|
Annette Dutton (43) lebt seit sieben Jahren
in Australien. Dabei hatte sie im Jahre 2000 doch nur nett Urlaub
machen wollen. Alles, wonach ihr der Sinn stand, waren ein paar
beeindruckende Tauchgänge am Great Barrier Reef. Dass sie
sich bei dieser Gelegenheit gleich den Mann fürs Leben
angeln würde, konnte sie damals noch nicht ahnen. Bis vor
kurzem lebte sie mit Ehemann John und ihrem vierjährigen
Sohn Oscar noch im eher kühleren Bundesstaat Victoria.
Doch der Umzug ins tropische Cairns brachte ihr Leben etwas
in Aufruhr.
Alles neu im Norden
"Und? Schon eingelebt?", fragte
mich nach nur einer Woche im neuen Heim ausgerechnet die bodenständigste
meiner Freundinnen. Sie hatte ihren Torf nur fürs Studium
verlassen, zögernd und eigentlich unwillig. "Wie kommst
Du in der Küche klar?", setzte sie nach, während
ich nöch grübelte, ob das Lokalkolorit nach sieben
Tagen bereits auf mich abfärben konnte. Ich hob beide Augenbrauen
und starrte in die Sprechmuschel. Sollte ich die Freundin all
die Zeit falsch eingeschätzt haben oder besser gesagt:
sie mich?...
...Gut, ich koche ganz gerne, aber das heißt doch nicht,
dass ich mich heimisch fühle, sobald ich den noch unbekannten
Gasherd unfallfrei bedienen kann. Nun zog ich die Brauen vor
Ärger zusammen, was fast sofort Kopfschmerzen auslöste.
Ich musste mich dringend entspannen. Vielleicht sollte ich
mich tatsächlich in einen Yoga-Kurs einschreiben. Obwohl:
Yoga ist total anstrengend. Haben Sie's schon mal probiert?
Ich ja, während meiner Schwangerschaft. Schmerzend war
das. In diesem Sinne dann auch irgendwie geburtsvorbereitend.
Aber ich komme schon wieder vom Wege ab.
Ich war also leicht verstimmt, als mein Bewegungsradius auf
Küchenmaß begrenzt wurde. Da war das Mittelalter
ja progressiver. Ich hatte mal gelesen, dass der Lebensraum
eines normalen Menschen in jenen dunklen Zeiten gerade mal 12
km betrug. Da hatte ich es doch entschieden weiter gebracht.
Nach Cairns City nämlich, was so um die 14 km vom heimischen
Herd entfernt ist. Was ich da zu suchen hatte? Na, da gibt's
an drei Tagen in der Woche einen tollen Obst- und Gemüsemarkt,
den sich die besonnene Hausfrau nicht entgehen lässt. Ja,
schon gut. Sie haben recht. Meine Freundin hat meinen wunden
Punkt getroffen.
Was hab ich als erstes getan, als ich nicht mehr wusste, welche
Kiste nun auszupacken war und ich keinen Bock mehr hatte, Oscar
bei den Kindergärten der Umgebung anzubiedern? Traurig,
aber so isses: Ich bin in den Supermarkt, wo ich geschlagene
1 1/2 Stunden verbracht habe. Der war mir ja neu, ich musste
mich erst mit jedem Regal persönlich vertraut machen. Nicht,
dass sich die Supermärkte im Lande großartig voneinander
unterscheiden würden. Eher gar nicht. Ein Safeway sieht
in Warrnambool genauso aus wie der Kollege in Cairns. Seltsam.
Da reist man 3.600 km weit und weiß beim ersten Betreten
des Supermarktes, wo der Zucker steht. Öde, gell? Aber
eben auch beruhigend. Eine Konstante im Leben der noch orientierungslosen
Familienköchin. Was hatte ich dann dort 90 Minuten lang
zu schaffen? Ha, es war ein Coles und kein Safeway! Die Coles
sehen zwar untereinander auch alle gleich aus, aber ich bin
eben seit meiner Warrnambool-Zeit Safeway-Mensch. Würde
ich heute erblinden, ich könnte morgen ohne Hilfe die Gänge
meines Supermarktes entlangschlendern und die Angebote erschnüffeln.
Nicht so bei Coles - noch nicht.
Wieder daheim, habe ich statt der Frühlingszwiebel erstmal
den Finger geschnitten und den Wok verrußt. Braucht eben
doch so seine Zeit, die neue Küche kennenzulernen (und
umgekehrt). Hatte ich bereits erwähnt, dass ich bedauerlicherweise
zu viel fluche? Nein? Sie hätten mich mal bei meinem ersten
Tropen-Woken hören sollen. Schön ist anders. Muss
ja flott gehen in der chinesischen Pfanne. Ich sag nur: Mise
en place. Recht haben sie, die internationalen TV-Chefs. Alles
schön vorbereiten und am Platze haben, bevor geköchelt
wird. Während der Brokkoli im Wok schnell verkokelte, riss
ich eine Schublade nach der anderen auf. Irgendwo musste der
verdammte Wender doch sein! Knall, peng, letzte Schublade mit
dem Fuß zugetreten. Nichts zu machen, da war kein Wender.
In meiner Not hab ich die Tankstellenauffahrt meines Sohnes
missbraucht, die ich vom Esstisch gerissen hab. Mit vier braucht
er noch keine Tankstelle. Ist angesichts heutiger Benzinpreise
auch kein Traumjob (allein das Gepöbel beim Bezahlen).
Abgesesehen von kleineren Brandblasen hat sich der Adhoc-Spatel
bestens bewährt. Ich hebe ihn nun in der Schublade mit
den Kochlöffeln auf. Man weiß ja nie und noch vermisst
mein Sohn das graue Plastikteil nicht. Den Wender hab ich übrigens
doch noch gefunden. Im Garten, wo mein Sohn die kleine Stechpalme
umpflanzen wollte.
"Ihr zwei habt Euch ja prächtig eingefunden",
klopft mir mein Mann an jenem Abend auf die Schulter. Oscar
will den Spaten wieder und heult. Ich kippe stumm reichlich
Sojasosse aufs Essen. Eingelebt? Wir sind leider noch die von
vorher, der Herd ist halt anders.
Text und Foto Credit: Annette Dutton |