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Auswandern leicht gemacht
Die australische Wirtschaft boomt; das Land sucht Einwanderer aus allen möglichen Berufen. Ein neues Leben wartet dort auf einen, eine neue Welt voller Unwägbarkeiten, Heimweh, Problemen, Neugier und Abenteuer.
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1. Wohnungssuche und Hauskauf
Wohnungen und Häuser werden in Australien im Normalfall über Makler (Real Estate Agents) vertrieben und nur selten über den Besitzer selbst. Dies gilt für Kauf wie Miete. Anders als in Deutschland werden die Kosten dafür aber vom Verkäufer oder Vermieter getragen, der Kunde muss selbst mehr oder weniger keine Kosten tragen. Beim Vermieten ist es üblich, nicht nur Einkommens- und Beschäftigungsnachweise erbringen zu müssen, sondern auch Referenzen anzugeben. Referenzen sind Bekannte, Freunde oder Kollegen, die die Makler dann anrufen und nach der Vertrauenswürdigkeit des Kunden befragen. (Diese Anrufe erfolgen wirklich!)

Beim Kauf eines Hauses wird entweder zwischen dem Makler und den interessierten Parteien verhandelt oder das Haus wird bei einer Auktion versteigert. Dies hat keinen "unangenehmen" Beigeschmack, sondern ist eine gängige Form des Hausverkaufs.

Geworben wird für Miet- wie Kaufobjekte in den Schaufenstern der Makler (z.B. Ray White, McGrath, LJ Hooker…) oder in den großen Tageszeitungen. Ebenfalls beliebt sind die kleinen Stadtteilzeitungen und natürlich das Internet (www.domain.com.au oder www.realestate.com.au)

Besichtigungstermine sind üblicherweise am Mittwoch oder Samstag oder nach persönlicher Absprache.

Beim Mieten ist es üblich einen sechs- oder zwölfmonatigen Vertrag zu unterzeichnen. Danach kann dieser normalerweise verlängert werden oder er geht auf eine monatliche Basis über. Einen vergleichbaren Mieterschutz wie in Deutschland gibt es nicht. Bei Problemen wendet man sich zunächst an den Makler (der auch die Betreuung während der Mietzeit übernimmt) oder bei Differenzen an das Office of Fair Trading oder die Tenants’ Union. Mehr Infos bietet zum Beispiel das Office of Fair Trading in New South Wales.
www.fairtrading.nsw.gov.au/realestaterenting.html

Die Kaution beträgt im Durchschnitt vier Wochen Miete (Mietkosten werden pro Woche angegeben, aber zweiwöchentlich oder monatlich bezahlt). Sie wird nach der ordentlichen Rückgabe der Wohnung wieder erstattet.

Mieten ist in Australien nicht besonders hoch angesehen. Die meisten Australier kaufen schon sehr früh in ihrem Leben Eigentum. Makler sind deshalb zu Mietern nicht immer zuvorkommend. Die Wohnungen sind immer mit Ofen und oft auch mit Spül-, Waschmaschine und Trockner ausgestattet (je nach Mietpreis). Lampen, Vorhänge und Jalousien sind ebenfalls installiert. Das Gleiche gilt für Schränke. Nicht gestattet ist es im Normalfall, die Wände zu verändern, sprich Löcher zu bohren, wo noch keine vorhanden sind. Eine schriftliche Genehmigung muss beim Makler für jeden Nagel eingereicht werden! Der Makler schaut im Durchschnitt alle drei bis sechs Monate vorbei, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist.

Wer kaufen will, kann für den sog. "First Home Buyers' Grant" in Frage kommen, im Moment 7000 geschenkte Dollar vom Staat. Sobald man Eigentum über 500000 $ kauft, wird die sog. Stamp Duty (Steuer vom Staat) fällig – neben den üblichen Anwaltskosten (Conveyancer), den Kosten für Bauinspektion (building inspector) und Schätzung (valuation) etc…

Anders als in Deutschland mag eine Ungeziefer-Inspektion notwendig sein. Kakerlaken, Spinnen und vor allem Ameisen und Termiten mögen das warme Klima in Australien genauso gerne wie wir Menschen.

Mehr Infos zum Beispiel unter www.housing.nsw.gov.au.

Kredite für einen Hauskauf gibt es bei Banken, Credit Unions oder Kreditbrokern. Kreditbroker sind in Australien seit den 90ern etabliert und haben einen Großteil des Hypothekengeschäfts übernommen.

Beim Einzug sind die wichtigsten Kontakte:

Bankkonto (z.B. Westpac, Commonwealth Bank, National, Macquarie…)
Telefon (z.B. Telstra)
Strom (Energy Australia)
Wasser (normal über Vermieter geregelt)
Gas (z.B. AGL)

2. Autokauf und Fahren Down Under

Auch wenn es in den großen Städten Busse, Trambahnen, Züge oder Fähren (z.B. Sydney und Brisbane) gibt, so ist das Leben ohne Auto in Australien nicht immer einfach. Vor allem die extremen Entfernungen und die großen Flecken an unbewohntem Land machen das Reisen von A nach B nicht immer einfach. Günstige Flugverbindungen gibt es nur zwischen den großen Städten oder den Touristenorten. Der Kauf eines Autos erleichtert das Leben ungemein!

Gefahren wird in Australien auf der linken Seite – ansonsten sind die Verkehrsregeln ähnlich (es lohnt aber einen Blick in das Führerscheinhandbuch des RTA zu werfen.) Eindeutige Unterschiede gibt es bei den Parkregeln (10 Meter Abstand vor der nächsten Straßenkreuzung!) und bei der Höchstgeschwindigkeit: 110 auf Autobahnen. (Nur das Northern Territory ist auf seinen Highways etwas toleranter und erlaubt meist 130 km/h. Noch vor kurzem gab es gar kein Geschwindigkeitslimit auf den Highways) Verkehrssünder werden hart bestraft – mit Führerscheinentzug, hohen Geldstrafen (400 $ sind keine Seltenheit!) und sogar mit Gefängnisstrafen!

Wer über Land fährt, der muss sich ab der Dämmerung vor Wildtieren in Acht nehmen. Zusammenstöße mit Kängurus, Wombats oder Koalas sind häufig und führen oft zu schwerwiegenden Unfällen. Wer Nachtfahrten vermeiden kann, tut dies!

Der deutsche Führerschein wird (mit einer englischen Übersetzung oder mit internationalem Führerschein) anerkannt. Als temporärer Gast reicht das aus. Wer allerdings die Permanent Residency (also eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung) hat, der muss innerhalb von drei Monaten den australischen Führerschein erwerben. Weder eine theoretische noch eine praktische Prüfung werden in den meisten Staaten verlangt. Meist reicht es, die notwendigen Dokumente (dt. Führerschein, beglaubigte Übersetzung, Visum und Pass) vorzulegen und einen Augentest zu absolvieren.

Eine Linksammlung der relevanten Stellen finden Sie unter www.mtansw.com.au/links.htm

Wer ein Auto kauft, muss dies registrieren lassen. Hier sind die Regeln in allen Bundesstaaten und Territories unterschiedlich. Manche Staaten wie Westaustralien oder Tasmanien verlangen keinen Road Safety Test/Inspection Report, die meisten anderen dagegen schon. Wer reist, muss den Papierkram oft im Bundesland selbst erledigen, nur manche Staaten wie Westaustralien machen die „Rego“ auf postalischem Wege möglich. In New South Wales ist zum Beispiel ein sogenannter Pink Slip (wie unser TÜV – spezielle Werkstätten machen diese Checkups in ca. 20 Minuten) und ein Green Slip (Haftpflichtversicherung – Third Party Liability - ist gesetzlich vorgeschrieben) nötig. Bei Neuwagen reicht der Green Slip aus.

Beim Autokauf selbst gilt es herumzushoppen – bei Neuwagen wie auch Gebrauchtwagen. Während Neuwagen wie bei uns über die gängigen Autohäuser verkauft werden, kann man Gebrauchtwagen über Händler, Automärkte, Auktionen, Zeitungsannoncen oder das Internet erstehen. Europäische Autos sind relativ teuer (vor allem Ersatzteile!). Auch Gebrauchtwagen sind im Verhältnis teurer und haben mehr Kilometer. Das liegt ganz einfach am verträglichen Klima Australiens, das Autos nicht so schnell verrosten läßt. Trotzdem sollte man beim Kauf eines Gebrauchtwagens vorsichtig vorgehen und das Auto evtl. vor dem Kauf von einem Mechaniker checken lassen.

Bei einem Kauf von Privat ist es wichtig zu überprüfen, ob noch Schulden auf dem Auto sind oder es sogar gestohlen ist (REVS Check – wird in New South Wales angeboten). Siehe www.revs.nsw.gov.au/buyguide/whatis.htm

Die gängigen Webseiten für den Autokauf sind
www.tradingpost.com.au und www.carsguide.news.com.au

Viele Preise sind verhandelbar, möglichst nicht den angegebenen Preis bezahlen! Ono ist ein gängiger Begriff im Autohandel und bedeutet, dass der Preis nicht fix ist (or nearest offer).

Mehr zu den Regeln und Gefahren beim Autofahren finden Sie hier.

3. Das australische Gesundheitssystem

Das deutsche und australische Gesundheitssystem sind sich in vielem ähnlich. Beide haben einen extreme hohen Standard. Eine Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation WHO plazierte das deutsche System auf Platz 25 und das australische auf Platz 32. Deutschlands Vorteil ist, dass es kaum Wartezeiten für Behandlungen und Operationen gibt, während dies in Australien der Fall ist. Wie in Deutschland gibt es auch in Australien eine gesetzliche Krankenversicherung (Medicare). Diese kann man in Anspruch nehmen, sobald man eine permanente Aufenthaltsgenehmigung hat. Das Medicare System wird über Steuerzahlungen und eine 1,5 prozentige Abgabe vom Bruttogehalt finanziert. Krankenhausaufenthalte sind abgedeckt und Besuche beim Hausarzt sowie Rezepte werden subventioniert. Es empfiehlt sich, vor allem beim Zahnersatz private Zusatzversicherungen abzuschließen. Wer kein Anrecht auf Medicare hat, kann sich auch komplett privat versichern.

Grundsätzlich geht man in Australien immer zuerst zum Hausarzt und nie zum Spezialisten (z.B. Frauenarzt, Augenarzt, Orthopäde, Kinderarzt etc.). Für einen Besuch beim Spezialisten ist eine Überweisung vom Hausarzt notwendig.

4. Versicherungen

Australien bietet eine gesetzliche Krankenversicherung (Medicare) und etliche private Krankenversicherungen. Wer sich für den Anfang jedoch noch mit einem deutschen Produkt besser fühlt, der kann auch in Deutschland eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Einige Anbieter haben zum Bespiel extra Produkte für Deutsche, die im Ausland leben.
Außer einer Krankenversicherung bieten sich an: Hausrat- (die in Teilen auch unsere Haftpflichtversicherung mit einschließt) und Autoversicherung (Pflicht ist dabei aber nur die Autohaftpflicht!).

Mehr Infos zum Thema Krankenversicherung:
www.medicareaustralia.gov.au

5. Kinderbetreuung und Schulen

Es gibt unterschiedliche Optionen für die Kinderbetreuung in Australien. Von Babysittern, Tagesmüttern (family daycare) und Kindermädchen (nannies) bis hin zu Ganztageskrippen (long daycare), die Kinder von Geburt an aufnehmen (doch oft teuer sind und lange Wartelisten haben), bis hin zu Kindergärten und Pre-Schools, die die Kinder meist zwei oder drei Tage die Woche, von 9 bis 15 Uhr aufnehmen.

Außerdem gibt es viele Zusatzangebote wie Musikstunden, Schwimmen, sportliche Aktivitäten oder Spielgruppen (Playgroups). Die "Early Childhood Centres" in jedem Stadtteil organisieren Muttergruppen und stehen auch bei allen anderen Themen und evtl. Problemen kostenlos mit Rat und Tat zur Seite. Überhaupt sind Kinder in Australien immer und überall gerne gesehen und viele australische Familien haben zwei, drei oder gar vier Kinder.

Die Grundschule startet in Australien mit einem Kindergartenjahr zum Eingewöhnen (ab 4 oder 5 Jahre). Mit der Schulzeit startet auch das Dilemma, eine Entscheidung zwischen öffentlicher Schule (public school) und Privatschule (private school) zu treffen. Vor allem in Melbourne und Sydney legen viele Wert auf eine Ausbildung in einer namhaften Privatschule und viele spätere Jobkontakte werden dort geknüpft. Öffentliche Schulen sind umsonst (außer natürlich Schreibutensilien, Bücher, Schuluniformen – falls die Schule diese verlangt). Privatschulen kosten mehrere tausend Dollar im Jahr und können von Anfang an besucht werden oder nach der Grundschule (bis 12 oder 13 Jahre). Viele steigen – um Kosten zu sparen – erst ab Jahrgang 5 oder 7 ein. Einige Privatschulen sind von kirchlichen Organisationen gegründet und die meisten sind entweder reine Mädchen- oder reine Jungenschulen.

Es werden zwölf Jahre an Schulausbildung bis zum High School Certificate (HSC) angeboten. Schüler können ab der zehnten Klasse eine Berufsausbildung an der Berufsschule (VET - Vocational Education and Training / TAFE - Technical and Further Education) anfangen (obwohl viele das abgeschlossene HSC verlangen), für eine Universitätsausbilung ist aber das HSC notwendig. Die Unterscheidung in Haupt-, Realschule und Gymnasium ist nicht bekannt. Für besonders begabte Schüler werden sogenannte Selective Schools angeboten, die vom Staat gefördert werden.

Die Universitäten Australiens haben einen extrem guten Ruf, doch auch sie sind verhältnismäßig teuer und Kurse kosten mehrere tausend Dollar pro Jahr. Ein normaler Abschluss dauert drei Jahre, doch es gibt auch viele weiterführende Angebote und Abschlüsse.
Mehr Informationen dazu finden Sie unter http://studyinaustralia.gov.au/Sia/Splash.aspx

Vergleichbar zu unserem Bafög wird das Higher Education Contribution Scheme (HECS) angeboten, das Studenten ermöglicht, die Studiengebühren ab zu bezahlen, sobald sie nach der Universität eine Arbeitsstelle gefunden haben. Für Kinder aus ärmeren Verhältnissen werden spezielle Förderungen angeboten.

 
 

 


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