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Deutsches Fernsehen auch in Australien

Oma will fernsehen – ein Bericht über den Online TV Rekorder

Wenn man schon so weit von Deutschland wohnt, wie wir hier in Australien, dann soll wenigstens der Besuch der eigenen Oma nicht am fehlenden deutschen Fernsehprogramm scheitern. Meine Oma wollte uns nur besuchen kommen, wenn ich ihr garantieren kann, dass sie ihre Lieblingssendung nicht verpasst. Nun wäre die naheliegende Variante gewesen, die Sendung einfach aufzuzeichnen und dann nach der Rückkehr anzuschauen. Aber das wollte sie auch nicht, da käme ja ihr normaler Tagesablauf komplett durcheinander. Es muss schon garantiert sein, dass sie am Sonntag Abend ihren Krimi anschauen kann.

Deshalb hab ich ihr folgende Anleitung geschrieben, bzw. ich hab ihr eine E-Mail geschickt:

Liebe Oma,

Es freut mich, dass du dich entschlossen hast, uns besuchen zu kommen – endlich sehe ich dich wieder!
Ich habe eine Lösung für dein Fernseh-Problem gefunden. Es gibt heutzutage die Möglichkeit, online (im Internet) die Aufzeichnung von Fernsehsendungen zu beauftragen, diese dann aus dem Internet auf einen Computer zu laden und entweder direkt am Computer zu betrachten, oder auf eine CD oder DVD zu brennen und dann ganz gewöhnlich am eigenen Fernseher zu betrachten.
Die Seite, die das für deutsche Fernsehsender anbietet, heißt: www.onlineTVrecorder.com

Was ist zu tun? Zuerst braucht man ein Konto bei dieser Firma – man muss seine E-Mail Adresse angeben (du weißt schon oma@internetz.de) und ein Passwort anlegen (niemandem verraten, aber trotzdem bitte merken). Mit deinem neuen Konto kannst du dann auf der Seite Aufnahmen von Fernsehsendungen beauftragen. Das ist ganz einfach – ein Klick mit der Maus auf die gewünschte Sendung und schon wird diese Sendung für dich aufgezeichnet. Es gibt zusätzlich verschiedene Ansichten, die es dir ermöglichen zu sehen, welche Sendungen bereits fertig aufgezeichnet sind, bzw. welche Sendungen in der Zukunft am Aufnahmeplan stehen.
Sobald eine Aufnahme fertig gestellt ist und von den Heinzelmännchen, die die Internetseite betreiben, ins richtige Dateiformat umgewandelt wurde, lässt sich die Aufnahme auf einen Computer herunterladen. Das dauert je nach Leitungsgeschwindigkeit unterschiedlich lang. Mit deiner Internetanbindung mit Telefoneinwahl ginge das nicht, aber hier bei uns hast du ja eine DSL Leitung – ist nicht wichtig, was das ist, es sei dir nur gesagt, dass das viel schneller geht, als bei dir zuhause.
Damit ist schon fast alles erledigt – wenn man die Datei einmal hat, muss man sie nur noch zum Abspielen vorbereiten. Auf der Internetseite dieser Firma gibt es ein Programm, das sich Decoder nennt. Dieses Programm zeigt als Symbol sinnigerweise einen Schlüsselbund – es ermöglicht nämlich das Entschlüsseln von aufgezeichneten Sendungen. Es muss also überprüft werden, ob du auch tatsächlich die Aufnahme beauftragt hast, bevor du sie betrachten darfst. Das hat rechtliche Gründe – man darf ja seit es Radio und Fernsehen gibt private Aufnahmen von Rundfunksendungen machen und auch im privaten Umfeld Kopien erstellen, aber eben nicht öffentlich verbreiten und schon gar nicht kommerziell.

Ich freu mich auf deinen Besuch,
Dein Enkel

Tja, und was schickt mir meine Oma für eine Antwort? Per Brief, da sie sich immer noch nicht so recht mit dem Internet und E-Mail anfreunden will, und dann auch noch abschlägig:

Mein lieber Enkel,

Ich muss die Reise leider absagen. Wie du wahrscheinlich schon mal gehört hast, dreht sich die Erde mit Australien voran in den Tag – d.h. wenn hier mein Krimi läuft, schlaft ihr in der Regel schon. Wie soll ich da den Abend genießen, wenn ich meinen Krimi nicht ansehen kann? Auch das Betrachten der Sendung am nächsten Tag ist für mich keine Option, denn da ist dann ja schon Montag.

Weitere Gründe sind, dass ich nicht mit meinen Fernsehsendungen euer Datenlimit überschreiten will – ich weiß, du wirst sagen, dass ich dir das wert bin, aber trotzdem. Was passiert außerdem, wenn sich eine Sendung zeitlich etwas verzögert? Zuhause kann ich darauf noch spontan reagieren – da merk ich das rechtzeitig, da der Fernseher am Sonntag eh dauernd läuft (der Opa mit seinen Sportübertragungen – statt, dass er sich selbst mal bewegt). Mit den Internet-Aufzeichnungen, das ist mir einfach nichts! Und wer weiß, vielleicht gibt es dann doch irgendwelche rechtlichen Probleme?

Sei mir nicht böse, aber da musst du schon nach Deutschland kommen, um mich zu sehen!

Sei gedrückt,

Deine Oma

Das Fazit der Geschichte: Wenn sich nur die Erde in der anderen Richtung drehen würde, dann wäre wohl auch meine Oma zu Besuch nach Australien gekommen!


Hier aber nun eine etwas neutralere Anleitung:

(Dabei sei erwähnt, dass die Infobahn Australia die Benützung des Services www.onlineTVrecorder.com ausdrücklich nicht unterstützt oder bewirbt. Bitte beachten Sie bei der Nutzung die gesetzlichen Regelungen in Deutschland!)

Auf www.onlineTVrecorder.com, kurz OTR, wird dem registrierten Nutzer angeboten, Aufnahmen von in Deutschland ausgestrahlten Fernsehsendungen im Free TV (ARD, ZDF, Sat1, RTL, RTL2, SRTL, Pro7, Kabel 1, VOX, MTV, 3sat, Arte, EUROSPORT, CNN, N24, KIKA, DSF, usw.) per Kundenauftrag auszuführen. Zur Registrierung benötigt man lediglich eine aktuelle E-Mail Adresse und ein Passwort. Die Aufnahmen werden in der Form einer sogenannten OTR Datei circa zwei Stunden nach der Ausstrahlung in Deutschland auf einem Server zum Herunterladen bereitgestellt.

Das Laden der Aufnahmedatei erfolgt entweder direkt von der OTR Seite, von diversen Mirrors (Spiegelserver, die die Aufnahme ebenfalls bereitstellen, oder über Torrent – Filesharing). Hier liegt auch die Krux der Geschichte.
Beim Download direkt von OTR kann es unter Umständen recht lange dauern, bis man überhaupt zum Download drankommt – prinzipiell gilt, wer zuerst kommt, malt zuerst. Es gibt dabei aber auch die Möglichkeit, den Download zu bezahlen – über Good Will Points (1 GWP entspricht einem Eurocent), die man zuerst verdienen kann, indem man fleißig auf die Werbebanner der OTR Seite klickt, oder sich eben als sehr aktiver User zeigt, oder die man aufladen muss (durch Bezahlung echten Geldes). Als letzte Möglichkeit bleibt das Bezahlen in ‚harter’ Währung (25 ct pro Download).

Wenn man dann mal die Aufnahmedatei auf dem eigenen PC hat – und mit dem Herunterladen eines Filmes etwa 700 Megabyte Datenvolumen über seinen Internetanschluss geleitet hat, muss die Datei dekodiert werden. Dazu stellt OTR einen Decoder zur Verfügung.
Achtung: wenn man das Datenvolumen des Anschlusses überschreitet, kann es teuer werden – die Internet Service Provider lassen sich das gut bezahlen. Die Downloadgeschwindigkeit hängt natürlich von der Art des Internetanschlusses ab – bei 100 kb/s dauern die 700 Megabyte etwa 7000 Sekunden, also fast zwei Stunden.
Nicht so ganz nachvollziehbar ist die Berechnung der GWPs für den priorisierten Download – bei einem Datenvolumen von 700 Megabyte sollten etwa 12 GWPs anfallen, nicht – wie oben angegeben – 48.

Das Dekodieren geht im Gegensatz zum Download sehr schnell.
Man kann also frühestens 4 Stunden nach der Ausstrahlung einer Sendung in Deutschland die persönliche Aufnahme im Format einer avi – Datei am PC anschauen. Dazu reicht ein gängiger Medienplayer (z.B. Windows Media Player).

Die Vor- und Nachteile in einer kurzen Zusammenfassung:

OTR bietet orts- und zeitversetztes Fernsehen aus Deutschland. Der Zeitversatz kommt dabei nicht ganz freiwillig zustande, das ist aber hier in Australien nicht weiter tragisch. Die Datenmengen können sich bei einer dem deutschen Fernsehen zugetanen Person durchaus in bemerkenswerte Höhen schrauben – das muss man dann mit seinem persönlichen Finanzminister diskutieren, ob sich die Investition in eine schnelle Internetleitung mit ordentlichen Datenvolumen rentiert, oder stattdessen doch lieber hin und wieder ein Datenträger mit dem unbedingt gewünschten Film beschafft werden darf. Insgesamt also nicht ganz kostenlos, die Sache.

Bei Fernsehsendungen, die es im freien Handel allerdings nicht zu kaufen gibt, ist der OTR eine schöne Sache, da man die Aufnahmenprogrammierung von jedem PC mit Internetanschluss aus erledigen kann. Wem ist das noch nicht passiert, dass er im Büro draufgekommen wäre, dass man vergessen hat, eine wichtige Aufnahme zu programmieren? Allerdings kann es auch sein, dass die Aufnahmen fehlerhafte Stellen aufweisen, bzw. am Schluss abgeschnitten sind – wenn der Herr Gottschalk seine wahrhaft Abend füllende Show bis über Mitternacht verlängert, sind die Ausstrahlungen danach natürlich zeitversetzt – das kann die Leute bei OTR wohl manchmal überfordern.

Rechtliche Gesichtspunkte im Auge behalten!
Zum Schluss sei noch mal auf die rechtliche Situation verwiesen – es wird auf OTR angegeben, dass das Erstellen einer persönlichen Aufnahme aus dem freien Rundfunk legal ist – inklusive der Privatkopie auf einen Datenträger. Es sei an dieser Stelle jedoch empfohlen, die Diskussionen über Urheberrechte, Tauschhandel, und Ähnliches im Internet aufmerksam zu verfolgen. Zudem muss ein Nutzer eigentlich in Deutschland Rundfunkgebühren bezahlen. Die Oma, die zu Besuch kommt, tut dies wahrscheinlich, der Ausgewanderte aber ja eher nicht.

Auf der OTR Seite wird in einem Wiki-Portal alles Wissenswerte zum angebotenen Service zur Verfügung gestellt – in diesem sollten alle weiteren Fragen zum Thema OTR und seinen Funktionen beantwortet sein.

Ein Bericht unseres Kommunikationsexperten Bernhard aus Adelaide, Januar 2008.

Photo Credit: Online TV Rekorder

 


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