Schüleraustausch

Pauken Down Under: Schüleraustausch in Australien

Im Dezember mit dem Surfbrett in die großen Sommerferien starten, statt Fußball Rugby, statt Latein Japanisch, statt Klassenfahrt ins Landschulheim Klettern am Uluru (Ayers Rock)! Schule in Australien ist einfach anders und ein besonderes Erlebnis für jeden aus "Good old Europe". Kein Wunder, dass immer mehr ausländische Schüler Schlange stehen, um ein paar Monate oder ein ganzes Schuljahr nach Down Under zu kommen. Wir haben mit Horst Giesler von der Deutschen Internationalen Schule (German International School) in Sydney über Schüleraustausch Down Under gesprochen. Horst Giesler hat das Buch "Ein Schuljahr in Australien. Als Gastschüler an einer australischen High School" beim Mana Verlag herausgebracht.

Warum ist das Thema Schüleraustausch mit Australien seit einigen Jahren so begehrt? Sind nur Sommer, Sonne, Surf die Gründe oder steckt mehr dahinter?

Es gibt eine Reihe Faktoren, die erklären, warum australische High Schools zur Zeit so attraktiv sind. Da ist zunächst der Aspekt, dass ein Schulaufenthalt in Australien ausländischen Schülern die Möglichkeit bietet, ihre englischen Sprachkenntnisse zu verbessern und das Leben in
Australien kennen zu lernen, ohne dabei schulische Inhalte zu vernachlässigen. Und, zur Zeit in aller Munde: Australien verfügt über ein hervorragendes Bildungssystem, das gemessen an internationalen Standards zu den besten der Welt gehört.

Wohin wendet man sich, wenn man mit einem australischen Jugendlichen die Schule tauschen möchte?

Es gibt zahlreiche Anbieter, die Schüler und Schülerinnen auch nach Australien vermitteln. Die meisten dieser Anbieter vermitteln jedoch den Großteil der Schüler in die USA. Anbieter, die sich auf Australien spezialisiert haben und dafür auch die notwendige Kompetenz mitbringen, sind selten. Eine Übersicht über Austauschorganisationen, die Schüler nach Australien vermitteln, findet sich in meinem Buch. Im Internet kann man sich die Organisationen dann etwas genauer anschauen. Obwohl man von Austauschschülern spricht, handelt es sich in den seltensten Fällen um einen klassischen Austausch. Vielmehr werden Schüler in eine Gastfamilie vermittelt, ohne dass es zu einem Gegenbesuch kommt.

Wie checkt man, ob man Down Under tauglich ist? Von Australien aus steigt man ja nicht mal eben in den nächsten Flieger und ist in zwei Stunden wieder daheim?

Das ist in der Tat nicht so einfach. Doch dies gilt für alle Austauschschüler unabhängig davon wohin die Reise letztendlich geht. O.k., Australien ist natürlich nicht um die Ecke. Folgende Fragen, sollte sich jeder potentielle Austauschschüler schon vorab einmal selbst beantworten: Schaffe ich es, für eine relativ lange Zeit auf meine Eltern, Geschwister und Freunde zu verzichten? Traue ich mir zu, mich in eine fremde Familie mit anderen Geschwistern und einem anderen Tagesrhythmus zu integrieren? Kann ich auf andere Leute zugehen und mir einen neuen Freundeskreis aufbauen? Kann ich mich anpassen und für einen längeren Zeitraum Verhaltensweisen in meiner neuen Umgebung tolerieren, die sich grundlegend von meinen eigenen bzw. von mir gewohnten unterscheiden? Wie gesagt, mit solchen Fragen sollten sich alle angehenden Austauschschüler beschäftigen. Der richtige Test kommt natürlich dann erst im Gastland. Wer sich als weltoffen, tolerant, anpassungsfähig und kommunikativ bezeichnen würde, der hat in Australien die allerbesten Chancen ein unvergesslich Jahr zu verbringen.

Auf was sollte man sich vorbereiten?

Schüler und Schülerinnen, die ins Ausland gehen, sind immer, ob sie das wollen oder nicht, auch eine Art Botschafter ihres Heimatlandes. Deshalb sollte man sich auch auf mögliche Fragen zur deutschen Geschichte, Kultur und Gesellschaft etwas vorbereiten. Fragen zum Nationalsozialismus und zur Wiederveinigung wird man öfters gestellt bekommen. Gerade jetzt nach dem World Cup ist auch das Interesse an Deutschland insgesamt wieder gestiegen. Natürlich sollte man sich auch vorab mit Australien auseinandersetzen. Gespräche mit ehemaligen Schülern, die in Australien waren, sind ebenfalls sehr hilfreich. Im Internet findet man dazu zahlreiche Chatrooms. Also, wer nach Australien kommt, um dann hier festzustellen, dass die Australier auf der falschen Seite Auto fahren und man in der Schule die Raucherecke nicht findet, der- oder diejenige hat etwas falsch gemacht.

Bei welchen Themen gibt es am häufigsten Schwierigkeiten?

Da ist das Heimweh natürlich der Klassiker. Probleme gibt es auch manchmal in den Gastfamilien. Unterschiedliche Vorstellungen über die Rolle des neuen Familienmitgliedes müssen dann behutsam ausdiskutiert werden. Eine Erfahrung, die die jungen Menschen auch reifen lässt.

Sind Australier ausländischen Schülern gegenüber offen?

Ausländische Schüler und Schülerinnen sind „very welcome“ in Australien.
Die »Aussies« sind ein herzliches und weltoffenes Volk und gerade auch
Gastfamilien freuen sich auf den Besuch vom anderen Ende der Welt.
Wer sich der Herausforderung stellt, wird schnell merken, dass australische
Schulen „einfach anders“ sind und dass Lernen auch Spaß machen kann.

Was heißt australische Schulen sind „einfach anders“ genau? Wie sind Sie anders?

Da ist zu allererst die totale Identifikation der Schüler mit ihrer Schule zu nennen. Gerade an den Privatschulen bestimmt die Schule den ganzen Tagesablauf. Das hat nicht nur damit zu tun, dass die australischen Schulen in der Regel Ganztagsschulen sind. Durch die zahlreichen außerunterrichtlichen Aktivitäten (Sport, Musik, Kunst, Theater) der Schulen bleibt für Aktivitäten in Vereinen und Clubs relativ wenig Zeit. In den großen Städten Australiens gibt es einen hohen Anteil an Privatschulen, die sich als Dienstleistungsunternehmen verstehen und die um jeden Schüler intensiv werben. Deshalb haben die Schüler- und Elterninteressen an diese Schulen einen viel höheren Stellenwert, als man dies beispielsweise von Deutschland kennt. Was ist noch anders? Zahlreiche andere Fächer, die man in Deutschland nicht kennt, das Tragen einer Schuluniform, eigene Schwimmbäder, kleinere Klassen, in der Regel hochmotivierte Lehrkräfte und und . . .

Was bringt solch ein Schüleraustausch Ihrer Meinung nach für die Entwicklung eines Teenagers?

Unterhält man sich mit ehemaligen Austauschschülern, deren Eltern und Lehrern dann ist das Urteil eindeutig. Eltern und Lehrer wundern sich vor allem über die gesteigerte Motivation der Heimkehrer, die in den meisten Fällen mit einer deutlich höheren Leistungsbereitschaft in der Schule verbunden ist. Die Investition in ein Austauschjahr an einer australischen High School ist mit Sicherheit eine Investition in die Zukunft des eigenen Kindes. Dass die Jugendlichen danach auch fließend Englisch sprechen können, ist dann nur noch das Sahnehäubchen.


Der Autor:
Dr. Horst Giesler ist Privatdozent an der Universität Gießen und Lehrer an der German International School Sydney. Außerdem ist er Mitinhaber der Schüleraustauschorganisation education downunder.
Er verfügt über hervorragende Landeskenntnisse und ist ein Kenner des australischen Schulsystems. Durch seine mehrjährige Arbeit in Australien kennt er zahlreiche Sprachschulen und High Schools persönlich.

Ein Buch zum Thema Schüleraustausch von ihm ist im Mana Verlag erschienen:

Horst Giesler
Australia calling! Ein Schuljahr in Australien. Als Gastschüler an einer australischen High School
Mana Verlag, 2006
, http://www.mana-verlag.de/
144 Seiten, broschiert, EUR 14,80; ISBN 393403196X

In Australien können Sie das Buch über
hannahgiesler@yahoo.com.au bestellen.

Kontakt zur Schüleraustausch-Organisation:

education downunder GmbH
Schildhof 21
30853 Langenhagen (Hannover)
Tel.: +49 (0)511 – 763 38 49
Fax: +49 (0)511 – 763 38 53
Amtsgericht Hannover: HRB 201499

E-mail: info@educationdownunder.eu
Internet: http://www.educationdownunder.eu

THEMA 2: Realitätscheck: Hilfe, mein Kind will nach Australien.