Änderungen beim 457 Visum in Diskussion
Das 457 Visum mag eine Art befristete
Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung sein, doch es hat
etlichen qualifizierten Arbeitskräften schon den
Weg nach Australien geebnet. Denn ist man erst mal im
Land und kann australische Arbeitserfahrung vorweisen,
hat man einen großen Pluspunkt bei der Bewerbung
um die Permanent Residence. Seit kurzem steht das bisher
oft am Rande behandelte Visum auch im Rampenlicht der
australischen Einwanderungsdiskussion.
Wir haben mit Giselher Dietrich
gesprochen, der als deutscher Einwanderungsanwalt in New
South Wales arbeitet. Er ist 2001 selbst über Umwege
nach Australien eingewandert. Zuvor hatte er in der Hotellerie
in Irland und in arabischen und afrikanischen Ländern
gearbeitet. Nach einer eigenen harten Anfangszeit Down
Under hat er sich zum Einwanderungsanwalt ausbilden lassen,
damit andere es einfacher haben, als er es einst hatte.
Herr Dietrich, werden die Änderungen
positiv oder negativ für neue Einwanderer sein?
Zunächst ist zu sagen, dass das 457
Visum business long-stay Visum ein befristetes, an einen
Arbeitgeber und Arbeitsplatz gebundenes Visum ist. Somit
ist der Aufenthalt in Australien temporär und keine
Einwanderung im Sinne eines unbefristeten Aufenthalts.
Natürlich stellen Menschen, die mit dem 457 Visum
in Verbindung mit einem Arbeitgeber nach Australien gekommen
sind, später oft einen Antrag für eine Dauerresidenz.
Das 457 Visum ist vor allem auf Seiten
der australischen Gewerkschaften nicht gerne gesehen,
da angenommen wird, dass - anstatt australischer Fachkräfte
zu den festgesetzten Konditionen und Bedingungen zu beschäftigen
- Arbeitskräfte aus Übersee - vor allem aus
Niedriglohnländern – eingestellt werden. Auch
ergibt sich ein Abhängigkeitsverhältnis des
Arbeitnehmers an den Arbeitgeber, denn entfällt der
Arbeitsplatz erlischt das Visum.
Die diskutierten Änderungen beinhalten
vor allem auch Möglichkeiten für 457 Visa Inhaber,
leichter zu einer Dauerresidenz überwechseln zu können,
da man keinen Pool an „Gastarbeitern“ ohne
ordentliche Rechte langfristig im Land haben möchte.
Denkbar ist auch, dass berufsbezogene und nicht von einem
Arbeitgeber abhängige Dauerresidenzen Teile des 457
Visa Programms ersetzen. Derlei Dauervisa werden ja schon
seit Jahrzehnten unter „General Skilled Migration“
vergeben. Im aktuellen Einwanderungsjahr werden 133 500
solcher Dauerresidenzen vergeben, das ist der höchste
Stand jemals.
Somit sind die geplanten Änderungen
sehr positiv für neue Einwanderer, da sich die Möglichkeiten,
die begehrte Permanent Residence zu bekommen, verbessern.
Was könnte sich Ihrer Meinung nach
konkret ändern?
Ich denke, dass es beim 457 eine ganze
Reihe von Änderungen im Bezug auf Mindestlöhne,
Arbeitsbedingungen und Form und Art der Arbeitsverträge
geben wird. Darüber hinaus werden Sanktionen, die
gegen auffällige Arbeitgeber verhängt werden
können, verschärft. Auch wird es vermutlich
leichter werden, von einem 457 Visum zu einem Dauervisum
zu wechseln.
Wie sollen Auswanderungswillige darauf
reagieren?
Auswanderungswillige sollten sich darüber
im Klaren sein, dass das 457 Visum ein befristetes Visum
ist und bleibt, bei dem man immer an einen Arbeitgeber
gebunden ist und wieder das Land verlassen muss, wenn
das Arbeitsverhältnis endet. Auch bekommt man als
„gesponserter“ Arbeitnehmer oft nicht die
gleichen Konditionen wie ein Inhaber einer Permanent Residence
oder australischer Bürger. Jeder, der vor hat, für
länger als ein bis zwei Jahre in Australien zu bleiben,
dem empfehle ich, die Möglichkeiten für eine
Dauerresidenz zu prüfen und bei positiver Prüfung
den Aufwand auf sich zu nehmen, um dann hinterher im Land
sehr viel besser da zu stehen.
Wie schätzen Sie die allgemeine
Situation für Auswanderer ein? Nach wie vor sind
ja Arbeitskräfte gesucht, doch die Lebenshaltungskosten
(Lebensmittel, Benzin und Mieten) sind in den vergangenen
Wochen ja wahrlich explodiert?
Obwohl es vorübergehend eine Abflachung
des Wirtschaftswachstums gibt, gehen führende Demographen
der Australian National University davon aus, dass sich
die Einwanderungsquoten als Reaktion auf eine alternde
aber wohlhabende Gesellschaft weiter erhöhen werden,
um junge Fachkräfte nach Australien zu holen. Hier
ist Australien in der glücklichen Lage, dass es seit
Jahrzehnten ein gut funktionierendes System zur Auswahl
dieser Fachkräfte gibt.
Die Explosion der Preise macht vor
allem Familien zu schaffen. Der Anstieg der Preise von
Lebensmitteln oder Benzin ist kein ausschließlich
australisches Phänomen, wobei die Situation vor allem
in Sydney und Perth durch die Knappheit an Wohnraum etwas
verschärft wird.
Giselher Dietrich
Australian Visa and Immigration Network
Registered Migration Agent MARN 0635529 MIA Member
Web: http://www.avin.net.au