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Literarisches Down Under
Oder was das wahre Leben am anderen Ende der Welt so schreibt...

Eine Familie stellt sich vor .I. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier .I. Oh mein Gott - Es ist Newsletter-Thursday .I. Jogginghosenmania .I. Radfahren mit Helmpflicht .I. Ein Friseurbesuch .I. Ein Restaurantbesuch .I. Verkehrte Welt .I. Eric und die Plastiktüte .I. Wo sind sie - die guten alten Zeiten? .I. Auf die Plätze fertig los und "Action" .I. Zweimal "D" - Dingos und Deutsche .I. Nazim ist tot .I. Ach die liebe Sprache .I. My Home is my castle .I. Lauter gute Nachrichten .I. Kurz notiert .I. Für den guten Zweck .I. Der Segen der Zweisprachigkeit .I. Eine Kurzgeschichte (Teil 1) .I. Eine Kurzgeschichte (Teil 2) .I. Gute Zeiten, schlechte Zeiten .I. Landidylle .I. November-Stress .I. Hier krabbelt was... .I. Grün – Rot - Gold .I. Kakerlaken und andere australische Freuden... .I. Beim Umweltschutz ganz vorne mit dabei .I. Von Fehlkäufen und Türklinken .I. Von flüggen Kindern und laut zählenden Menschen

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Viva Austrälia

Ich kauf mir was

John und ich haben eine große Bitte an alle Konsumenten. Bitte hört auf Geld auszugeben, das ihr nicht besitzt. Wir wollen einfach nicht mehr für Leute „bestraft“ werden, die ständig ihre Kreditkarten zücken, aber kein Geld auf dem Konto haben. Oder wie sonst ist die Aussage zu verstehen, dass der Leitzins erhöht werden muss, weil die Australier zu viel Geld ausgeben? Und könnte mal jemand dem Harvey erzählen, niemand braucht Konsumgüter, die er sich nicht leisten kann. Schluss mit der Werbung – Kauf heute – bezahl drei Generationen später!
Auch bei dem Angebot – Kauf 2, ramsch dir das dritte Teil für den halben Preis – spart man nicht wirklich. Logik sagt zwar bei diesem verführerischen Angebot, je mehr Geld man ausgibt, je mehr spart man, aber hey – dem ist nicht so.
Je mehr Geld man ausgibt, je mehr Geld gibt man aus. Da gibt’s kein Drehen und Wenden, wie es gerade dem Konsumentenhirn passt.
Kaufentscheidung treffen, Ware auf Verkaufstresen legen, Geld dem Verkäufer hinlegen, Verkäufer nimmt Geld, Geld wech, knisternde Scheine und klimpernde Münzen auf Konto von Geschäftsinhaber, Geschäftsinhaber auf Weltreise, Konsumenten-Portemonnaie leer - langes Gesicht, Geschäftsinhaber hält sich vor lauter Lachen den Bauch und stopft sich erlesene Speisen in den Rachen, Konsument isst Fish ’n Chips, Konsument fühlt sich schlecht, Konsument geht einkaufen, Inhaber hat Dauergrinsen im Gesicht.

Meine Version von „Volkswirtschaft leicht gemacht“ - gepaart mit Lebenserfahrung. Aber das Schärfste kommt ja noch. Weil in Amerika die Banken zu viel Geld an Menschen verliehen haben, die sich dann wiederum Häuser davon gekauft haben, die sie sich nicht leisten konnten und viele ausländische Banken Geld in diese Hypotheken investiert haben, weil sie dachten – hey geil lass uns mal Milliarden verdienen, indem wir Geld verleihen, was uns gar nicht wirklich gehört - steigen bei uns die Zinsen. Oder habe ich das missverstanden? Ich lasse mich gerne aufklären, man will ja keinen Unsinn erzählen.

Kann mal jemand dieses Karussell stoppen? Ich will aussteigen.

Auf unserer Telefonrechnung steht ja schon seit langem der Posten 2 $ dafür, dass wir der Telefongesellschaft keine Einzugsermächtigung erteilt haben. Nein, meine Lieben, wir möchten auch nicht, dass Hinz und Kunz Zugriff auf unser Konto hat. Wozu? Wir zahlen unsere Rechnungen pünktlich. Jetzt stehen 2 $ zusätzlich drauf, für die Ehre eine Rechnung geschickt zu bekommen. Bislang war ich immer der Meinung, wer Geschäftsbeziehungen pflegt, schreibt Rechnungen, für dessen Aufwand er den Verbraucher nicht finanziell belangt, weil ähm – ja wie soll ich es jetzt sagen – man sonst dem Kunden Geld für das Privileg dafür aus der Tasche leiert, ähm Kunde zu sein. Ja, ich glaube das trifft ganz gut, wie ich es empfinde. Ich muss keine Papierrechnung mit der Post empfangen. Ich möchte aber verdammt noch mal rechtzeitig darüber aufgeklärt werden und eine Wahlmöglichkeit haben und nicht klammheimlich hier 2 $ und da 2 $ mehr berechnet bekommen. Das regt mich total auf. Es regt mich auf, wenn so etwas nicht ganz deutlich in großen Buchstaben auf der letzten Rechnung steht. Ich möchte kein Elektronenrastermikroskop benutzen müssen, um über Änderungen informiert zu werden. Ich fühle mich verarscht – auch wenn ich eine 20/20 Sehkraft habe. Adleraugen habe ich deshalb noch nicht. Wie seht ihr das? Ist euch das auch passiert, dass ihr erst Monate später gesehen habt, dass Gebühren erhoben werden, die kürzlich noch nicht da waren?

PS John ist etwas mehr ergraut, weil Jaime mit einem Cricketball meine Heckscheibe zerdeppert hat – Kostenpunkt 750 $ - Selbstbeteiligung – 500 $. Keine drei Wochen vorher hatte John mit einem – Überraschung – Cricketball Marcos Fensterscheibe zerdeppert. Kosten um die 90 $. Die Autosteuern sind fällig – über 500 $. Meine Reisekrankenversicherung ist fällig – Kosten – 500 $. Ein neues Bett plus super Matraze gekauft – Kostenpunkt – wollt ihr jetzt nicht wirklich wissen. Tickets mit einem weinenden Auge bezahlt – Preis – unerhört.
Die gute Nachricht – ich freue mich wahnsinnig auf meine Familie in Deutschland. Endlich kann ich mal wieder an vier Geburtstagen teilnehmen. Schade ist nur, dass in der Zeit Marco 20 Jahre alt wird, John 43 Jahre alt wird – Jaime und ich nicht da sein werden, aber so ist immer was – wie man es auch dreht, irgendjemand missed out – das ist das Los der Auswanderer.
Dem Hund geht’s gut.

Diskutiert im neuen Forum mit Renate mit - wir haben extra eine Plauderecke für all die bunten Themen eingerichtet. Hier gehts zum Forum.

Gestatten: Familie Norder/Cook, Berwick– 45 Kilometer südöstlich von Melbourne

Renate, 41 Jahre, vor neun Jahren der Liebe wegen von Deutschland nach Australien ausgewandert – noch ohne Midlife Crisis, aber manchmal mit Australien-Krise.

John, 41 Jahre, leidenschaftlicher Australier, zwangsläufig der deutschen Kultur ausgeliefert – weigert sich standhaft Rotkohl und Sauerkraut zu essen.

Marco, 19 Jahre, Student der Betriebswirtschaft & Kommunikation, Deutsch-Australier – neben Uni, Nebenjobs und Sport, findet er immer noch ausreichend Zeit im Kühlschrank nach Essbarem zu kramen, spart fleißig, um bald als Rucksacktourist durch Europa zu pilgern.

Jaime, 7 Jahre, Grade 2 der Primary School, war sechs Jahre lang überzeugter Aussie – ihm hat Deutschland im Urlaub so gut gefallen, dass er demnächst dorthin ziehen will.

Ellie, 10 Jahre, Red Heeler-Bullterrier Mischling – jagt gerne Magpies.


Renate Norder
ist freiberufliche Schriftstellerin und begeisterte Bloggerin, wenn sie sich nicht gerade um ihre drei Männer und den Magpie jagenden Hund kümmert. Sie schreibt einmal die Woche auf der InfobahnAustralia, wie sich das Leben auf der Südhalbkugel so anfühlt. Wer ihr eine e-Mail schreiben möchte, kann dies tun unter nochnuser@hotmail.com

Foto Credit: Renate Norder