„Die Mühe
hat sich gelohnt“ – Ein deutscher Apotheker
etabliert sich in Sydney
Sydney – Jeden Tag erhält Apotheker
Ben Adolphs in Sydney-Haberfield mehrere Anrufe von Deutschen,
die gerade in Australien sind und denen ihre aus der Heimat
mitgebrachten Medikamente ausgegangen sind oder die Schwierigkeiten
haben, ein bestimmtes – deutsches – Präparat
zu bekommen. „Da ich sowohl in Deutschland als auch
in Australien als Apotheker zugelassen bin und schon seit
Jahren in Sydney eine eigene Apotheke betreibe, kenne
ich mich mit den Medikamenten auf beiden Märkten
aus. Ich bin so etwas wie ein Bindeglied und berate viele
Deutsche, die Fragen zu ihren Medikamenten haben“,
so Adolphs, der sich mittlerweile seit 27 Jahren in „down
under“ wohl fühlt.
Mit dem Kauf seiner eigenen Apotheke ging
für ihn 1984 ein Traum in Erfüllung. Doch bis
es soweit war, musste der Münchner nicht nur geografisch
einen weiten Weg zurück legen. Denn angefangen hat
sein Traum im bayerischen Fasching 1976.
„Im Fasching habe ich Erna, meine
Ehefrau, kennen gelernt. Ihre Eltern sind nach Australien
ausgewandert, als Erna zwei Jahre alt war. Als wir uns
getroffen haben, war sie gewissermaßen auf der Suche
nach ihrem Ursprung in Europa.“ Da Adolphs, wie
er im Gespräch mit der WOCHE berichtet, besser Englisch
sprach, als die Australierin deutsch, kamen die beiden
schnell in englischer Landessprache ins Plaudern. Noch
im selben Jahr betrat der damals 26-Jährige erstmals
australischen Boden.
„Erna und ich sind drei Monate durch
das Land gereist. Mir hat Australien sofort zugesagt“,
berichtet Adolphs. „Die Lebensweise der Menschen,
der lockere Umgang miteinander, das schöne Wetter,
das hat mir gut gefallen. Nach dem Urlaub dachte ich,
eine eigene Apotheke in Australien wäre eine echte
Alternative zu einem Leben in Deutschland.“ Zunächst
allerdings standen dieser Traumalternative noch einige
„Hindernisse“ entgegen: Nach der Hochzeit
in Deutschland musste Adolphs als Stabsapotheker zunächst
seinen Wehrdienst nachholen, danach wurde seine erste
Tochter geboren. So flog das junge Paar samt sieben Monate
altem Säugling dann 1980 nach Australien, um sich
dort ein neues Leben aufzubauen. „Da ich mit einer
Australierin verheiratet war, hielt sich der bürokratische
Aufwand zum Glück ziemlich in Grenzen. Außerdem
konnten wir bei meiner Schwiegermutter wohnen, was natürlich
Manches erleichtert hat“, so Adolphs im Rückblick.
Dennoch waren die ersten Jahre im „lucky country“
alles andere als einfach.
Um als Apotheker in Sydney arbeiten zu
können, musste Adolphs, der in Deutschland bereits
das Studium abgeschlossen und als Apotheker gearbeitet
hatte, noch einmal von vorne anfangen – zumindest
beinahe. „Ich musste das zweite Staatsexamen nachholen.
Aber ich habe damals genau gewusst, dass ich hier unten
nicht dort weitermachen kann, wo ich in Deutschland aufgehört
hatte.“ Innerhalb eines Jahres legte Adolphs die
benötigen Prüfungen ab, versuchte sein Englisch
noch weiter zu verbessern und arbeitete nebenbei. Doch
die Mühen haben sich gelohnt: 1981 erhielt er die
ersehnte Approbation. „Ich war damit ein in Deutschland
und in Australien zugelassener Apotheker.“
Der Traum eines eigenen Geschäftes
war damit allerdings noch nicht erfüllt. Daher arbeitete
Adolphs von nun an, an sieben Tagen in der Woche –
unter Aufsicht – als Apotheker. „Für
uns war immer klar, dass die Entscheidung, ob wir hier
bleiben, feststehen muss, bis unsere Tochter in die Schule
kommt“, erläutert er die damalige Situation
der Familie. „Meine Frau hat ihren Beruf ebenfalls
weiter verfolgt und wir haben beide viel gearbeitet –
schließlich wussten wir, wofür wir uns anstrengen.
Und wir haben genau das erreicht, was wir wollten. Die
Mühe war es wert“, so der Vater von drei Töchtern
heute. „Wir alle, auch meine Kinder, haben immer
guten und viel Kontakt zu unserer Familie in Deutschland
gehabt. Der Besucherstrom ist auf beiden Seite nie abgerissen.“
Bereut hat der Wahlaustralier, der sich
in seiner Freizeit gerne auch mit deutscher Literatur
beschäftigt, seinen Entschluss noch nie. Ebensofern
liegt ihm der Gedanke, dauerhauft nach Deutschland zurück
zu kehren. „Wir könnten uns höchstens
vorstellen, im Ruhestand jedes Jahr für drei Monate
im Sommer zurückzugehen – aber für immer,
das wohl nicht.“
Eva-Katharina
Wenzel
Haberfield
Pharmacy
66
Dalhousie Street
Haberfield NSW 2045
Tel: (02) 9798 8699
Info@haberfieldpharmacy.com.au