klar. Aber als wir das Badezimmer sehen, bedanken wir uns und sind schnell wieder weg. Die Dusche ist braun, kleine Kakerlaken flitzen über die Kacheln, der Abfluss im Waschbecken ist von Haarbüscheln verstopft…
Wir müssen ja nicht gleich bei der ersten Wohnung zuschlagen. Wir haben ja noch einige vor uns.

Das nächste Angebot befindet sich in der Nähe der Central Station (des Hauptbahnhofes), doch leider kommen wir zu spät. Bevor wir die Wohnung auch nur ansehen können, werden wir an der Tür abgewimmelt. Da waren andere schneller.

Jetzt wirds grenzwertig

So geht es weiter. Doch dann kommt der Gipfel. Wir fahren nach Glebe, dem Studentenviertel von Sydney, um uns die letzte Wohnung anzugucken. Diese soll zwar im Keller sein, aber was solls. Sie ist vollmöbliert mit Bad und zwei Zimmern. So steht es in der Annonce…
Die Straße finden wir gleich, aber irgendwie ist es uns hier nicht geheuer. Die meisten Häuser sehen ziemlich dunkel und heruntergekommen aus. Vor der richtigen Nummer bleiben wir stehen. Dieses Haus ist das schlimmste von allen. Schon bevor wir das Grundstück auch nur betreten, läuft mir ein dicker Schauer über den Rücken. Als wir gerade kehrt machen wollen, öffnet ein alter abgemagerter Mann die Tür. Oh Schreck, nun gibt es kein zurück mehr. Tapfer folgen wir ihm in seine Katakomben. Der Anblick, der sich uns hier bietet, könnte geradewegs aus einem Horrorfilm stammen. Die Wände sind feucht und schimmelig. In der Mitte des Raumes (es gibt nur einen, statt zwei wie in der Anzeige beschrieben) steht ein Bettgestell mit einer durchlöcherten Matraze. Mehr Möbel sind hier nicht- zum Glück. Es riecht modrig. Dafür sind die 250 verlangten Dollar ein für alle mal zu viel!
Schnell erfinden wir eine Ausrede und wollen die Biege machen, aber der alte Mann besteht darauf, uns Bad und Küche zu präsentieren. Beides dürften wir uns mit ihm teilen, bietet er großzügig an. Das sogenannte Bad besteht aus einer Toilette und einer Dusche, die sich auf einen zugemüllten Innenhof befinden. Wir haben genug. Sekunden später stehen wir wieder auf der Straße. Aber was nun? Eine Bleibe haben wir beim besten Willen nicht gefunden.

Retter in der Not

Gerade als wir fieberhaft überlegen, wie wir nun vorgehen wollen, kommt der erlösende Anruf. Herr Ohff hat sich für uns umgehört und hatte Glück. Die Nachbarin einer Bekannten vermietet zwei Zimmer und ein Badezimmer in ihrem Haus unter, wir können es sofort besichtigen. Klingt perfekt. Das Haus befindet sich nur eine Viertelstunde von unserem derzeitigen Standort entfernt. Es ist am anderen Ende von Glebe.
Dieser Teil der Gegend ist alles andere als schäbig und düster. Hier reihen sich gepflegte, moderne Town-Houses (Reihenhäuser) aneinander und in der Nähe ist ein großer Park.
“Unser” Haus ist sauber und hell, die Zimmer groß und komfortabel. Wir sind begeistert. Wir würden uns zu Zweit ein Badezimmer mit gläserner Dusche und einer Jacuzzi-Wanne teilen. Der purer Luxus nach all diesen Kammern, die wir heute gesehen haben. Als wir nach dem Preis fragen, mache ich innerlich einen Luftsprung. Die nette ältere Lady verlangt 100 Dollar pro Person pro Woche - Frühstück inklusive. Also, wenn wir da nicht zugreifen, kann uns auch nicht mehr geholfen werden.
In wenigen Tagen können wir einziehen. Hurra! Sydney - jetzt sind wir wirklich da!


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