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"School of the Air" - Schulausbildung via Radio und Satellit

50 Kilometer bis zum nächsten Nachbarn, 150 Kilometer bis zum nächsten Supermarkt und 1000 Kilometer bis zur nächsten Schule. Rund 170.000 Australier leben fernab jeder Zivisation im Outback.

Das Leben in der Abgeschiedenheit will gut organisiert sein, dazu gehört auch der Schulunterricht der Kinder. Ist genügend Geld in der Familie vorhanden, kann ein Hauslehrer in Anspruch genommen werden oder das Kind besucht ein Internat in der Ferne.

Mehr als 1000 schulpflichtige Kinder des australischen Hinterlandes sind Schüler der „School of the Air“. Sie leben mit ihren Familien isoliert und abgesondert in der Einsamkeit und haben trotzdem die Möglichkeit, eine „ganz normale“ Schulausbildung zu erhalten. Die „School of the Air“ macht es möglich und somit gehören Unterricht und Lerneinheiten via Radiowelle und Videokonferenz zum Alltag der Schüler.

Dazu kommen schriftliche Übungslektionen und Lehrmaterialien, die per Post, Email oder Fax zu den Kindern gelangen und nach Bearbeitung an die Lehrer zurückgesandt werden. Die Schüler sind über ein riesiges Einzugsgebiet hinweg in einzelne Klassenstufen eingeteilt. In der Schaltzentrale der Schulstation sitzen die Lehrer und geben via Mikrophon drei bis fünf mal wöchentlich ihren Unterricht. Im Anschluss daran gibt es Zeit, um ungeklärte Fragen zu stellen und individuelle Schwierigkeiten zu lösen. Die Unterrichtszeit beschränkt sich dabei auf maximal eine Stunde täglich, weil das Aufmerksamkeitsvermögen aufgrund dieser Lehrmethode sonst zum erlahmen kommt.

Zum Konzept der „School of the Air“ gehört außerdem, dass der Lehrer den Familien im Hinterland mindestens einmal jährlich einen Hausbesuch für ein paar Tage abstattet. Einerseits soll damit das Schüler-Lehrer-Verhältnis gestärkt werden und andererseits erhält der Schüler individuelle Nachhilfe in einzelnen Lehrgebieten. Etwa ein Viertel ihrer Arbeitszeit verwenden die Lehrer jährlich mit den Hausbesuchen.

Wichtige Voraussetzung für das Funktionieren dieser speziellen Unterrichtsform ist das Mitwirken einer Betreuungsperson, die sich inhaltlich auf den zu vermittelnden Stoff vorbereitet und dem Kind bei den einzelnen Lerneinheiten beiseite steht. Im Regelfall übernimmt diesen Part die Mutter. Falls die Familie aus zeitlichen Gründen nicht für die Betreuung aufkommen kann, gibt es auch die Möglichkeit, über die Organisation „Volunteers for Isolated Students in Education“ (VISE) Unterstützung zu erhalten. Junge Absolventen und pensionierte Lehrer stehen als ehrenamtliche Mitarbeiter zur Verfügung. Sie treten ihren stets mehrwöchigen Dienst im Outback nur gegen Kost und Logis an.

Um die persönlichen Kontakte zu fördern, finden trotz der weiten Entfernungen regelmäßig Freizeitaktivitäten mit Schülern, Eltern und Lehrern statt. Diese Treffen werden über die Schule organisiert oder von der Elterninitiative „Isolated Childrens Parents Association“ (ICPA) ausgerichtet.

Australienweit gibt es 13 „Schools of the Air“, mit mehr als 1000 Schülern. Diese Form der schulischen Ausbildung ist fast doppelt so teuer, wie die in einer städtischen Schule. Dennoch werden die Institutionen staatlich gefördert, die Eltern müssen nur einen geringen Teil dazu beisteuern.


So entstand die "School of the Air"

1944 kam die Idee auf, das großflächig ausgebaute Radiokommunikationsnetz der „Royal Flying Doctor Service“ (RFDS) auch für Ausbildungszwecke zu nutzen. Der RFDS hatte schon Ende der 20er Jahre einen bahnbrechenden Erfolg erlangt, denn mit seinem Kommunikationssystem über Radiofunk konnte die medizinische Versorgungslücke im australischen Outback geschlossen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten Kinder in dem nur dünn besiedelten Hinterland an keiner wirklichen Schulausbildung teilhaben. Es bestand für sie lediglich die Möglichkeit, an schriftlichen Fernkursen teilzunehmen, wobei das Hin- und Hersenden der Schulmaterialien oft wochenlang dauerte.

Mit entsprechend technischer Ausstattung konnten die Schüler nun aus der Ferne unterrichtet werden und sich über Funk mit ihren Lehrern und Klassenkameraden austauschen. In der Anfangszeit gab es dann und wann Störungen im Sendebereich, weil Funk und Radionetz noch nicht stabil genug waren, oder die Flying Doctors sich mit einem Notfall dazwischen schalteten. In diesem Fall mussten einige Schüler so manches Mal den Mittelsmann für ihre Klassenkameraden spielen.

Am 8. Februar 1951 wurde die erste „School of the Air“ in Alice Springs nach einer langen Vorbereitungszeit offiziell eröffnet. Zunächst übernahmen Lehrer der Alice Springs Primary High School ehrenamtlich Unterrichtsstunden. Mittlerweile hat jede Klasse ihren eigenen Lehrer, autonom ist die Alice Springs „School of Air“ allerdings erst seit 1974.

Anfang der 90er Jahre kamen neue technische Kommunikationsmöglichkeiten auf den Markt. Der Unterricht wurde jetzt nicht mehr nur über Radiowelle übertragen, sondern wurde außerdem um Videokonferenzen via Satelliten-TV ergänzt, was nun eine „Face to Face“-Kommunikation ermöglichte.

Als sich dann Mitte der 90er Jahre das Internet etablierte, machte sich diesen technischen Fortschritt auch die „School of the Air“ zunutze. Der Postverkehr per Email vereinfachte den Unterrichtsprozess ungemein und E-Learning-Angebote und Konferenzschaltungen schafften ein virtuelles Klassenzimmer. Dieses Lehrangebot richtet sich jedoch eher an die älteren Schüler, während die „i-Männchen“ häufiger die Radiowelle nutzen.

 

Dana Mell

Die Woche in Australien

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Photo Credit: Die Woche und Tourism Australia

 

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